Katzenzucht im Fokus : Management, Kontrazeption und andrologische Messmethoden
Die Reproduktionsmedizin der Katze gewinnt sowohl im züchterischen als auch im tiermedizinischen Kontext zunehmend an Bedeutung, nicht nur im Hinblick auf Populationskontrolle, sondern auch im Hinblick auf Zuchtmanagement und Fertilitätsprobleme. Dabei gibt es immer noch zahlreiche Aspekte, wo neues Wissen nötig ist und auch in die Praxis „gebracht“ werden muss. Auch ist die Kollaboration zwischen Tierärzt*innen und Katzenzüchter*innen noch nicht optimal, beide fühlen sich häufig von der anderen Gruppe missverstanden. Das gegenseitige Verständnis von Wünschen und Bedürfnissen, aber auch von Gewohnheiten würde nicht nur die Situation verbessern, sondern auch zum Tierwohl beitragen. Zusammenfassend ist zu sagen, dass meine Dissertation mit beiden wissenschaftlichen Artikeln einen wichtigen Beitrag zur evidenzbasierten Reproduktionsmedizin bei der Katze leistet: Während die Umfragestudie Einblicke in die tatsächliche Praxis, Präferenzen und Herausforderungen der Züchter*innen bietet, liefert die zweite Studie praktische Werkzeuge zur andrologischen Diagnostik. Für die klinische Praxis ergibt sich daraus die Notwendigkeit, sowohl die individuellen Erfahrungen als auch die wissenschaftlichen Grundlagen in die Beratung einzubeziehen – insbesondere, um die Fruchtbarkeit und das Tierwohl bei Katzen und Katern langfristig zu erhalten.
Ziel meiner Arbeit war, einen wesentlichen, praxisnahen, aber auch wissenschaftlichen Beitrag zur Katzenreproduktionsmedizin zu liefern. Dies geschah einerseits dadurch, dass ich mittels einer international angelegten Fragebogenstudie wesentliche Einblicke in das Kontrazeptionsmanagement von Catteries gewähre, andererseits mittels einer experimentellen, analytischen Studie hilfreiche Informationen für die klinische Untersuchung und zur objektiven Fertilitätsbeurteilung von Katern liefere.
Die erste Studie basiert auf einem weltweit verbreiteten Online-Fragebogen mit Datenerhebung zwischen November 2019 bis April 2020, den 404 Katzenzüchter*innen aus 24 Ländern beantworteten, und dokumentiert die tatsächliche Nutzung reversibler Kontrazeptiva in der Cattery. Im Zentrum stehen dabei die unterschiedlichen Strategien zur Fortpflanzungskontrolle bei Kätzinnen und Katern. Erwartungsgemäß werden bei Kätzinnen nach wie vor überwiegend Progestine (z. B. Medroxyprogesteronacetat) zur Zyklusunterdrückung eingesetzt. Diese Präparate sind für viele Züchter*innen attraktiv, da sie einfach anwendbar und kostengünstig sind, können jedoch im Zusammenhang mit einigen Nebenwirkungen wie Pyometra, Fibroadenomatose und Tumorerkrankungen stehen. Trotz zum Datenerhebungszeitraum fehlender Zulassung wird auch der GnRH-Agonist Deslorelin bei etwa 10,5 % der Züchter*innen zur temporären Unterdrückung der Fruchtbarkeit bei Kätzinnen eingesetzt. Interessant ist die Beschreibung von Einzelfällen ohne Wirkung, was auf individuelle Unterschiede in der Pharmakokinetik und -dynamik hindeutet. Die große Bandbreite an verwendeten Präparaten, Dosierungen und Anwendungszeiträumen verdeutlicht den Bedarf an veterinärmedizinischer Aufklärung und evidenzbasierten Leitlinien – besonders im Hinblick auf die langfristige Fruchtbarkeit und das Wohlbefinden der weiblichen Tiere. Bei Katern wurde das Deslorelin haltige Slow Release Implantat trotz fehlender Zulassung zum Erhebungszeitraum, mit 32,4 % am häufigsten zur reversiblen Fertilitätskontrolle eingesetzt, Wirkdauer und induzierte Effekte entsprechen den Erfahrungen experimenteller Studien. Gestagene und Melatonin wurden hingegen nur selten angewendet.
In der zweiten Studie wurden Hodenmaße, die mittels digitaler Schieblehre und Maßband erhoben wurden, zur Bestimmung der Hodenvolumina mittels Ellipsoid-Formel und Formel nach Lambert unter verschiedenen Situationen, vor und unter Deslorelin Implantatbehandlung, bzw. juvenil/pubertär/adult genutzt. Es zeigten sich klare Abhängigkeiten von der Messmethode und der verwendeten Formel, wobei die Kombinationen Maßband + Ellipsoid-Formel sowie Schieblehre + Lambert-Formel vergleichbare Ergebnisse lieferten. Im Gegensatz dazu erwies sich die bei anderen Tierarten und dem Menschen bewährte Wasserverdrängung beim Kater als ungeeignet zur Ermittlung des Hodenvolumens. Der GSI als Verhältnis vom Hoden- zum Körpergewicht war dagegen als grober indirekter Marker für die Einschätzung des Reproduktionspotentials der Kater hervorragend geeignet. Die gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Bedeutung für die feline Reproduktionsmedizin, im Praxisalltag, aber auch in der Forschung, da sie einen Grundstein legen für eine objektive und vergleichbare Verwendung von Hodenparametern, um studien- und autorenübergreifend Erkenntnisse z.B. zu neuen Medikamenten zu gewinnen. Nachfolgende Studien an größeren Kohorten mit Beurteilung der Ejakulatqualität unter Berücksichtigung verschiedener Rassen sollten durchgeführt werden, um die Eignung des GSI weiterführend zu beurteilen und um Referenzbereiche für Hodenmaße und Hodenvolumina fertiler, sub- und infertiler Patienten zu erstellen.
Feline reproductive medicine is becoming increasingly important, both in the context of breeding and veterinary care. This is true not only with regard to population control but also in relation to breeding management and fertility disorders. However, many aspects still require new scientific knowledge as well as effective transfer into practice. Collaboration between veterinarians and cat breeders also remains challenging, as both groups often feel misunderstood by the other. A better mutual understanding of needs, expectations, and practices would not only improve cooperation but also benefit animal welfare.
The aim of my dissertation thesis was to make a meaningful, practice-oriented, yet scientifically sound contribution to feline reproductive medicine. To achieve this, I conducted two complementary studies: an international questionnaire survey providing key insights into contraception management in catteries, and an experimental-analytical study offering practical tools for clinical examination and objective fertility assessment in tomcats.
The first study was based on a global online questionnaire conducted between November 2019 and April 2020, which was completed by 404 cat breeders from 24 countries. It documents the actual use of reversible contraceptives in catteries and highlights the different strategies applied for fertility control in queens and tomcats. As expected, queens are still predominantly treated with progestins (e.g., medroxyprogesterone acetate) to suppress estrous cycles. While these drugs are attractive to breeders because of their ease of use and low cost, they might be associated with significant side effects such as pyometra, fibroadenomatosis, and neoplasia. Despite the lack of formal approval, the GnRH agonist deslorelin was also used by approximately 10.5% of breeders to temporarily suppress fertility in queens. Reports of treatment failure point to individual variation in pharmacokinetics and pharmacodynamics. The wide range of preparations, dosages, and treatment durations underscores the urgent need for veterinary guidance and evidence-based recommendations—particularly regarding long-term fertility and welfare of queens. In tomcats, the deslorelin slow-release implant—although not approved at the time of the survey—was by far the most frequently used method of reversible fertility control (32.4%). Its duration of action and physiological effects were consistent with previous experimental findings. By contrast, progestins and melatonin were rarely employed.
The second study focused on testicular measurements obtained by calipers and measuring tape, which were used to calculate testicular volume using both the ellipsoid and Lambert formulas. Measurements were taken under different conditions (before and during deslorelin treatment, and across juvenile, pubertal, and adult stages). Results showed clear dependencies between the chosen method and the formula applied, with the combinations “tape + ellipsoid” and “caliper + Lambert” providing comparable results. In contrast, the water displacement method—well established in other species and humans—proved unsuitable in cats. The gonadosomatic index (testes-to-body weight ratio), however, emerged as an excellent indirect marker of reproductive potential. These findings are highly relevant to feline reproductive medicine, both in clinical practice and research, as they establish a foundation for the objective and comparable use of testicular parameters across studies and institutions—for example, in evaluating novel drugs. Further studies on larger cohorts, including ejaculate quality assessment and consideration of breed-specific differences, are warranted to refine the applicability of the gonadosomatic index and to establish reference ranges for testicular size and volume in fertile, sub- and infertile tomcats.
In conclusion, my dissertation—through these two studies—makes an important contribution to evidence-based feline reproductive medicine. The survey study sheds light on real-world practices, preferences, and challenges among breeders, while the experimental study provides practical tools for andrological diagnostics. Together, the findings emphasize the importance of integrating breeders’ experiences with scientific evidence in veterinary counseling, in order to safeguard fertility and animal welfare in queens and tom cats over the long term.
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