Evaluation der Betreuung und klinischen Ausbildung der Studierenden während des Praktischen Jahres sowie der Einflussnahme einer Fort- bzw. Weiterbildung der betreuenden Tierärzte und Tierärztinnen
Das Praktische Jahr bildet für die Studierenden der Tiermedizin einen Übergang zwischen Studium und der beruflichen Laufbahn und ist damit maßgeblich an der klinischen Ausbildung beteiligt. Während dieser praktisch-klinischen Ausbildung wird der Erwerb von definierten Ersttagskompetenzen priorisiert. Die Überwachung der Praktika durch die veterinärmedizinischen Bildungsstätten ist essenziell, um die Qualität der tierärztlichen Ausbildung zu erfassen. Das Berufsbild des Tierarztes bzw. der Tierärztin ist zunehmend durch postgradual erworbene Spezialisierungen bestimmt, die durch die fachliche Kompetenz komplexe diagnostische und therapeutische Verfahren ermöglichen. Dem gegenüber stehen Allgemeinmediziner/innen, die die Grundversorgung und die präventive Betreuung der Patienten gewährleisten. Im Rahmen dieser Studie soll die Qualität der klinischen Ausbildung generell erfasst werden, sowie die Evaluation eines möglichen Einflusses durch spezialisierte Tierärzte und Tierärztinnen auf die Qualität der Ausbildung durchgeführt werden. Zu diesem Zweck wurde im Rahmen eines Mixed-Method-Designs zunächst eine quantitative Datenerhebung mit Studierenden aller veterinärmedizinischen Bildungsstätten sowie mit Tierärzten und Tierärztinnen in Deutschland mittels einer Online-Umfrage über LimeSurvey® durchgeführt. Für ein tieferes Verständnis wurde auf Grundlage der erhaltenen Ergebnisse leitfadengestützte Einzelinterviews mit Studierenden, Tierärzten und Tierärztinnen durchgeführt. Die Befragungen umfassten Fragen zu personenbezogenen Daten, dem Praktischen Jahr, der Betreuung während des Praktischen Jahres sowie die Selbsteinschätzung der Studierenden und die Beurteilung der Fertigkeiten durch die Tierärzte und Tierärztinnen. In die abschließende Auswertung und Evaluation konnten 99 Fragebögen der Studierenden, 162 Fragebögen der Tierärzte und Tierärztinnen, 8 Studierendeninterviews und 6 Interviews mit Tierärzten und Tierärztinnen einbezogen werden. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen die Relevanz des Praktischen Jahres für die Verbesserung der klinischen Fertigkeiten der Studierenden. Während vor dem Praktischen Jahr die Mehrheit der Studierenden ihre praktischen und diagnostischen Fertigkeiten sowie ihre Kommunikation als nicht zufriedenstellend bewertet, beurteilt die Mehrheit der Studierenden diese Fertigkeiten nach dem Praktischen Jahr als gut oder sehr gut. Wichtig sind Studierenden vor allem praktische Fertigkeiten, auf deren Vermittlung der Großteil der Tierärzte und Tierärztinnen auch den Fokus der klinischen Ausbildung legt. Die Variabilität und Individualität der Praktika sowie Faktoren wie der Zeitraum, Tierart, Eigeninitiative und die Motivation der Tierärzte und Tierärztinnen beeinflussen die Erfahrungen, die die Studierenden während des Praktischen Jahres machen. Die Definition von Ersttagskompetenzen und die Orientierung an Leitfäden, Checklisten oder Logbüchern fördert den Kompetenzerwerb und führt zu einer einheitlicheren tierärztlichen Ausbildung. Die Umfragen ergaben, dass über die Hälfte der Tierärzte und Tierärztinnen eine fachliche Spezialisierung aufweisen. Der Einfluss von Spezialisierungen wird insbesondere in der fachlichen Ausbildung deutlich, da die Studierenden den Spezialisten eine höhere fachliche Kompetenz zusprechen, sodass vor allem klinische Fälle detaillierter besprochen und theoretisches Wissen vermittelt werden kann. Insgesamt ist die Qualität der klinischen Ausbildung vom Kenntnisstand und der Berufserfahrung abhängig. Bei Studierenden besteht die Erwartungshaltung, dass eine Spezialisierung mit einem hohen Kenntnisstand und damit mit einer hohen Qualität der Ausbildung einhergeht, aber auch eine langjährige Berufserfahrung und Fortbildungen können den Wissensstand der Tierärzte und Tierärztinnen erhöhen. Insgesamt waren die Studierenden mit der Qualität der Betreuung und der klinischen Ausbildung im Praktischen Jahr zufrieden. Die Qualität der Betreuung ist wesentlich von der Motivation der Tierärzte und Tierärztinnen zur Lehre abhängig. Sowohl Studierende als auch Tierärzte und Tierärztinnen wünschen sich eine einheitlichere und standardisierte tierärztliche Ausbildung. Der Mehrwert einer Betreuung durch Spezialisten hängt von den Lernzielen und Erwartungen der Studierenden ab. Diese sollten in jedem Fall von allen Studierenden im Vorfeld eines Praktikums definiert und in einem Vorgespräch besprochen werden. Vor allem in den Interviews wurde deutlich, dass von Seiten der Bildungsstätten mehr über den Nutzen von Evaluationen, Checklisten und Logbüchern sowie über Ersttagskompetenzen aufgeklärt werden muss.
For veterinary students, the practical year forms a transition between their studies and their professional career and is therefore a key part of their clinical training. During this practical-clinical training, the acquisition of defined first-day skills is prioritized. The monitoring of internships by veterinary educational establishments is essential to assess the quality of veterinary training. The job profile of veterinarians is increasingly determined by postgraduate specializations that enable complex diagnostic and therapeutic procedures through professional competence. On the other hand, there are general practitioners who provide basic care and preventive care for patients. The aim of this study is to assess the quality of clinical training in general and to evaluate the possible influence of specialized veterinarians on the quality of clinical training. For this reason, a mixed-method design was used to collect quantitative data from students at all veterinary schools and veterinarians in Germany using an online survey via LimeSurvey®. For a deeper understanding, guided interviews were conducted with students and veterinarians based on the results obtained. The interviews and questionnaires included questions on personal data, the practical year, supervision during the practical year as well as the students' self-assessment and the veterinarians' assessment of their skills. The final analysis and evaluation included 99 questionnaires from students, 162 questionnaires from veterinarians, 8 student interviews and 6 interviews with veterinarians. The results of the study highlight the relevance of the practical year for improving students' clinical skills. While most students rated their practical and diagnostic skills as well as their communication as unsatisfactory before the practical year, the majority of students rated these skills as good or very good after the practical year. Practical skills are particularly important to students, and most veterinarians also place the focus of their clinical training on teaching these skills. The variability and individuality of the internships as well as factors such as the time period, animal species, personal initiative and the motivation of the veterinarians influence the experiences that students have during their practical year. The definition of first-day skills and the orientation using guidelines, checklists or logbooks promotes the acquisition of competencies and leads to more uniform veterinary training. The surveys showed that more than half of veterinarians have a professional specialization. The influence of specialization is particularly evident in professional training, as students attribute a higher level of expertise to the specialists, meaning that clinical cases can be discussed in more detail and theoretical knowledge can be imparted. Overall, the quality of clinical training depends on the level of knowledge and professional experience. Students expect that specialization goes hand in hand with a high level of knowledge and thus a high quality of training, but many years of professional experience and further training can also increase the level of knowledge of veterinarians. Overall, the students were satisfied with the quality of supervision and clinical training during the practical year. The quality of supervision is largely dependent on the motivation of the veterinarians to teach. Both students and veterinarians would like to see more uniform and standardized veterinary training. The added value of supervision by specialists depends on the learning objectives and expectations of the students. These should be defined by all students in advance of an internship and discussed in a preliminary meeting. It became particularly clear in the interviews that the educational establishments need to provide more information about the benefits of evaluations, checklists and logbooks as well as Day One Competences.
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