Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)TiHo eLib

Qualitätssicherung im Bereich Hygiene und Aufbereitung von Medizinprodukten in der Klinik für Kleintiere, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Anders als in der Humanmedizin gibt es für die Veterinärmedizin bislang keine validierten Untersuchungsverfahren und keine Verpflichtung zur hygienischen Überprüfung und Qualitätssicherung in Kleintierkliniken und -praxen. Die Ziele der vorliegenden Studie lagen demnach darin, anhand von hygienischen Überprüfungen in der Klinik für Kleintiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover einerseits Schwachstellen im Hygienemanagement aufzudecken und zu beheben und andererseits praxiserprobte Empfehlungen zu qualitätssichernden Untersuchungsmethoden für Kleintierkliniken und -praxen zu erarbeiten. Methodisch wurden zur hygienischen Überprüfung etablierte Untersuchungsmethoden aus der Humanmedizin eingesetzt. Neben mikrobiologischen Umgebungsuntersuchungen wurden diverse Wasseranalysen (Trinkwasser und Aquatrainer) sowie Überprüfungen sowohl der Instrumentenaufbereitung, einschließlich flexibler Endoskope, als auch der Wäscheaufbereitung durchgeführt. Bei der Auswertung konnten einige Mängel im Hygienemanagement der Klinik für Kleintiere detektiert werden. Bei den beprobten Oberflächen nach Reinigung und Desinfektion zeigten vor allem die Waschbecken allgemein hohe Keimbelastungen. Im Rahmen einer qualitativen mikrobiologischen Analyse von sechs Waschbecken wurden am häufigsten Enterobacteriaceae und Pseudomonas aeruginosa nachgewiesen. Darüber hinaus zeigten insgesamt 4 von 15 (26,7 %) Wasserhähne deutlich erhöhte Koloniezahlen. Bei einer weiteren Untersuchung auf das Vorkommen von Enterobacteriaceae in der Umgebung konnten von den insgesamt 186 abgeklatschten Oberflächen bei 48 Proben (25,8 %) Enterobacteriaceae detektiert werden. Im Rahmen der Trinkwasseranalysen zur Überprüfung der Hauswasserinstallation wurde in einer Probe ein äußerst geringer Gehalt an coliformen Keimen nachgewiesen. Das Ergebnis konnte bei einer weiteren Kontrolluntersuchung nicht weiter bestätigt werden. Bei der Überprüfung des Aquatrainers zeigten 8 von 9 Wasserproben (89 %) hohe Gesamtkeimzahlbelastungen. Zusätzlich konnten in über der Hälfte der Proben Pseudomonas aeruginosa und in jeweils in einer Probe coliforme Keime und Enterokokken nachgewiesen werden. Bei der Überprüfung der Instrumentenaufbereitungsprozesse zeigte sich, dass kritische Instrumente, in diesem Fall Instrumente der HF-Chirurgie und Hohlkörper, bessere Reinigungsergebnisse erzielten, wenn diese vor der maschinellen Aufbereitung im Reinigungs- und Desinfektionsgerät (RDG) zunächst manuell vorgereinigt wurden. Während alle Hohlkörper mit einem Vorreinigungsschritt nach der maschinellen Reinigung optisch sauber erschienen und die Restproteingehalte im Akzeptanzbereich (< 100 µg/ Instrument) lagen, mussten 3 von 11 (27,3 %) der Hohlkörper ohne Vorreinigung sowohl optisch als auch aufgrund zu hoher Restproteingehalte beanstandet werden. Bei der anschließenden Überprüfung der thermischen Desinfektionsleistung der RDGs mittels Temperatursensoren konnten keine weiteren Defizite festgestellt werden. Bei Überprüfung des Verpackungsprozesses mussten 20 % der vom Klinikpersonal verschweißten Folienverpackungen beanstandet werden. Ein häufig auftretender Fehler waren Faltenbildungen in den Siegelnähten, wodurch die Sterilität der verpackten Medizinprodukte nach der Sterilisation nicht gegeben war. Der Sterilisationsprozess war nicht zu beanstanden. Die geprüften Programme hielten die geforderten Temperaturen und Haltezeiten ein, erzielten eine ausreichende Luftentfernung und Dampfdurchdringung, sodass auch bei schwierig zu sterilisierenden Gütern wie Hohlkörpern mit langen, engen Lumina und Textilien (z.B. Handtücher) von einer sicheren Sterilisation ausgegangen werden konnte. Darüber hinaus war die Trocknungsleistung bei den geprüften Programmen ausreichend. Die hygienisch-mikrobiologischen Untersuchungen der manuell aufbereiteten flexiblen Gastroskope, Koloskope und Bronchoskope zeigten bei der ersten Überprüfung bei der Hälfte (50 %) der Endoskope (2 Gastroskope und 2 Koloskope) hohe bakterielle Kontaminationen einschließlich dem Nachweis von E. coli bei jeweils einem Gastros- und Koloskop, anderen Enterobacteriaceae bei einem Gastroskop sowie P. aeruginosa bei einem Koloskop. Nach Änderung des Aufbereitungsprotokolls konnte die Kontaminationsrate auf 25 % (1 Gastroskop und 1 Koloskop) gesenkt werden. Durch Überprüfung des Wäscheaufbereitungsprozesses mittels Bioindikatoren konnte festgestellt werden, dass die Desinfektionsleistung bei den in der Klinik für Kleintiere genutzten Waschprogrammen bei 60 °C und 90 °C ausreichend ist. Bei der Abklatschuntersuchung von insgesamt acht optisch sauberen, gewaschenen und getrockneten Textilien konnte bei 6 von 8 Proben (75,0 %) kein mikrobielles Wachstum nachgewiesen werden. Insgesamt konnten mit den etablierten Untersuchungsmethoden aus der Humanmedizin Schwachstellen im Hygienemanagement der Klinik für Kleintiere aufgedeckt und durch Verfahrensänderungen behoben werden. Damit zeigt sich, dass die in vorliegender Studie eingesetzten Untersuchungsmethoden für Kleintierkliniken und -praxen übernommen werden und somit einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung und Infektionsprävention leisten können.

Unlike in human medicine, there are currently no validated testing procedures for veterinary medicine and no obligation for hygienic inspection and quality assurance in small animal clinics and practices. The objectives of the present study were therefore, on the one hand, to identify and eliminate weaknesses in hygiene management on the basis of hygienic inspections in the Clinic for Small Animals of the University of Veterinary Medicine Hannover and, on the other hand, to develop practice-proven recommendations on quality-assuring examination methods for small animal clinics and practices. Methodically, established examination methods from human medicine were used for the hygienic testing. In addition to microbiological environmental investigations, various water analyses (drinking water and aquatrainer) as well as investigations of both instrument reprocessing, including flexible endoscopes, and laundry reprocessing were performed. The evaluation revealed some deficiencies in the hygiene management of the Small Animal Clinic. After cleaning and disinfection, the tested surfaces, especially the sinks, showed high microbial contamination. The most commonly detected microorganisms in a qualitative microbiological analysis of six sinks were Enterobacteriaceae and Pseudomonas aeruginosa. In addition, a total of 4 out of 15 (26.7 %) water taps showed significantly elevated colony counts. In a further investigation for the presence of Enterobacteriaceae in the environment, Enterobacteriaceae were detected in 48 samples (25.8 %) out of the total 186 surfaces sampled. As part of the drinking water analyses for checking the domestic water installation, an extremely low level of coliform bacteria was detected in one sample. However, this result could not be confirmed in a subsequent control examination. When the aqua trainer was checked, 8 out of 9 water samples (89 %) showed high bacterial total counts. In addition, Pseudomonas aeruginosa was detected in more than half of the samples and coliforms and enterococci in one sample each. When controlling the instrument reprocessing processes, it was found that critical instruments, such as HF surgery instruments and hollow-bodied instruments, achieved better cleaning results when manually pre-cleaned before machine reprocessing in the washer-disinfector (WD). While all hollow-bodied instruments with a pre-cleaning step appeared visually clean after machine cleaning and the residual protein levels were in the acceptable range (< 100 µg/ instrument), 3 of 11 (27.3 %) of the hollow-bodied instruments without pre-cleaning had to be rejected both visually and due to excessive residual protein levels. No further deficits were found during the subsequent inspection of the thermal disinfection performance of the WDs by means of temperature sensors. In the examination of the packaging process, 20 % of the heat-sealed foil packages sealed by the clinic staff were found to be faulty. A common error was the presence of wrinkles in the sealing seams, compromising the sterility of the packaged medical products after sterilization. The sterilization process itself was found to be satisfactory. The tested programs maintained the required temperatures and holding times, achieved sufficient air removal and steam penetration, thus ensuring effective sterilization, even for difficult-to-sterilize items such as hollow-bodied instruments with long, narrow lumens, and textiles (e.g. towels). Additionally, the drying performance of the tested programs was adequate. Hygienic microbiological testing of manually reprocessed flexible gastroscopes, colonoscopes, and bronchoscopes revealed high levels of bacterial contamination in half (50 %) of the endoscopes (2 gastroscopes and 2 colonoscopes) at initial review, including the detection of E. coli in one gastroscope and colonoscope each, other Enterobacteriaceae in one gastroscope, and P. aeruginosa in one colonoscope. After changing the reprocessing protocol, the contamination rate was reduced to 25 % (1 gastroscope and 1 colonoscope). By testing the laundry reprocessing process using bioindicators, it was determined that disinfection performance was adequate for the 60 °C and 90 °C wash programs used in the Small Animal Clinic. In the examination of a total of eight optically clean, washed and dried textiles by using contact agar plates, no microbial growth was detected in 6 of 8 samples (75.0 %). Overall, the established testing methods from human medicine successfully identified weaknesses in the hygiene management of the Small Animal Clinic and these were addressed through procedural changes. Thus, the testing methods used in this study can be adopted by small animal clinics and practices, making a significant contribution to quality assurance and infection prevention.

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