Futterverweigerung und anorektale Abszesse bei Mastschweinen möglicherweise verursacht durch eine Kontamination von Corn-Cob-Mix mit Gewöhnlichem Stechapfel (Datura stramonium)
Im Oktober 2022 kam es in einem nordwestdeutschen Schweinemastbetrieb innerhalb weniger Tage zum vermehrten Auftreten von anorektalen Abszessen bei Endmastschweinen. Der Mäster hält ca. 3000 Schweine. Betroffen waren ausschließlich Endmastschweine (ca. 100kg) in verschiedenen Stallabteilen und -buchten. Die betroffenen Schweine wiesen eitrig-entzündliche Veränderungen zwischen Rektum, Anus und Schwanzansatz auf. Anzeichen mechanischer Verletzungen oder Kannibalismus konnten nicht nachgewiesen werden. Der Halter berichtete von einer plötzlichen auftretenden Futterverweigerung ca. 2 Wochen vor dem Auftreten der Abszesse. Ab diesem Zeitpunkt erfolgte der Einsatz einer neuen Charge Corn-Cob-Mix. Die Tiere erhielten Flüssigfutter aus Getreide (Gerste, Weizen), Corn-Cob-Mix und ein Ergänzungsfuttermittel. Im Anmischbehälter der Flüssigfütterung konnten untypische, schwarze, stecknadelkopfgroße Partikel festgestellt werden. Nach Rücksprache mit dem Landwirt, der den Mais für den Corn-Cob-Mix angebaut hatte, konnte Gewöhnlicher Stechapfel (Datura stramonium) als Kontamination ermittelt werden. Eine Anfälligkeit von Schweinen auf die antinutritiven Effekte von Stechapfel ist bekannt. Diese umfasst neben der Futterverweigerung auch eine Reduktion der Magen-Darmmotorik. Im vorliegenden Fall konnte vom Tierhalter eine Verstopfung bei betroffenen Schweinen nicht direkt beobachtet werden, scheint aber dennoch wahrscheinlich. Diese könnten in der Folge zu den beschriebenen anorektalen Abszessen geführt haben.
In October 2022, an increased incidence of anorectal abscesses occurred within a few days in finishing pigs on a pig fattening farm in north-western Germany. The farm keeps approx. 3000 pigs. Only finishing pigs (approx. 100 kg) in various stall compartments and pens were affected. The affected pigs developed purulent-inflammatory changes in the region between rectum, anus, and base of the tail. Signs of mechanical injuries or cannibalism were not evident. The owner reported a sudden refusal to feed about two weeks prior to the appearance of the abscesses. A new batch of corn-cob-mix was used from this point onwards. The animals were given liquid feed consisting of grain (barley, wheat), corn-cob-mix and supplementary feed. Atypical black particles the size of a pinhead were found in the mixing container of the liquid feed. After consultation with the farmer who had grown the maize used for the corn-cob mix, common datura (Datura stramonium) was identified as a contaminant. Pigs are known to be susceptible to the antinutritive effects of datura. In addition to feed refusal, this also induces a reduction of gastrointestinal peristaltic movement. In the present case, constipation was not directly observed in the affected pigs by the farmer, however, this nevertheless appears to represent the likely cause of the dermal changes. Subsequently, the datura contamination could be involved in the pathogenesis of the described anorectal abscesses.
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