Auswirkungen von Klauenpflegemaßnahmen bei Zuchtsauen auf Klauengesundheit, Lahmheiten und Leistungsparameter
Der Klauengesundheit von Zuchtsauen wird, auch aufgrund der stärkeren Beanspruchung der Klauen durch geforderte Gruppenhaltung, eine stetig größer werdende Bedeutung zukommen. Viele Klauenveränderungen, vor allem in Verbindung mit Lahmheiten, gelten als tierschutzrelevant, sodass beim vermehrten Auftreten dieser Indikatoren umgehend Konsequenzen gezogen werden sollten. Das Ziel dieser Arbeit war unter anderem zu eruieren, in welchem Umfang Klauenpflegemaßnahmen zur Verbesserung der Klauengesundheit und zur Reduktion von Lahmheiten beitragen können. Da die meisten landwirtschaftliche Betriebe zudem als profitorientierte Unternehmen zu betrachten sind, sollte parallel überprüft werden, ob sich die Effekte der Klauenpflege mit den wirtschaftlichen Zielen eines Ferkelerzeugungsbetriebs in Einklang bringen lassen. Abseits dieser Kernfragen wurden das Alter der Sauen, der Einfluss des Wartestallsystems mit einerseits Haltung von Sauen in einer statischen Gruppe oder andererseits in einer dynamischen Großgruppe, die Abferkelbucht (Ferkelschutzkorb, Bewegungsbucht, freie Abferkelung) und die Anzahl der Hilfsschleimbeutel pro Sau in Bezug auf ihren Einfluss auf die Klauengesundheit, Lahmheiten und die Leistungsdaten der Sauen überprüft. Die initiale Befunderhebung sowie die Durchführung der Klauenpflege wurden dabei ca. zehn Tage nach dem Absetzen bzw. vier bis fünf Tage nach der Belegung durchgeführt. Lahmheitsbonituren erfolgten erneut unmittelbar sowie zwei und sechs Wochen nach der Klauenpflege. Die Klauenbonitur wurde sechs Wochen nach der Klauenpflege wiederholt. Die Leistungsdaten der Sauen wurden anhand der Sauenplanerdaten erhoben, die Systeme im Warte- und Abferkelstall wurden über Begleitpläne zu den Sauengruppen dokumentiert. Zur Bewertung der Auswirkungen von Klauenpflegemaßnahmen auf die Leistungsdaten der Sauen wurden Daten aus zwei aufeinanderfolgenden Produktionszyklen miteinander verglichen – ein Zyklus ohne Klauenpflege und ein Zyklus mit Klauenpflege. Aufgrund des gewählten Versuchsdesigns gab es weder eine Kontrollgruppe noch eine Randomisierung der Studienpopulation. Bei allen 134 in die Studie eingeschlossenen Sauen konnten Klauenveränderungen nachgewiesen werden. Knapp 27 % der Sauen zeigten vor der Klauenpflege auch eine Lahmheit, die jedoch nicht immer eindeutig mit den Klauenveränderungen im Zusammenhang stand. Im Rahmen dieser Studie wurde festgestellt, dass sich die Klauengesundheit insgesamt durch klauenpflegerische Maßnahmen verbessern ließ. Dabei dauerte die reine Klauenpflegearbeit im Median sieben Minuten und in einzelnen Fällen sogar über 20 Minuten, wobei die Klauenpflegearbeiten länger dauerten, wenn stärkere Klauenveränderungen vorlagen. Schwerwiegendere Klauenveränderungen der Boniturnoten drei und vier lagen vor der Klauenpflege bei 43,6 % der Sauen vor. Sechs Wochen nach der Klauenpflege waren es 44,4 %. Die häufigsten Klauenveränderungen, bei denen vor der Klauenpflege die Boniturnoten drei und vier festgestellt wurden, waren die Unterentwicklung der Innenklauen (23,1 % der untersuchten Sauen), Ballenhorndefekte (14,5 % der untersuchten Sauen) und Weiße-Linie-Defekte (10,3 % der untersuchten Sauen). Als einzelne Klauenveränderungen ließen sich die Überlänge der Hauptklauen, die Überlänge der Afterklauen, Afterklauenverletzungen, Sohlendefekte, Zusammenhangstrennungen zwischen Sohle und Ballen sowie Weiße-Linie-Defekte durch Klauenpflegemaßnahmen verbessern. Zwei der drei Klauenveränderungen, bei denen am häufigsten Boniturnoten von drei und vier vergeben wurden, ließen sich damit nicht durch klauenpflegerische Maßnahmen beeinflussen. Ältere Sauen hatten ein höheres Risiko für stärkere Klauenveränderungen, insbesondere jedoch für überlange Afterklauen, Afterklauenverletzungen, Lederhautblutungen und Wucherungen des Ballenhorns. Zudem wiesen die Sauen in statischer Gruppenhaltung in dieser Studie sowohl weniger Klauenveränderungen insgesamt, als auch geringere Summenscores bezüglich der Überlänge der Hauptklauen, der Überlänge der Afterklauen, Hornklüften, Ballenhorndefekten sowie Zusammenhangstrennungen zwischen Sohle und Ballen auf als in dynamischen Großgruppen. Die Art des Abferkelsystems hatte keinen Einfluss auf die Klauengesundheit insgesamt und beeinflusste die einzelnen Klauenveränderungen teilweise in unterschiedlicher Weise, sodass keine pauschale Aussage darüber möglich ist, welches der Abferkelsysteme zuträglicher für die Klauengesundheit ist. Der Klauengesamtscore und die Überlänge der Hauptklauen als spezifische Klauenveränderung korrelierten mit dem Lahmheitsscore, sodass die Durchführung von Klauenpflegemaßnahmen bei Sauen mit überlangen Klauen in dieser Studie zu einer Reduktion des Lahmheitsscores führte. Die Prävalenz von Lahmheiten insgesamt ließ sich in dieser Studie nicht durch Klauenpflegemaßnahmen beeinflussen. Bei ausschließlicher Betrachtung von Sauen, welche zum Zeitpunkt der Klauenpflege eine Lahmheit zeigten, wurde jedoch festgestellt, dass sich der Lahmheitsscore für diese Tiere in den Wochen nach der Klauenpflege signifikant verbesserte. Daneben stieg das Risiko für einen höheren Lahmheitsscore mit zunehmendem Alter der Sauen an. Neben dem Lahmheitsscore wurde auch die Anzahl der Hilfsschleimbeutel durch den Klauengesamtscore sowie durch Zusammenhangstrennungen zwischen Sohle und Ballen als spezifische Klauenveränderung beeinflusst, wobei schwerwiegendere Klauenveränderungen mit mehr Hilfsschleimbeuteln einhergingen. Im Median wurden bei einer Sau zwei Hilfsschleimbeutel gefunden. In Bezug auf die Leistungsdaten der Sauen führte die Durchführung von Klauenpflegemaßnahmen zu einem Anstieg der Umrauscherrate im Produktionszyklus mit Klauenpflege auf 15 %. Im vorangehenden Zyklus ohne Klauenpflege betrug die Umrauschrate 7 %. Ein weiterer statistisch signifikanter Zusammenhang wurde zwischen der Wurfnummer der Sauen und dem Verhältnis der Saugferkelverluste zu den lebendgeborenen Ferkeln pro Wurf festgestellt. Insgesamt nahmen die Saugferkelverluste mit zunehmender Parität der Sau zu. Weiterhin wurde ein signifikanter Einfluss der Art des Abferkelsystems festgestellt. In freien Abferkelsystemen lagen die Erdrückungsverluste dabei übergreifend für beide Produktionszyklen bei ca. 15,7 % und die Saugferkelverluste bei ca. 20,7 % der lebendgeborenen Ferkel. In konventionellen Abferkelsystemen lagen die Erdrückungsverluste bei ca. 8,1 % und die Saugferkelverluste bei 12,2 % der lebendgeborenen Ferkel. Damit stieg in freien Abferkelsystemen gegenüber konventionellen Abferkelsystemen sowohl das Verhältnis der erdrückten als auch das Verhältnis der Saugferkelverluste zu den lebendgeborenen Ferkeln pro Wurf an. Die Ergebnisse zeigen, dass Klauenveränderungen nur teilweise mit Lahmheiten bei Sauen in Verbindung stehen. Die Durchführung von Klauenpflegemaßnahmen zum Zeitpunkt zehn Tage nach dem Absetzen erwies sich als suboptimal und erhöhte das Risiko für umrauschende Sauen. Entsprechende Eingriffe sollten besser im Absetz-Beleg-Intervall oder im Abferkelstall an liegenden Sauen durchgeführt werden, um einen negativen Effekt auf die Trächtigkeitsraten zu vermeiden. Insbesondere das Kürzen der Haupt- und Afterklauen ist im Abferkelstall mit wenig Aufwand umsetzbar und kann bereits zu einer Verbesserung von Lahmheiten führen. Vor allem Sauen mit überlangen Klauen und Anzeichen für eine Lahmheit sind demnach geeignet für klauenpflegerische Maßnahmen im Abferkelstall. Lahme Sauen sollten auch aus Tierschutzgründen auf Klauenveränderungen als mögliche Ursache untersucht und ggf. einer Klauenpflege unterzogen werden. Aufgrund des zeitlichen Aufwands für die Durchführung umfangreicherer Klauenpflegemaßnahmen in einem Klauenpflegestand ist die routinemäßige Durchführung von Klauenpflegemaßnahmen bei allen Sauen in einem Ferkelerzeugungsbetrieb dagegen nicht zielführend, zumal Leistungsdaten der Sauen in dieser Studie durch Klauenpflegemaßnahmen nicht positiv beeinflusst wurden. Vielmehr sollten beim vermehrten Auftreten von Klauenveränderungen in einem Betrieb weitere prophylaktische Maßnahmen aus den Bereichen Genetik, Fütterung, Bodenbeschaffenheit, Umgebungs- und Sozialstruktur zur Verbesserung der Klauengesundheit umgesetzt werden. Klauenpflegemaßnahmen können zielgerichtet als therapeutische Maßnahme zur Verbesserung der Klauengesundheit beitragen. Sie sind jedoch nur ein Baustein eines umfangreicheren Konzepts zur Verbesserung der Fundamentgesundheit auf Betrieben.
The importance of claw health in breeding sows is expected to increase steadily, particularly due to the increased strain on claws resulting from the legally mandated group housing systems. Many claw lesions, especially when associated with lameness, are considered relevant to animal welfare. Therefore, the repeated occurrence of such indicators requires immediate action. One of the main objectives of this study was to assess the extent to which claw trimming can contribute to improving claw health and reducing lameness. Since most farms are profit-oriented enterprises, benefits of claw trimming were assessed with respect to production parameters decisive for the economic outcome of piglet-producing farms. In this study the effects of the sows’ parity, the system of the gestational unit (static vs. dynamic groups), the kind of farrowing pen (crate, pen allowing movement, free farrowing pen) and the number of bursae auxiliares per sow were evaluated with respect to their impact on claw health, lameness, and sow performance data. Initial clinical examinations and claw trimmings were conducted approximately ten days after weaning and four to five days after insemination. Lameness scores were assessed immediately after treatment and after two and six weeks. The examination of claw lesions was repeated six weeks after claw trimming. The performance data of the sows were extracted from the digital sow management system and allocated to the respective husbandry systems in the gestation and farrowing units. To evaluate the impact of claw trimming on performance parameters, data from two consecutive production cycles were compared: one without claw trimming and one with claw trimming. Due to the study design neither a control group nor a randomization of the study population was implemented. Claw lesions were detected in all 134 sows included in the study. Approximately 27% of the sows showed lameness prior to claw trimming, although a correlation to claw lesions could not be shown. In summary, the overall claw health could be improved by claw trimming. The median time spent on claw trimming in one sow was seven minutes, with individual cases exceeding 20 minutes. Claw trimming took longer when there were more severe claw lesions. More severe claw lesions of scores three and four were present in 43.6% of the sows prior to claw trimming. Six weeks after claw trimming 44.4% of the sows showed the respective claw lesion scores. The most common claw lesions scored three and four were underdevelopment of the inner claw (23.1%), lesions of the heel (14.5%), and white line defects (10.3%). Individual claw lesions such as overgrowth of the main claws, overgrowth of the dew claws, dew claw injuries, sole defects, heel-sole separations and white line defects could be improved by claw trimming. However, two of the three most frequent claw lesions with scores three and four could not be reduced by claw trimming. Older sows were at higher risk for more severe claw lesions, especially overgrowth of dew claws, dew claw injuries, dermal hemorrhages, and overgrowth of the heel horn. Sows in static groups showed fewer claw lesions in total as well as lower sum scores for overgrowth of main and dew claws, horizontal horn cracks, defects of the heel horn and heel-sole separations compared to sows housed in large dynamic groups. The type of the farrowing system had no influence on the overall claw health. Specific claw lesions were impacted not consistently by the farrowing system, so that no general assumption was made which of the farrowing systems was more beneficial for claw health. The overall claw lesion score and the overgrowth of the main claws as a specific claw lesion, were correlated with the lameness score. For this reason, claw trimming in sows with too long main claws resulted in a reduction of the lameness score. In this study, the overall prevalence of lameness was ultimately not influenced by claw trimming. However, considering only sows with lameness at the time of claw trimming, the lameness score of these animals significantly improved after claw trimming. The risk for higher lameness scores increased with the age of the sows. In addition to the lameness score, the number of bursae auxiliares was influenced by the overall claw lesion score and more specifically by heel-sole separations. More severe claw lesions were associated with more bursae auxiliares. The median number of bursae auxiliares per sow was two. In terms of sow performance data, claw trimming led to an increased return-to-estrus rate in the production cycle with claw trimming up to 15%. In the previous cycle without claw trimming, the return-to-estrus rate was 7%. The parity number of the sow was correlated with the ratio of piglet losses during lactation relative to the number of live-born piglets per litter. Overall, piglet losses increased with the sow’s parity. A significant impact of the farrowing system was observed. In free farrowing systems, crushing losses averaged 15.7%, and total piglet losses during lactation were around 20.7% of live-born piglets across both production cycles. In conventional farrowing crates, crushing losses were approximately 8.1% and total piglet losses were 12.2% of live-born piglets. Thus, both crushing losses and total piglet losses were higher in free farrowing systems compared to conventional crates. Claw lesions are only partially associated with lameness in sows. Claw trimming performed ten days after weaning can be assessed as suboptimal because the risk of return to estrus was increased. Alternatively, to avoid negative impacts on pregnancy rates, claw trimming interventions can be carried out during the weaning-to-mating interval or in lying sows in the farrowing crates. Especially trimming of the main and dew claws can be easily performed in the farrowing crate and may already lead to an improvement in lameness scores. An overgrowth of main claws in combination with lameness is therefore an indication for claw trimming in the farrowing crate with a good prognosis. For animal welfare reasons, lame sows should be examined for claw lesions and, if necessary, subjected to claw trimming. However, due to the time required to carry out more extensive claw trimming in a special fixation crate, routine claw trimming in all sows is not effective – especially as sow performance data in this study were not positively influenced by claw trimming. In case of a high proportion of sows with claw lesions on a farm, preventive measures addressing genetics, nutrition, floor conditions, and environmental and social structures should be implemented to improve claw health. Additionally, claw trimming can contribute to claw health as a targeted therapeutic intervention, but can be considered as only one component within a more comprehensive approach to improve claw health on farms.
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