Ätiologische Studie zum Vorkommen der Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis (EOTRH) bei älteren Islandpferden
Die Zahnerkrankung EOTRH ist eine sich progressiv entwickelnde und weit verbreitete Zahnerkrankung des Pferdes, die primär die rostrale Maulhöhle betrifft. Ihr destruktiver und zunehmend schmerzhafter Verlauf unterstreicht die Notwendigkeit einer frühzeitigen Diagnose sowie eines besseren Verständnisses der zugrundeliegenden Pathomechanismen. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, den Einfluss anamnestischer, endokrinologischer und blutchemischer Parameter auf die Entstehung von EOTRH beim Islandpferd zu evaluieren sowie den Zusammenhang zwischen klinischen und röntgenologischen Befunden zu untersuchen. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Identifikation potenzieller Risikofaktoren, um ein besseres Verständnis der bislang ungeklärten Ätiologie von EOTRH zu ermöglichen.
Es wurden insgesamt 154 Islandpferde im Alter von mindestens 15 Jahren mit und ohne EOTRH innerhalb Niedersachsens untersucht. Die gesammelten Daten setzten sich aus einer Anamnese, basierend auf einem vom Tierbesitzer ausgefüllten Fragebogen, Blutuntersuchungen sowie einer klinischen und röntgenologischen Untersuchung der vorderen Maulhöhle zusammen. Um einen möglichst objektiven Vergleich der Untersuchungsergebnisse zu gewährleisten, wurden die klinischen und röntgenologischen Befunde mittels Scoring- und Stagingsystemen erfasst und eingeordnet. Bewertete klinische Parameter waren Fisteln, Gingivaretraktion, subgingivale Auftreibungen, Zahnstein, Gingivitis, Aufbisswinkel und Zahnmobilität. Der röntgenologische Score zur Bewertung der intraoralen Röntgenaufnahmen umfasste die Parameter Zahnform, -struktur und -oberfläche, sowie die Anzahl betroffener Zähne. Auf Grundlage dieser Bewertung wurden für die klinische und röntgenologische Untersuchung jeweils die Diagnosen „gesund“, „verdächtig“, „geringgradig EOTRH“, „mittelgradig EOTRH“ oder „hochgradig EOTRH“ gestellt. Weiter wurde die Studienpopulation basierend auf der radiologischen Diagnose in EOTRH-gesunde und EOTRH-erkrankte Pferde unterteilt, um eine vergleichende Gegenüberstellung der gesammelten Daten aus Anamnese und Blutuntersuchung zu ermöglichen.
Die Prävalenz von EOTRH in der untersuchten Population lag bei 72 %, wobei mit zunehmendem Alter das Risiko für eine EOTRH Erkrankung signifikant stieg. Männliche Tiere sowie in Deutschland geborene zeigten ein höheres Risiko an EOTRH zu erkranken, während Haltungs- und Managementfaktoren keinen signifikanten Einfluss auf das Auftreten von EOTRH hatten. Erniedrigte Selen- und Vitamin-D-Serumkonzentrationen waren die einzigen deutlichen Abweichungen bei der Auswertung der Blutuntersuchung. Zusätzlich war der Großteil der PPID erkrankten Pferde auch an EOTRH erkrankt. Jedoch konnte auf Grundlage der Blutuntersuchung kein signifikanter Risikofaktor ermittelt werden.
Für die klinische Befundung konnte ein Symptomkomplex ermittelt werden, der hinweisend für das Bestehen einer EOTRH-Erkrankung ist und Anlass für weitere diagnostische Maßnahmen geben sollte. So ergab sich zwischen einem nicht alterskonformen Aufbisswinkel, Fisteln, subgingivalen Auftreibungen, Gingivaretraktion und Gingivitis und der röntgenologischen Diagnose EOTRH eine statistisch signifikante Korrelation.
Die vorliegende Studie beleuchtet viele Aspekte bestehender Theorien zur Ätiologie von EOTRH und liefert einen wichtigen Beitrag zur Eingrenzung potenzieller Risikofaktoren. Gleichzeitig verdeutlichen die Ergebnisse, dass die Entstehung von EOTRH nicht auf einen einzelnen Parameter als alleinigen Risikofaktor zu begrenzen ist. Die altersassoziierten veränderten Krafteinwirkungen auf den Zahn könnten einen Ausgangpunkt schaffen, an dem unter dem kumulativen Einfluss verschiedener Risikofaktoren die Entstehungen von EOTRH initiiert oder begünstigt wird.
Der destruktive und progressive Charakter von EOTRH unterstreicht die Notwendigkeit weiterer Forschung. Zukünftige Studien sollten idealerweise prospektiv angelegt sein und populations- bzw. standortspezifische Unterschiede berücksichtigen, wie sie sich in der vorliegenden Arbeit im Vergleich zu Island bereits angedeutet haben.
EOTRH is a progressive and widespread dental disease in horses that primarily affects the rostral oral cavity. Its destructive and increasingly painful nature highlights the need for improvements in early diagnosis and in the understanding of the underlying pathomechanism. The aim of the present study was to evaluate the influence of anamnestic, haematological, biochemical and endocrine parameters on the development of EOTRH and to correlate clinical with radiographic findings. The focus was on identifying potential risk factors to improve understanding of the still unknown aetiology of EOTRH.
A total of 154 Icelandic horses aged 15 years and older, with and without EOTRH, were examined in Lower Saxony, Germany. Data collection included anamnesis based on an owner-completed questionnaire, blood examinations, and clinical as well as radiographic examinations of the rostral oral cavity. To ensure an objective comparison, all findings were evaluated using scoring and staging systems. Evaluated clinical parameters included fistulae, gingival recession, subgingival swelling, calculus, gingivitis, bite angle, and tooth mobility. The radiographic score included tooth shape, structure, and surface as well as the number of affected teeth. Based on these evaluations each horse was clinically and radiographically categorised as “healthy”, “suspicious for EOTRH”, “mild EOTRH”, “moderate EOTRH” or “severe EOTRH”. The study population was further divided not EOTRH-affected and EOTRH-healthy horses according to the radiographic diagnosis to enable comparative analysis of anamnesis and blood examination data.
The prevalence of EOTRH in the investigated population was 72%, with risk increasing with age. Male horses and those born in Germany showed a higher risk of developing EOTRH, while housing and management factors had no sig-nificant influence on its occurrence. Reduced plasma selenium and vitamin D concentrations were the only consistent abnormalities across the entire study population. Additionally, the majority of horses diagnosed with PPID were affected by EOTRH as well. However, no blood parameter could be identified as a significant risk factor.
A clinical symptom complex indicative of EOTRH was identified, which should prompt further diagnostic measures. A statistically significant correlation was found between non-age-correlating bite angle, fistulae, subgingival swelling, gingival recession, gingivitis, and the radiographic diagnosis of EOTRH.
The present study addresses multiple aspects of existing theories on aetiology of EOTRH and makes an important contribution to the identification of potential risk factors. At the same time, the results demonstrate that EOTRH cannot be attributed to a single parameter. Age-associated biomechanical changes in the incisor teeth may represent an initial factor, with the disease being triggered or promoted under the cumulative influence of various risk factors.
The destructive and progressive nature of EOTRH highlights the need for further research. Future studies should ideally be prospective and consider population- and location-specific differences, such as those observed in the present study when comparing horse populations in Germany and Iceland.
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