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Stereologische Untersuchung der Placenta fetalis von Stuten mit vorberichtlichen Trächtigkeitsstörungen

Hintergrund: Trächtigkeitsverluste sind ein bekanntes Problem in der Pferdezucht. Während akute Trächtigkeitsstörungen gut erforscht sind, sind vorberichtliche Trächtigkeitsstörungen und die Prophylaxe von Trächtigkeitsstörungen bis jetzt weitgehend unerforscht. Acetylsalicylsäure (ASS) hat einen positiven klinischen Einfluss auf Frauen mit vorberichtlichen Schwangerschaftsproblemen, allerdings ist der Einfluss auf Risikostuten in der Tiermedizin unklar, obwohl es von Tierärzten oft eingesetzt wird. Das Ziel der Studie war es, die möglichen Einflüsse von ASS auf die Plazentahistologie von Risikoträchtigkeiten bei Stuten darzustellen.

Material und Methode: 27 Stuten einer kommerziellen Pferdebesamungsstation und Embryotransfereinrichtung wurden retrospektiv in drei Studiengruppen eingeteilt. Diese bestanden aus einer Kontrollgruppe (9 Stuten ohne vorberichtliche Trächtigkeitsstörungen), einer Untersuchungsgruppe mit vorberichtlichen Trächtigkeitsstörungen (9 Stuten präventiv behandelt mit ASS) und einer Untersuchungsgruppe mit vorberichtlichen Trächtigkeitsstörungen (9 Stuten ohne ASS Behandlung). Nach der Geburt wurden verschiedene klinische Parameter wie Trächtigkeitslänge, Zeit bis zum Nachgeburtsabgang, Fohlengewicht und Plazentavolumen erfasst. Plazentagewebeproben wurden nach der Systematic Uniform Random Sampling Methode entnommen. Histologische Parameter wie Allantoisvolumen, Chorion- und Mikrokotyledonenvolumen, Mikrokotyledonen-blutgefäßvolumen und Mikrokotyledonenoberfläche wurden mit Hilfe der Stereologie analysiert.

Ergebnisse: Es wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Studiengruppen bezüglich der klinischen und histologischen Parameter beobachtet. Unabhängig von den drei Studiengruppen, konnten signifikante Zusammenhänge bezüglich des Alters, der Parität und der Trächtigkeitslänge nur in Form von einem negativem Mikrokotyledonenblutgefäßvolumen mit zunehmender Parität analysiert werden (p = 0,04). Das Fohlengewicht wurde in verschiedenen Regressionsgleichungen durch das Allantochorionvolumen, das Plazentagewicht, das Allantochoriongewicht, die Mikrokotyledonenoberfläche, das Mikrokotyledonenvolumen, das Chorionvolumen und das Chorionplattenvolumen signifikant beeinflusst (p > 0,05). Nur das Allantoisvolumen, des Mikrokotyledonenblutgefäßvolumen und die Parität hatten keinen Einfluss auf das Fohlengewicht. Weiterhin hatten das Plazentagewicht, die Parität und das Alter mit 59,9 % der gemeinsamen Varianz die größte Vorhersagekraft bezüglich des Fohlengewichts. Zudem war bezüglich des Nachgeburtsabgangs zwischen den drei Studiengruppen lediglich das Mikrokotyledonenvolumen (t22 = 2,23, p = 0,04) signifikant unterschiedlich. Nur Stuten mit vorberichtlichen Trächtigkeitsstörungen bildeten eine Ret. sec. aus. Die Stuten mit Ret. sec. wiesen ein geringeres Mikrokotyledonenvolumen (803,5 cm³ ± 186,9) auf als die Stuten mit physiologischer Plazentaexpulsion (1169,4 cm³ ± 350,0).

Fazit: ASS scheint keinen Einfluss auf die Histologie der Placenta fetalis von Stuten mit vorberichtlichen Trächtigkeitsstörungen zu haben. Die Studie hat jedoch herausgestellt, dass das Nachgeburtsverhalten mit einem geringeren Mikrokotyledonenvolumen assoziiert sein könnte. Die Stereologie erwies sich als geeignete Methode, um die Volumenanteile und Oberfläche der Placenta fetalis zu analysieren, weil sie aus den 2D Schnittpräparaten eine 3D Analyse des ganzen Organs ermöglicht. Zudem spiegelten sich Auffälligkeiten bei Stuten mit akuten, klinischen Problemen in der stereologischen Auswertung wider, was die Kompetenz und das Potenzial der Methode unterstreicht.

Background: Pregnancy losses are a common challenge in horse breeding. While acute pregnancy problems are well researched, the influence of previous pregnancy disorders (PPD) and the prophylaxis of PPD is yet unexplored. Acetylsalicylic acid (ASA) has a positive clinical impact on women with PPD but the impact on mares is unclear despite its common use by veterinary practitioners. Thus, the aim of the study was to evaluate a possible influence of ASA on the placenta histology in mares with PPD.

Materials and Methods: 27 mares from a commercial horse insemination station and embryo transfer facility were retrospectively separated into three groups: control group (9 mares without PPD), PPD intervention group (9 mares, which had received pre-emptive ASA treatment) and PPD group (9 mares without pre-emptive treatments). After parturition, clinical parameters like gestation length, placenta expulsion, foal weight and placenta volume were recorded. Placental tissue samples were taken by systematic uniform random sampling. Histological parameters like volume of allantois, chorion and microcotyledons as well as blood vessel volume and surface area of microcotyledons were examined by stereology.

Results: No statistically significant differences were found between the three groups concerning the analyzed clinical and histological parameters. However, regardless of the three groups, significant relationships between age, parity, and gestation length could be analyzed only for negative microcotyledon blood vessel volume with increasing parity (p = 0.04). Foal weight was significantly affected by allantochorion volume, placental weight, allantochorion weight, microcotyledon surface area, microcotyledon volume, chorion volume and chorion mesenchyme volume (p > 0.05). Only the allantois volume, microcotyledon blood vessel volume and parity had no influence on the foal weight. Furthermore, placental weight, parity and age had the greatest predictive power concerning the foal weight with 59.9% of the common variance. Moreover, regarding to the placenta expulsion time, just the microcotyledon volume (t22 = 2.23, p = 0.04) was significantly different among the three groups. Only mares with PPD got a ret. sec. These mares showed a significant lower microcotyledon volume (803.5 cm³ ± 186.9) than mares with a physiological placenta expulsion (1169.4 cm³ ± 350.0).

Conclusion: ASA does not seem to have an impact on the histology of the fetal placenta in mares with PPD. However, the study revealed that retained fetal membranes might be associated with a smaller microcotyledon volume. Stereology proved to be an appropriated method to analyze the volume fractions and surface area of the placenta fetalis, because it allows a 3D analysis of the whole organ from the 2D histology section. In addition, abnormalities in mares with acute clinical problems were reflected by the stereological results, which underlines the competence and potential of the method.

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