Literaturrecherche, Patientenanalyse und labordiagnostische Analyse bei hormonellen Erkrankungen des Hundes
Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit „Hypothyreose beim Hund: eine Übersicht“ konnten die aktuellen Erkenntnisse zu Epidemiologie, Ätiologie und Pathophysiologie, klinischen Symptomen, diagnostischen Methoden und der Therapie der caninen Hypothyreose zusammengefasst und ein Überblick erstellt werden. Hierbei lag der Fokus auf den verschiedenen diagnostischen Möglichkeiten und ihren Limitierungen. Als Fazit konnte herausgearbeitet werden, dass es sich bei der Hypothyreose um eine der häufigsten Endokrinopathien des Hundes handelt und diese aufgrund ihrer teils unspezifischen Symptomatik stets berücksichtigt werden sollte. Die Gesamt-Thyroxin(T4)-Konzentration dient als Screening-Parameter, sollte aber immer im Zusammenhang mit anderen Schilddrüsenwerten wie freiem Thyroxin (fT4), Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH) und Thyreoglobulin-Autoantikörpern (TgAA) interpretiert werden, um eine nicht-thyreoidale Erkrankung vollständig ausschließen zu können. Ebenso sollten die klinischen Symptome des Patienten immer mit in die Diagnosestellung einbezogen werden. Die Initialdosis sollte 20 μg/kg Levothyroxin betragen und kann auf zwei Gaben pro Tag aufgeteilt werden. Ist die Diagnose sicher gestellt, werden fehlende Schilddrüsenhormone substituiert und regelmäßige Kontrollen durchgeführt, haben Patienten eine gute Langzeitprognose. Im zweiten Teil „Polyendokrine Syndrome beim Hund“ konnte anhand von 5 Fällen aus der Klinik für Kleintiere und 10 Fällen aus der Literatur gezeigt werden, dass es sich beim polyendokrinen Syndrom um eine seltene aber dennoch auch beim Hund beachtenswerte Syndrom handelt. Bei der häufigsten Kombination handelte es sich in den gesammelten Fällen um Hypoadrenokortizismus assoziiert mit einer Hypothyreose (11/15), wobei in 7 Fällen ein eunatriämischer, eukaliämischer Hypoadrenokortizismus vorlag. Die anderen 4 Hunde litten an einer Kombination aus Hypoadrenokortizismus und Diabetes mellitus. Es konnte gezeigt werden, dass das Vorliegen mehrerer endokriner Erkrankungen eine Herausforderung in der Diagnostik darstellt, da Befunde oft nicht klar einer Erkrankung zugeordnet werden können oder durch Medikamente oder andere Erkrankungen beeinflusst werden. Dies bestätigt auch das Fazit des ersten Teils der vorliegenden Arbeit, dass Befunde im Zusammenhang miteinander und unter Berücksichtigung des klinischen Zustandes des Tieres interpretiert werden sollten. Eine weitere Kernaussage des zweiten Teils der Arbeit war, dass mehrere Endokrinopathien sowohl zeitgleich als auch Monate bis Jahre später auftreten können. Der größte Abstand zwischen den Diagnosen zweier Endokrinopathien lag in dieser Fallsammlung bei über 4 Jahren. Ebenfalls variabel war der Abstand zwischen den Diagnosen. Dieser reichte von 15 Monaten bis hin zu 8 Jahren. Auch die Bedeutung regelmäßiger Kontrollen und eines guten Monitorings konnte im zweiten Abschnitt, wie im ersten Teil der Arbeit, anhand mehrerer Fälle bestätigt werden. Interessant war auch, dass in manchen Fällen zusätzlich zum polyendokrinen Syndrom weitere Erkrankungen wie eine exokrine Pankreasinsuffizienz auftraten. Schlussendlich konnte bestätigt werden, dass bei stabiler Einstellung auch beim Vorliegen mehrerer Endokrinopathien eine gute Lebenserwartung erreicht werden kann. Im dritten Teil „Untersuchungen zu endogenen Aldosteronkonzentrationen und Schilddrüsenparametern bei Hunden mit Hypoadrenokortizismus“ wurde anhand von 29 Patienten mit einem durch Adrenocortikotropes Hormon(ACTH)-Stimulationstest bestätigten Hypoadrenokortizismus nachgewiesen, dass interessanterweise nur bei 59 % (17/29) der Hypoadrenokortizismus-Patienten ein Hypoaldosteronismus vorlag, wobei nur 41 % (12/29) diesen in beiden Messungen des ACTH-Stimulationstests zeigten. 28 % (8/29) der Hunde wiesen eine physiologische Aldosteronkonzentration auf, obwohl eine Hyponatriämie und/oder eine Hyperkaliämie vorlag. Von 29 Kandidaten mit Hypoadrenokortizismus wiesen 69 % (20/29) eine Hyponatriämie und Hyperkaliämie auf. Bei 17 % (5/29) der Tiere lag nur eine der beiden Elektrolytverschiebungen vor. Der Na:K-Quotient war bei 62 % (18/29) und der Neutrophilen-Lymphozyten-Quotient bei 59 % (17/29) der Tiere erniedrigt. Nur bei 34 % (10/29) der Tiere waren beide Quotienten erniedrigt vor. Bezüglich der Untersuchungen der Schilddrüsenparameter zeigten 10 % (3/29) der Hypoadrenokortizismus-Patienten zu einer Hypothyreose passende Gesamt-T4- und TSH-Konzentrationen, wobei bei 2 dieser Tiere zusätzlich erhöhte TgAA-Konzentrationen nachzuweisen waren. Bei beiden Hunden normalisierten sich die Schilddrüsenwerte jedoch innerhalb eines halben Jahres ohne Levothyroxin-Therapie. Bei weiteren 10 % (3/29) der Tiere war nur die TSH-Konzentration erhöht. Eines der Tiere wies bei einer späteren Kontrolle eine erhöhte Gesamt-T4-Konzentration auf und wurde mit einer Hypothyreose diagnostiziert. Erhöhte TgAA-Konzentrationen konnten bei insgesamt 14 % (4/29) der Tiere, einschließlich der zwei Hunde mit zu einer Hypothyreose passenden Gesamt-T4- und TSH-Konzentrationen, gemessen werden.Zusammenfassend bestätigte die Studie zum einen die geringe Aussagekraft der Aldosteron-Konzentration und zeigte zum anderen, dass bei einem gemeinsamen Auftreten von Hypoadrenokortizismus und Hypothyreose zunächst Ersterer behandelt werden sollte und im weiteren Verlauf die Schilddrüsenparameter erneut überprüft werden sollten, bevor mit einer Levothyroxin-Therapie begonnen wird.
In the first part of the present work "Hypothyroidism in dogs: an overview", the current knowledge on epidemiology, etiology and pathophysiology, clinical symptoms, diagnostic methods and therapy of canine hypothyroidism could be summarised and an overview provided. The focus was on the different diagnostic possibilities and their limitations. The conclusion was that hypothyroidism is one of the most common endocrinopathies in dogs and should always be considered due to its partly unspecific symptoms. The total thyroxine (TT4) concentration serves as a screening parameter, but should always be interpreted in context with other thyroid values such as free thyroxine (fT4), thyroid-stimulating hormone (TSH) and Thyroglobulin autoantibodies (TgAA) in order to be able to completely exclude a nonthyroidal disease. Likewise, the patient's clinical symptoms should always be included in the diagnosis. The initial dose should be 20 μg/kg levothyroxine and can be divided into two doses per day. Once the diagnosis has been made with certainty, missing thyroid hormones are substituted and regular check-ups are carried out, patients have a good long-term prognosis. In the second part, "Polyendocrine syndromes in dogs", 5 cases from the clinic for small animals and 10 cases from literature were used to show that the polyendocrine syndrome is a rare but nevertheless noteworthy syndrome in dogs. The most common combination in the collected cases was hypoadrenocorticism associated with hypothyroidism (11/15), with eunatraemic, eukalaemic hypoadrenocorticism present in 7 cases. The other 4 dogs suffered from a combination of hypoadrenocorticism and diabetes mellitus. It could be shown that the presence of several endocrine diseases is a challenge in diagnostics, as findings often cannot be clearly assigned to one disease or are influenced by medication or other diseases. This also confirms the conclusion of the first part of this paper that findings should be interpreted in context with each other and in consideration of the clinical condition of the animal. Another key message was that several endocrinopathies can occur at the same time as well as months to years later. The greatest interval between diagnoses of two endocrinopathies in this case collection was over 4 years. The interval between diagnoses was also variable. This ranged from 15 months to 8 years. The importance of regular controls and good monitoring was also confirmed in the second section, as in the first part of the paper, on the basis of several cases. It was also interesting to note that in some cases, other diseases such as exocrine pancreatic insufficiency can occur in addition to the polyendocrine syndrome. Finally, it could be confirmed that with a stable setting, a good life expectancy can be achieved even in the presence of several endocrinopathies. In the third part, "Studies on endogenous aldosterone concentrations and thyroid parameters in dogs with hypoadrenocorticism", 29 patients with hypoadrenocorticism confirmed by adrenocorticotropic hormone (ACTH) stimulation test were used to demonstrate that, interestingly, only 59% (17/29) of the hypoadrenocorticism patients had hypoaldosteronism, with only 41% (12/29) showing it in both measurements of the ACTH stimulation test. 28 % (8/29) of the dogs had physiological aldosterone concentrations despite the presence of hyponatremia and/or hyperkalemia. Of 29 candidates with hypoadrenocorticism, 69 % (20/29) had hyponatremia and hyperkalemia. In 17 % (5/29) of the animals only one of the two electrolyte shifts was present. The sodium to potassium ratio was decreased in 62 % (18/29) and the neutrophil-lymphocyte ratio in 59 % (17/29) of the animals. Only 34 % (10/29) of the animals had both quotients lowered. With regard to the examination of thyroid parameters, 10 % (3/29) of the hypoadrenocorticism patients showed TT4 and TSH concentrations consistent with hypothyroidism, with 2 of these animals also showing elevated TgAA concentrations. In the latter, however, the thyroid values normalised within half a year without levothyroxine therapy. In another 10 % (3/29) of the animals, only the TSH concentration was elevated. One of the animals had an elevated total T4 concentration at a later check-up and was diagnosed with hypothyroidism. Elevated TgAA concentrations were measured in a total of 14% (4/29) of the animals, including the two dogs with TT4 and TSH concentrations consistent with hypothyroidism. In summary, the study confirmed on the one hand the low significance of the aldosterone concentration in hypoadrenocorticism diagnostics and showed on the other hand that in the case of a joint occurrence of hypoadrenocorticism and hypothyroidism, the former should be treated first and in the further course the thyroid parameters should be reevaluated before levothyroxine therapy is started.
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