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Antibiotikaeinsatz bei Einzeltieren

Bislang galten vor allem Lebensmittel liefernde Tiere, besonders über die Lebensmittelkette, als Multiplikator und Verteiler von Antibiotikaresistenzen von Tier zu Mensch. Allerdings haben Studien die Relevanz von Einzeltieren wie Pferden, Hunden und Katzen nicht nur als Verteiler, sondern ebenfalls als Reservoir unterstrichen. Besonders gefördert wird dies durch die steigende Anzahl an gehaltenen Haustieren sowie ihren engen Kontakt zu Menschen. Daher scheint es sowohl aus Sicht der Behandlung dieser Individualtiere wie auch aus One-Health-Sicht essenziell, Daten zu der Menge und Art der eingesetzten Antibiotika zu gewinnen und diese zu bewerten.

Grundsätzlich stehen dazu diverse Datenquellen zur Verfügung, welche mehr oder weniger zufriedenstellend für die Überwachung des Antibiotikaeinsatzes bei Einzeltieren angewendet werden können. Meist handelt es sich um Sekundärdatenquellen, da sie ursächlich nicht zum Zweck des Monitorings des Antibiotikaeinsatzes erhoben werden. Die Analyse von Sekundärdaten bietet den großen Vorteil, dass dies im tierärztlichen Praxisalltag zunächst keine Mehrarbeit für die Beteiligten bedeutet. Dennoch gibt es bei der Nutzung dieser Datenquellen Unterschiede und Einschränkungen bezüglich deren Eignung zur Nutzung. Anwendungs- und Abgabebelege werden zwar im Rahmen des Arzneimittelgesetzes bereits als Monitoringsystem eingesetzt, jedoch lediglich bei Lebensmittel liefernden Tieren. Bei Tieren, die nicht der Lebensmittelproduktion dienen, müssen diese nicht ausgefüllt werden.

In der Humanmedizin bieten Daten der Versicherer einen Überblick über verwendete Antibiotika und werden seit Jahren ausgewertet. Daten von Versicherungen für Haustiere sind aktuell aufgrund des zu geringen Anteils an versicherten Hunden und Katzen und der unbekannten Anzahl an versicherten Pferden nicht als Grundlage für ein Monitoringsystem geeignet. Weiterhin schränken die verschiedenen Versicherungsmodelle und der variierende Leistungsumfang, der von den Versicherern angeboten wird, den Nutzen weiter ein. Die händische Dokumentation hatte früher eine größere Bedeutung, die mit der zunehmenden Digitalisierung weiter abnimmt und nun höchstens als Ergänzung zu einer elektronischen Dokumentation genutzt wird. Als besonders geeignete Datenquelle für ein Monitoringsystem ist daher eine elektronische Praxismanagementsoftware anzusehen. Diese vereint wesentliche medizinische Informationen.

Im Rahmen der hier durchgeführten Auswertungen wurden die ersten systematischen Untersuchungen hinsichtlich des Antibiotikaeinsatzes bei Hunden, Katzen und Pferden in Deutschland aus Daten von einer elektronischen Praxismanagementsoftware erfolgreich durchgeführt. Hierbei konnte grundsätzlich belegt werden, dass diese Nutzung technisch möglich ist. Des Weiteren konnten spezifische fachliche Aussagen getroffen werden. Die Auswertungen umfassen dabei nicht nur die Art der eingesetzten Wirkstoffe, sondern ebenfalls die Häufigkeit und Menge sowie der Bezug zu der Art der Anwendung. Insgesamt konnten die Diversität und Tiefe dieser Auswertung bei den drei untersuchten Spezies aufgezeigt und eine Übertragbarkeit auf weitere Spezies, bei denen eine Einzeltierbehandlung durchgeführt wird, nachgewiesen werden.

Neben allgemeinen Aussagen über den Antibiotikaverbrauch können die Auswertungen auch genutzt werden, um das klinische Handeln zu validieren und Einflussfaktoren auf die Auswahl der genutzten Wirkstoffe zu identifizieren. Dazu zählen allgemeine Faktoren wie gesetzliche Regelungen und Leitlinien, die Zulassung, unerwünschte Arzneimittelwirkungen, Lieferbarkeit von Präparaten sowie Faktoren, welche das individuelle Tier betreffen, wie beispielsweise Allergien, Vorbehandlungen, Vorerkrankungen und die Diagnose. Diese Faktoren haben bei den einzelnen Tierarten allerdings einen unterschiedlichen Einfluss, welcher sich schlussendlich in unterschiedlichen Wirkstoffprofilen widerspiegelt. In den untersuchten Jahren wurde ungefähr jedes zweite Tier der untersuchten Tierarten mit mindestens einem Antibiotikum behandelt. Trotzdem unterscheiden sich die eingesetzten Wirkstoffe zum Teil erheblich. So werden bei Hunden und Katzen vor allem Amoxicillinpräparate eingesetzt, bei Pferden hingegen Trimethoprim/Sulfonamidkombinationen. Die häufigsten eingesetzten Antibiotikaklassen in der Klinik für Pferde sind Sulfonamide, Penicilline und Nitroimidazole, wobei auf Sulfonamide ungefähr die Hälfte der abgerechneten Wirkstoffe entfällt. Bei Hunden und Katzen sind die am häufigsten eingesetzten Wirkstoffe Penicilline, Nitroimidazole und Chinolone. Insgesamt werden sogenannte Highest Priority Critically Important Antimicrobials, im Gegensatz zu den anderen Klassifizierungen der World Health Organization, bei den drei Tierarten den untersuchten Jahren sehr selten eingesetzt. Die in den Publikationen präsentierten Ergebnisse stellen eine der ersten Referenzen in Deutschland hinsichtlich einer systematischen Auswertung von Art und Menge eingesetzter Antibiotika dar und können somit als Vergleichsmöglichkeit genutzt werden. Dabei muss in jedem Fall berücksichtigt werden, dass diese Auswertungen nicht unmittelbar aus den Daten der Praxismanagementsoftware durchgeführt wurden, sondern eine erhebliche Vorarbeit zur Bereinigung und Plausibilitätskontrolle erforderlich war.

Mithilfe der elektronischen Patientenakte kann somit nicht nur das klinische Handeln validiert werden, sondern diese erfüllt ebenfalls die durch die Verordnung (EU) 2019/6 und das Tierarzneimittelgesetz definierten Vorgaben. Die im Rahmen des staatlichen Monitoringsystems zu meldenden Variablen werden in dieser Datenquelle erfasst. Über eine Schnittstelle von der elektronischen Praxismanagementsoftware zu einer von der zuständigen Behörde bereitgestellten Datenbank lässt sich eine Übermittlung der Daten in dem geforderten Umfang und den geforderten Variablen realisieren, wobei auch hierbei eine Prüfung der Datenqualität vorab zwingend ist.

Bevor das Monitoringsystem für Einzeltiere nach Verordnung (EU) 2019/6 und nach dem Tierarzneimittelgesetz für Einzeltiere umgesetzt wird, müssen daher einige Fragen wie beispielsweise die zu erhebenden Variablen, die Art der Stichprobe und der Rhythmus der Meldungen sowie die Qualitätskontrolle geklärt werden. Wenn diese durch den Gesetzgeber sinnhaft beantwortet werden können, kann ein Monitoringsystem mit enormem Mehrwert aufgebaut werden.

Until now, food-producing animals have been considered as multipliers and distributors of antimicrobial resistance from animals to humans, especially via the food chain. However, studies have emphasised the relevance of individual animals such as horses, dogs, and cats as distributors as well as reservoirs. This is particularly encouraged by the increasing number of companion animals kept and their close contact with humans. Therefore, considering the treatment of these individual animals and from a One Health perspective, it seems essential to collect and evaluate data on the amount and type of antimicrobials used.

In general, various data sources are available for monitoring antimicrobial usage in individual animals - some more sufficient than others. These are mostly secondary data sources, since they are not collected or generated for the purpose of monitoring antimicrobial usage. The analysis of secondary data offers the great advantage that this does not cause an additional effort for veterinarians in their daily work. Nevertheless, there are differences and limitations concerning the use of these data sources in terms of their suitability for use. Application and delivery forms (ADF) are already used as a monitoring system under the Medicinal Products Act, but only for food-producing animals. However, ADFs do not need to be provided for non-food-producing animals. In human medicine, data from insurance companies provide a meaningful overview of antimicrobials used and have been evaluated for years. Data from insurance companies for companion animals are currently not suitable as a basis for a monitoring system due to the insufficient proportion of insured dogs and cats and the unknown number of insured horses. Furthermore, the different insurance models and the varying scope of benefits offered by insurance companies’ limit the usefulness. Manual documentation used to be more important but with increasing digitalisation it is becoming less important and is now used at most as an addition to electronic documentation. The data source that is particularly appropriate for a monitoring system is an electronic practice management software. This software combines all the essential medical information.

With the studies presented, the first systematic studies using data from an electronic practice management software regarding the usage of antimicrobials in dogs, cats and horses in Germany were conducted successfully. In principle, it was proven that the usage is technically possible. In addition, specific specialised statements could be made. The evaluations include the type of active ingredients used, but also the proportion and amount as well as the reference to the route of administration. Overall, the variety and depth of this evaluation could be shown for the three animal species investigated and a transferability to other species where single animal treatment is done could be demonstrated.

In addition to general statements about antimicrobial usage, the evaluations of these data can also be used to validate veterinarians’ actions and to identify factors influencing the selection of active ingredients used. These include general factors such as legal regulations and guidelines, regulatory approval, adverse drug reactions, availability of products and factors related to the individual animal, such as allergies, prior treatments, pre-existing conditions, and the diagnosis. However, these factors influence differently on the various animal species, which ultimately translates into different drug profiles. In the years investigated, about every second animal of the species examined was treated with at least one antimicrobial. However, the active ingredients used differed substantially. For example, drugs containing amoxicillin are most commonly used in dogs and cats, whereas trimethoprim/sulphonamide-combinations are used in horses. The most commonly used classes of antimicrobials in the Clinic for Horses are sulfonamides, penicillins, and nitroimidazoles, with sulfonamides accounting for approximately half of the agents billed. In dogs and cats, the most commonly used active ingredients are penicillins, nitroimidazoles, and quinolones. Overall, so-called Highest Priority Critically Important Antimicrobials, contrary to the other World Health Organization classifications, are used very little in the three animal species in the years studied. The results presented in the publications represent one of the first references in Germany with regard to a systematic evaluation of the type and quantity of antimicrobials used and thus can be used as comparison. It must be taken into account that these evaluations were not conducted directly from the data of the practice management software, but that substantial preliminary work was required for data cleaning processes and plausibility checks.

With the help of the electronic patient record, clinical action can be validated. In addition, the documentation also fulfills the requirements defined by Regulation (EU) 2019/6 and the Veterinary Medicinal Products Act. The variables to be reported under the government monitoring system are recorded in this data source. Via a port from the electronic practice management software to a database provided by the competent authority, a transmission of the data in the required scope and variables can be realized, although a check of the data quality is mandatory in advance, too.

Before implementing the monitoring system for individual animals according to Regulation (EU) 2019/6 and the Veterinary Medicinal Products Act, some issues such as the variables to be collected, the type of sample and the frequence of reporting as well as the quality control need to be clarified. If these can be answered comprehensively by the legislator, a monitoring system with considerable additional value can be established.

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