Fallbesprechung: Vorhofflimmern des Pferdes
Krankheitsbild: Vorhofflimmern des Pferdes Referent: Dr. Frederik Heun Vorhofflimmern ist die am häufigste vorkommende klinisch relevante Herzrhythmusstörung beim Pferd. Es kann sowohl als Zufallsbefund als auch in Verbindung mit einer Leistungsinsuffizienz auftreten (1,2). Meist fällt bei der Auskultation ein unregelmäßig-unregelmäßiger Herzrhythmus auf, für dessen genaue Abklärung ein Elektrokardiogramm (EKG) erforderlich ist. Neben der primären, sogenannten idiopathischen Form, bei der keine makroskopischen Veränderungen des Herzens feststellbar sind, kann Vorhofflimmern auch sekundär als Folge von Klappeninsuffizienzen (insbesondere der Mitralklappe) und einer damit einhergehenden Vorhofvergrößerung entstehen (2). Die große atriale Muskelmasse sowie der hohe Vagotonus des Pferdes begünstigen die Entstehung kreisender Erregungen im Vorhofmyokard, wodurch keine geordnete Vorhofkontraktion mehr erfolgt und die Erregungsleitung unregelmäßig an die Kammern weitergegeben wird. Die Diagnose stützt sich im Wesentlichen auf die Herz-Kreislauf-Untersuchung, das EKG (in Ruhe und während einer Belastungsuntersuchung) sowie die Echokardiographie (3). Letztere dient insbesondere dazu, mögliche strukturelle Herzerkrankungen wie Klappenerkrankungen oder fortgeschrittene Dimensionsveränderungen der Vorhöfe und Kammern zu erfassen, die die Prognose wesentlich beeinflussen (1,3). Ein im Ruhezustand erhöhter Puls von über 60 Schlägen pro Minute sowie ausgeprägte Vorhofvergrößerungen gelten als ungünstige prognostische Faktoren. Therapeutisch kann – abhängig von der Nutzung des Pferdes und dem Ausmaß eventueller Begleiterkrankungen – entweder ein konservatives Management ohne Behandlung oder eine Kardioversion in Betracht gezogen werden. Die medikamentöse Kardioversion mit Chinidinsulfat ist seit Langem bekannt, allerdings ist das Medikament nur eingeschränkt verfügbar und birgt ein relativ hohes Risiko für Nebenwirkungen wie Kolik oder Hufrehe (3). Eine risikoärmere Alternative bietet die transvenöse elektrische Kardioversion (TVEC), die unter Allgemeinanästhesie erfolgt und hohe Erfolgsraten von über 90 Prozent aufweist (4). Dabei werden zwei Elektroden in den rechten Vorhof und in die linke Pulmonalarterie platziert, um kontrollierte Stromstöße in synchronisierter Form mit der QRS-Komplex-Zacke zu verabreichen. Nach erfolgreicher Kardioversion in den Sinusrhythmus ist eine mehrwöchige Ruhephase gefolgt von einer Nachkontrolle mit EKG und Echokardiografie, sowie ein vorsichtiges Antrainieren empfehlenswert. Dennoch bleibt ein Rezidivrisiko von 15-39% (3,4), insbesondere bei fortgeschrittenen Klappenveränderungen und Vorhofdilatationen, bestehen. Insgesamt ist die Prognose hinsichtlich des Überlebens häufig günstig, kann jedoch je nach Schweregrad der zugrundeliegenden Herzerkrankung und dem Ausmaß zusätzlicher Arrhythmien variieren. Quellen:
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