Comparative anatomy of ascending auditory brainstem pathways
Das Ziel dieser Thesis war es, zum einen die Charakteristika des auditorischen Hirnstamms der etruskischen Spitzmaus (Suncus etruscus), sowie zum anderen die Verteilung und Morphologie der Oligodendrozyten und Mikroglia im sich entwickelnden auditorischen Hirnstamm der mongolischen Wüstenrennmaus (Meriones unguiculatus) zu untersuchen. Der auditorische Hirnstamm der etruskischen Spitzmaus wird, auf Grund von Immunfluoreszenzfärbungen, als neues Modell für die Ursprungshörforschung diskutiert. Die entwicklungsabhängigen Veränderungen von Oligodendrozyten und Mikroglia, in der mongolischen Wüstenrennmaus, werden in neun verschiedenen Altersgruppen, welche von vor dem Hörbeginn bis hin zum Erwachsenenstadium reichen, mit Hilfe von Zellzählung, Elektroporationen und Morphometrie untersucht. Die etruskische Spitzmaus ist eine der kleinsten rezenten Säugerspezies und wird zu den Eulipotyphla geordnet. Diese Kladde hat sich vor ungefähr 94 Mio. J. von den Nagetieren und Primaten abgespaltet. Aufgrund der Kopfgröße, der Mittelohrgestaltung und des Hörbereichs reflektiert diese Spezies wahrscheinlich die ursprünglichen Hörbahnen. Dafür wurden drei Regionen des auditorischen Systems charakterisiert: der superiore oliväre Komplex (SOC), der laterale Lemniscus (LL) und der inferiore Colliculus (IC). Diese Hirnregionen wurden hinsichtlich ihrer Struktur, der synaptischen Eingangsmuster, der inhibierenden Neurotransmitter, der kalziumbindenden Proteine (CaBPs), zweier spannungsabhängiger Ionenkanäle und der Oligodendrozyten untersucht. Wir konnten die meisten der Hauptkerne an Hand der von anderen Säugetieren bekannten Strukturen identifizieren, mit Ausnahme von Zweien im SOC. Die meisten unserer Ergebnisse sind vergleichbar mit Nagetieren, wobei zwei besonders herausstachen. Erstens war die CaBP-Exprimierung bemerkenswert niedrig oder sogar fehlend. Zweitens exprimiert einer der Hauptkerne im SOC, der superiore paraoliväre Nucleus, Glycin statt γ-Aminobuttersäure (GABA) als inhibitorischen Neurotransmitter. Zusammenfassend ähnelt die Struktur der etruskischen Spitzmaus durchaus einem zentralen auditorischen Ursprungsmodell. Die mongolische Wüstenrennmaus ist ein bekannter Nagermodellorganismus für die Hörforschung, hauptsächlich, weil deren tiefe Hörfrequenzen zum Teil denen des Menschen ähneln. Die strukturellen Aspekte des SOC sind bereits weitgehend beschrieben, allerdings fehlt eine Quantifizierung der Gliazellen. In dieser Arbeit liegt der Fokus auf den entwicklungsabhängigen Veränderungen der Oligodendrozyten und der Mikroglia. Oligodendrozyten entwickeln sich aus einem gemeinsamen Vorläufer mit Neuronen und Astrozyten, weswegen die Identifizierung der einzelnen Abstammungsstadien schwierig sein kann, jedoch gibt es dafür einige gute Marker. Im vollentwickelten Stadium sind Oligodendrozyten für die Myelinisierung des Zentralennervensystems zuständig, um die Signalweiterleitung zu modulieren, und tragen zur Stoffwechselunterstützung der neuronalen Somata und deren Axone bei. Wir haben gezeigt, dass die Morphologie während der neuronalen Reifung divers ist und wahrscheinlich den verschiedenen Entwicklungsstadien entspricht. Zusätzlich ist ihre Myelinisierung axon- und nicht oligodendrozytenabhängig, welches durch die unterschiedliche Myelinscheidenlänge, -durchmesser und -orientierung gezeigt werden kann. Bei dem Vergleich zwischen der etruskischen Spitzmaus und der mongolischen Wüstenrennmaus scheint ein Skalierungsfaktor von 0,43 zwischen der Hirngröße und der Oligodendrozytendichte aufzutreten, aber nicht direkt zwischen der Zellanzahl und der untersuchten SOC-Nukleusgröße. Mikroglia entwickeln sich aus Makrophagen, die pränatal in das Gehirn einwandern und ihre Reifung im postnatalen Hirn vervollständigen. Im adulten Gehirn ist ihre Hauptaufgabe die Immunabwehr von Gewebeschäden oder Entzündungsprozessen. Während der postnatalen Entwicklung sind Mikroglia darüber hinaus in die synaptische Reifung involviert. Der Dichteunterschied in den mongolischen Wüstenrennmäusen scheint, wie bei den Oligodendrozyten, mit der neuronalen Verfeinerung und eventuell mit der Oligodendrozytenentwicklung zusammenzuhängen. Die morphologische Entwicklung der Mikroglia ermöglicht es ihnen, durchgängig das gesamte wachsende Gewebe zu erfassen. Zusammengenommen geben diese Studien einen tieferen Einblick in verschiedene Aspekte des auditorischen Hirnstamms. Einerseits wird dies gezeigt durch den wahrscheinlich evolutionären entwicklungsabhängigen Blickwinkel der etruskischen Spitzmaus. Andererseits gibt die spezies- und altersabhängige Entwicklung der vermutlichen Synchronisation von neuronaler und glialer Entwicklung einen weiteren Blickwinkel.
This thesis aimed to investigate the auditory brainstem characteristics of the Etruscan shrew (Suncus etruscus) and the distribution and morphology of oligodendrocytes and microglia in the developing auditory brainstem of the Mongolian gerbil (Meriones unguiculatus). The Etruscan shrew’s brainstem is discussed as a novel model for ancestral hearing research on the bases of immunofluorescent labeling. The developmental changes of oligodendrocytes and microglia in the Mongolian gerbil are examined starting before hearing onset until adult-like age in nine different age groups via immunofluorescence cell counting, electroporations and morphometry. The Etruscan shrew is one of the smallest recent mammalian species, categorized to the Eulipotyphla. This clade has spitted around 94 MYA ago from rodents and primates. With its head size, middle ear formation and hearing range, it is likely to reflect an ancestral hearing pathway. Therefore, we characterized three regions of the auditory system: the superior olivary complex (SOC), the lateral lemniscus (LL) and the inferior colliculus (IC). These brain regions were examined in respect to their structure, synaptic input patterns, inhibitory neurotransmitters, calcium-binding proteins (CaBPs), two voltage-gated ion channels and oligodendrocytes. We identified most of the major nuclei known from other mammalian species, except of two, in the SOC. Most of our results are comparable to rodents whereas two results stood out. First, the expression of CaBPs was remarkably low or even absent. Second, one of the major nuclei of the SOC, the superior paraolivary nucleus, is expressing mainly glycine and not γ-aminobutyric acid (GABA) as inhibitory neurotransmitter. In conclusion, the Etruscan shrew structurally indeed resembles a central auditory ancestral model. The Mongolian gerbil is a well-known rodent model organism for auditory research, mainly because of its comparable low frequency hearing that partially resembles that of humans. The structural aspects of the SOC are already well described but a quantification of glial cells was missing. Here, the focus was on the developmental alterations of oligodendrocytes and microglia. Oligodendrocytes have a common precursor with neurons and astrocytes, therefore, the identification of all lineage stages can be challenging but several good markers are available. In the mature stage, oligodendrocytes are responsible for the myelination of the central nervous system to modulate the signal propagation and for metabolic support of neuronal somata and their axons. We show that their morphology during the neuronal maturation is divers and resembles most likely the variety of different oligodendrocyte stages. Additionally, their myelination in the adult stage is axon dependent, not oligodendrocyte dependent, shown by their different myelin sheath length, diameter and orientation. Comparing the oligodendrocytes of adult Etruscan shrew and Mongolian gerbil, there seems to be a scaling factor of 0.43 between the brain size and the density of these cells but not directly between the number of cells and the size of the examined SOC nucleus. Microglia develop from macrophages, invade the brain prenatally and finish their maturation in the postnatal brain. Their function in the adult brain is mainly the immune response to injuries or inflammation. During postnatal development, microglia are also involved in the synaptic maturation. As oligodendrocytes, their density change in Mongolian gerbil seems to be coupled to the neuronal refinement and maybe to the development of oligodendrocytes. The morphological change of microglia ensures these cells to cover always the full tissue in the growing brain. Overall, these studies provided a deeper insight to the auditory brainstem in different aspects. On one side, it showed the most likely evolutionary developmental point of view with the Etruscan shrew. Additionally, the species-dependent age-related development shows probably a synchronization of the glial cells with the neuronal maturation.
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