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Minimierungsmöglichkeiten der Anwendung "kritisch bedeutsamer Antibiotika" in der Schweinehaltung durch Erfassung aktueller Therapiehäufigkeiten und der Resistenzlage

Der Einsatz von Antibiotika in Human-, Tiermedizin und Landwirtschaft stellt einen maßgeblichen Treiber der Resistenzentwicklung dar. Daher ist es geboten, eine Reduktion des Einsatzes auf ein absolutes Mindestmaß in sämtlichen Bereichen anzustreben. In der Tiermedizin lässt sich seit Jahren sowohl bei den Verkaufszahlen als auch bei den Anwendungsmaßnahmen von Antibiotika ein abfallender Trend beobachten. Aussagen zur Therapiehäufigkeit waren über das nationale Monitoring bisher jedoch nur für Masttiere in großen Betrieben möglich. Deshalb wurden auf Basis der Forschungsprojekte VetCAb-S und VetAmUR detaillierte Auswertungen für alle Nutzungsrichtungen der Tierart Schwein, in Betrieben sämtlicher Größen, durchgeführt. Ein besonderes Augenmerk galt dabei den "kritischen Antibiotika", deren Einsatz in der Tiermedizin intensiv diskutiert wird. Da unterschiedliche Klassifikationssysteme für "kritische Antibiotika" existieren, wurde in diesem Kontext ein Vergleich durchgeführt, welcher die Liste der EMA als geeignetsten Leitfaden für die Therapieentscheidungen der Tierärzt:innen identifizierte.

 

Antibiotikaeinsatzdaten alleine reichen jedoch nicht, um valide Aussagen über die Resistenzlage treffen zu können, da sie von einer Vielzahl weiterer Faktoren abhängt. Eine gezielte Ergebnisauswertung der Resistenztestungen auf Betriebsebene ist somit unerlässlich. Derzeit besteht jedoch keine gesetzliche Verpflichtung zur Meldung dieser Daten. Aus diesem Grund wurden im Rahmen des VetAmUR-Projektes Resistenztestungen aus der Routinediagnostik erfasst und eine Analyse des Status quo der Dokumentation durchgeführt. Die Auswertung dieser Daten ergab eine große Heterogenität hinsichtlich des Formats sowie des Inhalts. Um sie für ein nationales Monitoring nutzbar zu machen und auch inhaltlich auswerten zu können, ist also zunächst eine Harmonisierung der Daten unabdingbar. Dabei zeigte sich auch, dass es zusätzlicher Informationen bedarf, um beispielsweise eine Über- bzw. Unterschätzung der Resistenzlage zu verhindern.

Um den Antibiotikaeinsatz weiter zu reduzieren, ist eine detaillierte Analyse der zugrunde liegenden Indikationen einer Behandlung erforderlich. Zusätzlich sollte der Einsatz und die Erforschung alternativer Therapien und Präventionsmaßnahmen verstärkt werden. Des Weiteren ist die simultane Erfassung von Antibiotikaeinsatz und -resistenz auf Betriebsebene von entscheidender Bedeutung, um die Zusammenhänge zwischen beiden Bereichen bereits auf der unmittelbar betroffenen Ebene analysieren zu können. Ein solches Vorgehen wird jedoch durch verschiedene Faktoren erschwert. Zum einen sind die erfassten Daten in Bezug auf ihre Datenqualität und Detailtiefe teilweise sehr heterogen, wie beispielsweise die Indikationen auf den AuA-Belegen sowie die Dokumentation der Resistenztestungen allgemein. Zum anderen steht einer, aktuell, geringen Anzahl an Resistenztestungen pro Betrieb eine deutlich größere Anzahl an Behandlungen gegenüber. Eine direkte Verknüpfung dieser Bereiche ist jedoch nicht möglich, da nicht vor jeder antibiotischen Behandlung eine Resistenztestung durchgeführt wird und nicht auf jede Testung eine Behandlung folgen muss. Zudem erschweren unterschiedliche Standards und Methoden sowie das Fehlen klinischer Grenzwerte bei Resistenztestungen eine Vergleichbarkeit der Daten aus den Routinetestungen.

 

Allgemein lässt sich konstatieren, dass es weiterer gesetzlicher Regelungen bedarf, um speziell die Resistenztestungen für ein Monitoring verfügbar zu machen. In einem ersten Schritt sollte eine Harmonisierung der Datenerfassung durch ein Template – analog zu den AuA-Belegen – angestrebt werden. Ferner ist zu erwägen, weitere Variablen in TÄHAV und TAMG zu verankern, deren Dokumentation bzw. Meldung bislang nicht verpflichtend sind. Von besonderer Relevanz sind hierbei die Indikationen für die jeweiligen Behandlungen sowie die Gründe für die durchgeführten Resistenztestungen. Schließlich ist auf Bundesebene zu eruieren, wie ein nationales Antibiotikaresistenz-Monitoring zu realisieren wäre. Möglich wären dabei z. B. die Einführung eines passiven Monitorings aller Betriebe sowie alternierende Meldungen anhand eines bundesweiten Betriebsschlüssels. Aufgrund der geringen Anzahl an Resistenztestungen pro Betrieb müssen sich Auswertungen zunächst auf ökologische Korrelationen beschränken. Um konkrete Aussagen über die Resistenzlagen einzelner Betriebe treffen zu können, ist es daher erforderlich, zunächst Wege zu finden, die die Anzahl an Resistenztestungen pro Betrieb erhöhen. Dabei sollte die Belastung betroffener Berufsgruppen durch die Umsetzung beschlossener Maßnahmen so gering wie möglich gehalten werden.

The use of antimicrobials in human and veterinary medicine, as well as agriculture, represents a pivotal factor in the emergence of resistance. It is therefore imperative to endeavour to reduce the use of antimicrobials to an absolute minimum in all areas. In the field of veterinary medicine, there has been a notable decline in both sales figures and the use of antimicrobials over the course of several years. However, until recently, statements regarding the treatment frequency from the national monitoring programme were only available for fattening animals on large farms. Therefore, comprehensive analyses were conducted on the basis of the VetCAb-S and VetAmUR research projects for all types of pig use on farms of all sizes. Specific attention was directed towards "critical important antimicrobials", the use of which is the subject of intense debate in veterinary medicine. Given the existence of disparate classification systems for "critical important antimicrobials", a comparison was conducted, which identified the EMA list as the most suitable guide for veterinary practitioners' treatment decisions.

 

The analysis of antimicrobial use data alone is insufficient for the formulation of valid statements regarding the resistance situation, as it is contingent upon a multitude of additional factors. It is therefore essential to conduct a targeted evaluation of the findings from resistance tests at the farm level. However, there is currently no legal obligation to report this data. Consequently, resistance tests from routine diagnostics were recorded as part of the VetAmUR project, and the current status of the documentation was analysed. The evaluation of these data revealed a large heterogeneity in terms of format and content. In order for these data to be suitable for a national monitoring, it is essential that they are first harmonised. It also became apparent that additional information is required to prevent over- or underestimation of the resistance situation.

 

In order to further reduce the use of antimicrobials, a detailed analysis of the underlying indications for treatment is required. In addition, the use and research of alternative therapies and prevention measures should be intensified. Moreover, the simultaneous collection of antimicrobial use and resistance data at the farm level is of paramount importance for the analysis of the interconnections between these two domains, which are directly affected. Nevertheless, this approach is hampered by a number of factors. On the one hand, the data collected are partially very heterogeneous in terms of data quality and detail depth, such as the indications on the application and delivery forms and the documentation of resistance tests in general. On the other hand, a currently low number of resistance tests per farm is compared to a larger number of treatments. However, a direct link between these areas is not possible, as not all antimicrobial treatments are preceded by a resistance test, and not every test is followed by a treatment. Furthermore, the use of disparate standards and methodologies, coupled with the absence of clinical cut-off values for resistance testing, renders the comparison of data from routine tests a challenging endeavour.

 

In general, it can be stated that further legal regulations are required, especially to make resistance tests available for a monitoring programme. As an initial measure, it would be advisable to endeavour to standardise the collation of data through the utilisation of a template, analogous to the application and delivery forms. Moreover, it would be beneficial to consider incorporating additional variables into the TÄHAV and TAMG, the documentation and reporting of which is not yet mandatory. It is of particular relevance to consider the indications for the respective treatments and the rationale behind the conducted resistance tests. It is ultimately incumbent upon the federal government to determine the manner in which a national antimicrobial resistance monitoring programme might be implemented. Possible approaches include the introduction of passive monitoring of all farms, as well as alternating reports based on a nationwide sampling frame. Given the low number of resistance tests conducted on each farm, current analyses are limited to ecological correlations. To gain a more comprehensive understanding of the resistance patterns on individual farms, it is therefore essential to increase the number of resistance tests conducted on each farm. Concurrently, the impact on those affected by these measures should be kept to a minimum.

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