De novo-Bestimmung von Referenzintervallen für ausgewählte Blutparameter unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren beim Rind
Die Leber als zentrales Organ des Stoffwechsels in Milchkühen ist unter anderem mitverantwortlich für die Erhaltung der metabolischen Homöostase und der Homöorhese zum Laktationsbeginn von Milchkühen. Die Gesundheit und die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der Leber ist insbesondere wichtig für die Milchproduktion von Kühen. In der Praxis wird der Leberstatus von Rindern üblicherweise durch Messung der Enzymaktivität und der Konzentration von Metaboliten bestimmt. Als Leber-Biomarker sind die Aktivitäten der Enzyme Gamma-Glutamyltransferase (GGT), Aspartat-Aminotransferase (AST), Alanin-Aminotransferase (ALT), Glutamatdehydrogenase (GLDH), Alkalische Phosphatase (ALP) sowie die Konzentrationen der Metaboliten β-Hydroxybuttersäure (BHB), unveresterte freie Fettsäuren (FFS), Cholesterin und Gesamtbilirubin zu nennen. Referenzintervalle (RI) bilden die Grundlage für eine korrekte Interpretation der Laborergebnisse und tragen so maßgeblich zur Diagnostik von Lebererkrankungen, wie Ketosen oder hepatischen Lipidosen, bei Kühen bei. Definiert werden RI als 95 % der Referenzwerte einer gesunden Referenzpopulation. RI können durch geographische, klinische, biologische und präanalytische Faktoren beeinflusst werden. Aufgrund der Vielzahl an variablen Einflüssen und der Zucht auf hochleistende Milchkühe, kann es über einen längeren Zeitraum von 5–10 Jahren zu einer Verschiebung von RI kommen. Daher war das Ziel der vorliegenden Promotionsarbeit, Erkenntnisse über den Einfluss von Alter, Parität, Body-Condition-Score (BCS), Milchleistung, Laktationstage, Trächtigkeit und eingesetzten Antikoagulanzien auf Leber-Biomarker von hochleistenden Milchkühen zu gewinnen. Im Anschluss wurden neue und präzise RI für Biomarker der Leber laktierender Holstein Friesian Kühe ermittelt. Für die Studie wurden 131 gesunde Holstein Friesian Kühe von 10 deutschen Milchviehbetrieben nach einer klinischen Allgemeinuntersuchung beprobt. Das Blut wurde aus der Vena jugularis externa in ein Serumröhrchen, ein Lithiumheparin-Röhrchen und einem K-EDTA-Röhrchen entnommen. Die Beprobung der Tiere erfolgte im Dezember 2023 und Januar 2024 jeweils zwischen 9:00 und 12:00 Uhr. Nach der Zentrifugation wurde das Serum und das Plasma in Röhrchen umgefüllt und bis zur photometrischen Analyse bei -20±2 °C gelagert. Nach erfolgter Analyse wurde die Auswirkung der oben genannten Faktoren auf die Messwerte statistisch analysiert. Anschließend wurden die RI mittels nichtparametrischer und robuster Methode, gemäß den Richtlinien der American Society for Veterinary Clinical Pathology, bestimmt. Die Ausreißeridentifizierung nach Dixon wurde angewendet. Im ersten Teil der Studie konnte gezeigt werden, dass mit zunehmendem Alter und Laktationszahl der Kühe die ALP- und die GLDH-Enzymaktivität im Serum steigt. Es wurde eine Zunahme der Konzentration an FFS im Serum mit steigender Milchleistung der Kühe beobachtet. Zudem konnten höhere Enzymaktivitäten von GGT, ALT und AST sowie eine Abnahme der FFS-Konzentration im Serum im Verlauf der Laktation ermittelt werden. Im Rahmen dieser Studie konnten höhere AST- und GGT-Aktivitäten im Serum von tragenden Tieren im Vergleich zu nicht tragenden Tieren bestimmt werden. Entgegen zeigte sich eine niedrigere FFS-Konzentration im Serum von tragenden Kühen im Vergleich zu nicht tragenden Kühen. Zuletzt konnte ein materialabhängiger Einfluss der verwendeten Antikoagulanzien auf die verschiedenen Biomarker nachgewiesen werden. Die BHB- und Cholesterin-Konzentration sowie die Aktivität der Enzyme ALP und GGT waren im Serum höher als im Plasma. Die Konzentration der FFS war im Lithiumheparin-Plasma höher als im Serum und EDTA-Plasma. Im zweiten Teil der Studie konnten 22 neue RI für die genannten Parameter ermittelt werden. Die Ergebnisse dieser Arbeit konnten den Einfluss von Alter, Parität, Milchleistung, Laktationstagen, Trächtigkeit und eingesetzten Antikoagulanzien auf die Aktivität von Leberzellenzymen und Lebermetaboliten im Blut zeigen. Präzise RI in Abhängigkeit von Einflussfaktoren können insbesondere im Rahmen des Herdengesundheitsmanagements dazu beitragen, Hepatozytenschäden und Leberstress frühzeitig zu erkennen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Laktation, aufgrund der erhöhten Leberbelastung zu höheren RI führen kann, unabhängig von der derzeitigen Möglichkeit diese Beobachtung als physiologisch oder pathologisch einzuordnen. In weiteren Studien sollten RI für nicht laktierende Milchkühe sowie für andere Rassen, Nutzungsrichtungen und Altersklassen bestimmt werden, um zukünftig insbesondere den Leberstatus von Milchkühen möglichst genau beurteilen zu können.
As the central metabolic organ in dairy cows, the liver is responsible for maintaining metabolic homeostasis and homeorhesis at the start of lactation. The health and maintenance of liver function is particularly important for milk production in cows. In practice, the liver status of cattle is usually determined by measuring enzyme activity and the concentration of metabolites. The activity of the enzymes gamma-glutamyltransferase (GGT), aspartate aminotransferase (AST), alanine aminotransferase (ALT), glutamate dehydrogenase (GLDH), alkaline phosphatase and (ALP) as well as the concentrations of the metabolites β-hydroxybutyric acid (BHB), unesterified free fatty acids (NEFA), cholesterol and total bilirubin in blood samples are used as liver biomarkers. Reference intervals (RI) form the basis for the correct interpretation of laboratory results and thus contribute significantly to the diagnosis of liver diseases such as ketosis or hepatic lipidosis in cows. RI are defined as 95 % of the reference values of a healthy reference population. RI can be influenced by geographical, clinical, biological and pre-analytical factors. Due to the large number of variable influences and breeding for high-yielding dairy cows, RI can shift over a period of 5–10 years. Therefore, the aim of the present study was to examine the influence of age, parity, BCS, milk yield, days in milk, pregnancy and anticoagulants on liver biomarkers of dairy cows. Subsequently, new and precise RI for biomarkers of liver biomarkers of lactating Holstein Friesian cows were determined. For the study, 131 healthy Holstein Friesian cows from 10 German dairy farms were sampled after a general clinical examination. Blood was collected from the external jugular vein into a serum tube, a lithium heparin tube and a K-EDTA tube. The animals were sampled in December 2023 and January 2024 between 9:00 and 12:00. After centrifugation, the serum and plasma were transferred in tubes and stored at -20±2 °C until photometric analysis. After analysis, the effect of the above-mentioned factors on the measured values was statistically analyzed. The RIs were then determined using a non-parametric and robust method in accordance with the American Society for Veterinary Clinical Pathology guidelines. Dixon outlier identification was applied. The first part of the study showed that the activities of ALP and GLDH in serum increase with increasing age and number of lactations of the cows. Higher concentration of FFS in serum was observed with increasing milk yield. In addition, higher enzyme activity of GGT, ALT and AST as well as a decrease in the serum FFS concentration were observed during lactation. In this study, higher AST and GGT activities were determined in serum of pregnant cows compared to non-pregnant. In contrast, a lower FFS concentration was found in serum of pregnant cows compared to non-pregnant. Finally, a material-dependent influence of the used anticoagulants was demonstrated. The concentration of BHB and cholesterol as well as the activity of the enzymes ALP and GGT were higher in serum compared to plasma. The concentration of FFS was higher in lithium heparin plasma than in serum and EDTA plasma. In the second part of the study, a total of 22 new RIs were determined for the parameters mentioned. The results of this study showed the influence of age, parity, milk yield, lactation days, pregnancy and anticoagulants used on the activity of enzymes and liver metabolites in the blood. Precise RI depending on the mentioned factors influencing liver enzyme leakage can contribute to the early detection of hepatocyte damage and liver stress, particularly in the context of herd health management. However, it should be noted that lactation increases RI due to a high liver load, and currently, it cannot be clearly stated whether this condition is physiological or pathological in high yielding dairy cows. Further studies are needed to determine RI for non-lactating dairy cows as well as for other breeds, types of use and age groups.
Preview
Cite
Access Statistic


