Bildgebende und funktionelle Untersuchungen der Nebennieren bei jungen Hunden unter einem Jahr mittels Sonographie, CT-Volumetrie und Basalkortisol-Analyse
Die Früherkennung von Nebennierenerkrankungen, insbesondere des Hypoadrenokortizismus (HA), ist beim Hund aufgrund der unspezifischen klinischen Symptomatik schwierig. Insbesondere bei akutem Krankheitsverlauf kann eine unbehandelte Nebenniereninsuffizienz zur lebensbedrohlichen „Nebennieren-Krise“ führen. Die präzise bildgebende Beurteilung der Nebennieren könnte in der Frühdiagnostik hilfreich sein, ist jedoch insbesondere bei Junghunden nicht klar zu interpretieren, da bislang keine altersabhängigen Referenzwerte vorliegen. Ziel dieser Arbeit war die prospektive Untersuchung der Nebennierenentwicklung bei Hunden im Alter von bis zu einem Jahr mittels Sonographie und die Größen- und Volumenbestimmung der Nebennieren mittels Computertomographie (CT). Hierbei sollten erstmals Grundlagen für alters- und größenadaptierte Referenzwerte für Junghunde geschaffen werden. Die sonographische Untersuchung erfolgte im Rahmen einer prospektiven Studie an zehn gesunden Versuchstieren (Beagle im Alter zwischen 6–12 Monaten), die in vierwöchigen Abständen untersucht wurden. Dabei wurden die Länge sowie der transversale Durchmesser des kaudalen und kranialen Pols der Nebennieren vermessen. Ergänzend wurde der Basalkortisolspiegel erhoben. Die Ergebnisse zeigten sonographisch ein signifikantes Wachstum der Nebennierenparameter, wobei die rechte Nebenniere tendenziell größer und in ihrer Darstellung sonographisch anspruchsvoller war. Die größten Wachstumsraten zeigten sich im kaudalen Pol, insbesondere bis zum 10. Lebensmonat. Eine signifikante Korrelation zwischen Kortisolspiegeln und Nebennierengröße konnte nicht festgestellt werden. Die Kortisolwerte blieben über den Untersuchungszeitraum stabil, lagen jedoch häufig im unteren Referenzbereich für adulte Hunde, ohne jedoch eine pathologische Unterfunktion anzuzeigen. Ergänzend wurde eine retrospektive CT-Analyse von 26 Junghunden verschiedener Rassen durchgeführt. Die Auswertung zeigte, dass Körpergewicht und erwartete Endgewicht statistische Signifikanzen mit dem Volumenwachstum der Nebennieren zeigen. Die rechte NN zeigt Größenunterschiede, während die linke im mittleren Entwicklungszeitraum ein Plateau erreichte. Die Volumina lagen insgesamt teils unter, teils innerhalb physiologischer Referenzbereiche, die bereits für adulte Hunde existierten, wobei Größen spezifische Unterschiede hervorgehoben wurden. Dies konnte auf ein vermutliches Wachstum von NN über das Erreichen des ersten Lebensjahres hinaus hinweisen, wobei detailliertere Folgestudien zur Überprüfung dieser Vermutung nötig wären. Beide Studien ergänzten sich hinsichtlich ihrer Methodik: Die Sonographie ermöglichte eine nicht-invasive, standardisierte Verlaufskontrolle in einer homogenen Beaglepopulation im Verlauf einer homogenen Population, während die CT als hochauflösende Technik valide volumetrische Daten in einer heterogenen Population lieferte. Die traditionellen Messungen im CT zeigten eine deutliche Variabilität und eine konsistente Asymmetrie mit einer tendenziell längeren linken NN. Während die rechte NN eine gleichmäßige Längenzunahme aufwies, deutete die linke auf eine nichtlineare Entwicklung hin, was unterschiedliche Reifungsdynamiken vermuten lässt. Insgesamt lagen die Werte im Rahmen veröffentlichter Referenzen, mit nur einem leichten Ausreißer. Die größere Spannweite der Messungen im Vergleich zur Vorläuferstudie erklärt sich durch die Einbeziehung schwererer Tiere und verdeutlicht die Notwendigkeit gewichtsabhängiger Referenzwerte zur exakten Beurteilung der Nebennierengröße bei Welpen. Die Übereinstimmung beider Methoden unterstreicht die Aussagekraft der Ergebnisse. Die Ergebnisse unserer Studie zeigten, dass die NN bei Welpen einem deutlichen Wachstum unterliegen, das sowohl altersspezifisch als auch Gewichtsabhängig ist. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass niedrige Basalkortisolwerte allein keine Aussage über eine Nebenniereninsuffizienz im Welpenalter zulassen. Unsere Studien liefern einen wichtigen Beitrag zur Etablierung erster physiologischer Referenzwerte für die Nebennierengröße bei Junghunden und zeigt die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen zur Differenzierung zwischen physiologischem Wachstum und pathologischen Veränderungen. Die gewonnenen Erkenntnisse haben das Potenzial, die diagnostische Präzision in der klinischen Praxis zu erhöhen und die frühzeitige Diagnose hormoneller Erkrankungen bei jungen Hunden zu verbessern.
Early detection of adrenal diseases, particularly hypoadrenocorticism (HA), in dogs remains challenging due to the nonspecific nature of clinical signs. In acute disease progression, untreated adrenal insufficiency may culminate in a life-threatening “adrenal crisis.” Precise imaging-based assessment of the adrenal glands could support early diagnosis; however, interpretation is particularly difficult in juvenile dogs, as age-dependent reference values are currently lacking. The aim of this study was the prospective evaluation of adrenal gland development in dogs up to one year of age using ultrasonography, as well as size and volume assessment by computed tomography (CT). For the first time, the intention was to establish preliminary age- and size-adjusted reference values for juvenile dogs. Ultrasonographic examinations were conducted in a prospective study on ten healthy research animals (Beagles aged 6–12 months), assessed at four-week intervals. Measurements included the length and transverse diameter of both the cranial and caudal poles of the adrenal glands. In addition, basal cortisol levels were determined. Ultrasonography revealed a significant increase in adrenal dimensions over time, with the right adrenal gland tending to be larger and more challenging to visualize. The highest growth rates were observed at the caudal pole, particularly up to the tenth month of age. No significant correlation was identified between cortisol levels and adrenal size. Cortisol concentrations remained stable throughout the observation period, often within the lower reference range for adult dogs, without indicating pathological insufficiency. Complementarily, a retrospective CT analysis was performed on 26 juvenile dogs of various breeds. The evaluation demonstrated significant associations between body weight, expected adult weight, and adrenal volume growth. The right adrenal gland exhibited size variations, whereas the left gland appeared to reach a plateau during the intermediate developmental phase. Overall, adrenal volumes were partly below and partly within the physiological reference ranges established for adult dogs, with distinct size-related differences observed. These findings suggest that adrenal growth may extend beyond the first year of life, warranting further longitudinal studies to substantiate this hypothesis. The two methodological approaches proved complementary: ultrasonography allowed for non-invasive, standardized follow-up in a homogeneous Beagle population, whereas CT, as a high-resolution imaging modality, provided valid volumetric data in a heterogeneous population. Traditional CT measurements revealed considerable variability and a consistent asymmetry, with the left adrenal gland generally being longer. While the right gland demonstrated steady linear growth, the left suggested a nonlinear developmental pattern, potentially reflecting different maturation dynamics. In general, the values obtained were consistent with published reference data, with only a single mild outlier. The broader measurement range compared to previous studies was attributable to the inclusion of heavier dogs, underscoring the necessity of weight-adjusted reference values for accurate evaluation of adrenal size in puppies. The concordance between both methods highlights the robustness of the findings. Our results demonstrate that adrenal glands in puppies undergo substantial growth, influenced by both age and body weight. Furthermore, it was shown that low basal cortisol concentrations alone are not sufficient indicators of adrenal insufficiency during puppyhood. This study provides an important contribution toward establishing initial physiological reference values for adrenal gland size in juvenile dogs, and emphasizes the need for further investigations to distinguish physiological growth from pathological alterations. The findings bear potential to improve diagnostic precision in clinical practice and to facilitate earlier detection of endocrine disorders in young dogs.
Preview
Cite
Access Statistic

Rights
Use and reproduction:
All rights reserved
