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Retrospektive Analyse klinischer Daten zu Hodengröße und genitalmorphologischen Abweichungen bei prä-, peri- und postpuberalen Warmbluthengsten einschließlich der Evaluation von Fertilitätsparametern bei 2,5-jährigen Warmbluthengsten

Ziel dieser Studie war es Referenzbereiche für genitalmorphologische Merkmale der Hoden von Hannoveraner Junghengsten in der Aufzucht zu definieren und durch palpatorische Befunde zu ergänzen. Die Junghengste waren eingeteilt in die drei Altersgruppen 0 zwischen 5-11 Monaten, 1 zwischen 18 und 23 Monaten und 2 zwischen 27 und 33 Monaten. Zudem wurden von einigen Hengsten aus Altersgruppe 2 spermatologische und histologische Daten erhoben, um die Mindestmaße der Hoden hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Zuchttauglichkeit der Hengste einzuordnen. Alle Untersuchungen fanden in den Herbst- und Wintermonaten statt.
Für die genitalmorphologischen Merkmale lagen die Daten von 310 Hengsten vor. Die Größe der Hoden wurde ultrasonographisch bestimmt und das Hodenvolumen mit der Formel TV = 0,5233 x Länge x Breite x Höhe ermittelt. Die Größe der Hoden war innerhalb der Altersgruppen abhängig vom genauen Alter der Hengste. Für Altersgruppe 0 im Alter von 221 Tagen wurde eine Mindestgröße von 7,51 cm3 für den linken Hoden, 6,89 cm3 für den rechten Hoden und 15,46 cm3 für das Gesamthodenvolumen definiert. In Altersgruppe 1 im Alter von 620 Tagen waren es 38,06 cm3 beim linken, 31,27 cm3 beim rechten und 76,19 cm3 für beide Hoden. In Altersgruppe 2 im Alter von 891 Tagen sollte das Volumen des linken Hodens mindestens 76,01 cm3, des rechten Hodens 64,78 cm3 und beider Hoden 146,25 cm3 betragen. Es war auffällig, dass in allen Altersgruppen der rechte Hoden durchschnittlich kleiner war als der linke Hoden. Des Weiteren wurden die palpatorischen Untersuchungsergebnisse von 399 Hengsten analysiert. In Altersgruppe 0 waren bei 30% der Hengste der linke und 25,9% der Hengste der rechte Hoden palpatorisch auffällig. Am häufigsten wurde hier ein Hodenhochstand dokumentiert. In Altersgruppe 1 zeigten 28,2% palpatorische Auffälligkeiten im linken
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und 32,6% im rechten Hoden. In Altersgruppe 2 waren es 14% im linken und 28,1% im rechten Hoden. In diesen Altersgruppen war am häufigsten eine Konsistenzveränderung oder ein deutlicher Größenunterschied zu vermerken. Bei den älteren Hengsten war der rechte Hoden doppelt so häufig betroffen wie der linke Hoden.
Für die Spermatologie wurden die Ejakulate von 20 Junghengsten aus Altersgruppe 2 untersucht und es wurde analysiert, ob es einen signifikanten Unterschied in der Samenqualität und -quantität bei Hengsten gab, die das Mindestmaß der Hodenvolumina nicht erreicht hatten. In dieser Arbeit konnten keine signifikanten Unterschiede der untersuchten spermatologischen Parameter zwischen den Hengsten mit zu kleinen (n=6) und den Hengsten mit normal großen Hoden (n=14) festgestellt werden. Es fiel jedoch auf, dass lediglich 60% der gesamten untersuchten Ejakulate die Mindestanforderungen von 1 x 109 morphologisch normaler, vorwärtsbeweglicher Spermien erreichten. Hierbei waren es 10 der Hengste mit normal großen (n=14) und lediglich 2 der Hengste mit zu kleinen Hoden (n=6).
Die histologischen Untersuchungen erfolgten an 8 chirurgisch kastrierten Hoden. Es konnte festgehalten werden, dass in vielen histologischen Schnitten immature Areale darstellbar waren. Auffallend war zudem, dass in Schnitten von zu kleinen oder palpatorisch auffälligen Hoden zahlreichere und größere immature Areale und vermehrt Tubuli mit gestörter Spermatogenese darstellbar waren.
Zusammenfassend zeigte die Arbeit, dass es deutliche Variationen in der Größe der Hoden, der Qualität des Spermas und bei histologischen, strukturellen Auffälligkeiten in Hoden von Junghengsten vor dem ersten Deckeinsatz gibt. Es konnten Mindestmaße der Hodengröße zu einem bestimmten Zeitpunkt als Absatzfohlen, Jährlingshengste und zweijährige Hengste etabliert werden. In dieser Studie waren die Unterschiede zwischen genitalmorphologisch auffälligen und unauffälligen Tieren nicht immer eindeutig. Bei Studien an anderen Tierarten wie Rindern und Schweinen mit deutlich mehr Individuen zeigen Ergebnisse, dass die Größe der Hoden in jungen männlichen Tieren zur Selektion von Zuchttieren herangezogen werden kann. Bei Pferden gibt es Bedarf, weitere Parameter zu untersuchen, die in jungen Jahren Aufschluss über die Zuchttauglichkeit erlauben.

The objective of this study was to define reference ranges for genital morphological characteristics of the testes of Hanoverian colts in stud, categorized into three age groups (Group 0 between 5-11 months, Group 1 between 18 and 23 months, and Group 2 between 27 and 33 months), and to supplement them with palpatory findings. In addition, spermatological and histological data were collected from some stallions in age group 2 in order to classify a threshold for testicular dimensions in terms of their significance to the stallions' fertility. All examinations were performed during Autumn and Winter.
For genital morphological characteristics, data collected from 310 stallions was available. Testicular size was assessed ultrasonographically and testicular volume was determined using the formula TV = 0.5233 x length x width x height. Within age groups, testicular size was related to the exact age of colts (p < 0,05). For age group 0 at 221 days of age, a minimum size of 7.51 cm3 was defined for the left testis, 6.89 cm3 for the right testis, and 15.46 cm3 for the total testicular volume. In age group 1 at 620 days, the threshold for the minimal testicular size was 38.06 cm3 for the left testis, 31.27 cm3 for the right testis, and 76.19 cm3 for both testes. By the age of 891 days (age group 2), the volume of the left testis should be at least 76.01 cm3, of the right testis 64.78 cm3, with a total testicular volume of 146.25 cm3 for both testes. It was noticeable that in all age groups, the mean size of the right testis was smaller than the mean size of the left testis. Furthermore, the palpatory examination results of 399 stallions were analyzed. In age group 0, there were palpatory findings in 30% of the left testes and in 25.9% of the right testes. The most common finding in this age group was one testis to be higher than the other. In age group 1, 28.2% showed palpatory findings in the left and 32.6% in the right testis. In age group 2, 14% had palpatory
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findings in the left testis and 28.1% in the right testis. In these age groups, the most common findings were a change in texture or a noticeable difference in size. In the older stallions, the right testis was affected twice as often as the left testis.
For spermatology, the ejaculates of 20 young stallions in age group 2 were examined. A correlation between semen quality and quantity and the testicular volume threshold was analyzed. In this experiment, no significant differences in the studied spermatological parameters were found between the stallions with too small testicles (n=6) and the stallions with normal sized testicles (n=14). However, it is noteworthy that only 60% of the total collected semen samples examined met the minimum requirements of 1 billion morphologically normal, progressively motile sperm. 10 of these stallions had normal-sized testes (n=14) and 2 of the stallions had testes that were too small (n=6).
Histological examinations were performed on 8 testes of surgically castrated stallions. In these slides a lot of seminiferous tubule cross-sections could be classified as immature. It was also remarkable that in testicular tissue of too small or palpatorily conspicuous testes more numerous and larger immature areas and more seminiferous tubules with inadequate spermatogenesis could be found.
In summary, the study showed that there are significant variations in testicular size, semen quality, and histological findings in testes of young stallions before the first mating. Minimum measures of testicular size at a given time as weanling foals, yearling colts, and two-year-old colts could be established. In this study, the differences between genital morphologically conspicuous and inconspicuous animals were not always clear. In studies of other species, such as cattle and pigs, with significantly more individuals, results show that testicular size in young males can be used to select breeding stock. In horses, there is a need to further investigate parameters predicting information about future breeding soundness at a young age.

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