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Neue Methoden zur Diagnose und Therapie des Vestibularsyndroms beim Hund (Canis lupus familiaris)

Obwohl das Vestibularsyndrom per se eine vielfach auftretende neurologische Erkrankung darstellt und speziell das idiopathische Vestibularsyndrom (IVS) zu den häufigsten Ursachen eines peripheren Vestibularsyndroms zählt, sind evidenzbasierte Therapie- und Diagnostikmöglichkeiten zum aktuellen Zeitpunkt der Forschung begrenzt. Mit Hilfe charakteristischer MRT-Techniken, bevorzugt fluid-attenuatedinversion recovery (FLAIR) Sequenzen, lassen sich beim Menschen Unterschiede in der Endolymph-Zusammensetzung von betroffenen und nicht betroffenen Innenohren detektieren. Vergleichbare Untersuchungen wurden bisher erst einmalig beim Innenohr des Hundes angewendet, wobei Hunde mit Symptomen eines IVS unterrepräsentiert waren (Castillo et al., 2020). Mit dieser Studie sollte festgestellt werden, ob vergleichbare Verfahren dazu beitragen können, Veränderungen im Innenohr von Hunden mit IVS zu erkennen. Die dokumentierten Ergebnisse liefern vorläufige Hinweise darauf, dass das MRT-Erscheinungsbild der Innenohrflüssigkeit auf der betroffenen Seite in der Mehrzahl der IVS-Fälle verändert ist. Die „betroffene Seite“ in der Magnetresonanztomographie korrelierte fast ausnahmslos mit der klinischen Lateralisierung, die bei der neurologischen Untersuchung festgestellt wurde (92,5%). Dies unterstreicht die Relevanz der Ergebnisse, die zu einem besseren Verständnis oder sogar zur Prävention der Auswirkungen des idiopathischen vestibulären Syndroms beitragen können. Weitere Studien sind erforderlich, um zu bewerten, ob das Ausmaß der Veränderungen als prognostische Information verwendet werden kann. Prospektive Studien sollten daher mehr Informationen über den Krankheitsverlauf der einzelnen Individuen enthalten und darüber hinaus Prä- und Post-Kontrast-3D-FLAIR-Bilder bereitstellen. Durch das Inkludieren von Kontrast-Bildern, welche 10 Minuten und 4 Stunden nach Injektion des Mediums durchgeführt werden, könnte zwischen neuralen, nicht-entzündlichen und neuralen, entzündlichen Zuständen unterschiedenwerden (S.-H. Kim et al., 2015). Ebenso wie bei den diagnostischen Verfahren ist auch die Evidenz für die Behandlung von IVS und der damit verbundenen Übelkeit in der Tiermedizin begrenzt. Tierärztliche Erfahrungen beschränken sich meist auf die Untersuchung von Erbrechen als Folge von Gleichgewichtsstörungen sowie von Übelkeit und Erbrechen, welche mit der Applikation von Chemotherapeutika oder anderen Medikamenten assoziiert sind (Claude et al., 2014; Kenward, 2015; Swallow et al., 2017). Die durchgeführte Studie beschreibt als erste die Wirksamkeit von Ondansetron zur Behandlung von Übelkeit bei einem durch ein neurologisches Syndrom hervorgerufenen pathophysiologischen Zustand. Durch die Erfahrungen und Ergebnisse konnte ein weiterer Schritt zur Etablierung einer effektiven Behandlung von Übelkeit im kaninen Patienten gemacht und die Grundlage für weitere Studien geschaffen werden. Der Grad der Übelkeit wurde nach der Medikamentenapplikation bei allen Hunden signifikant reduziert. Bei einem Drittel der Patienten in der Studie trat neben Übelkeit auch Erbrechen auf, welches nach der Gabe von Ondansetron ebenfalls nicht erneut beobachtet werden konnte. Durch das Etablieren eines validierten Scores für Übelkeit kann die Bedeutsamkeit der Evaluation von Übelkeit in der Veterinärmedizin und besonders im neurologischen Patienten zur Routine werden. Es besteht ein dringender Bedarf an einer auf den Patienten zugeschnittenen, evidenzbasierten Therapie der Übelkeit und an einer entsprechenden Diagnostik. Das Syndrom mit seinen speziellen Auswirkungen auf den Hund ist zum Teil noch nicht genügend erforscht und verstanden, um den Tieren adäquat helfen zu können.

Although vestibular syndrome is a common neurological disorder, and idiopathic vestibular syndrome (IVS) in particular is one of the most common causes of peripheral vestibular syndrome, evidence based diagnostics and therapeutics are limited. Characteristic magnet resonance imaging (MRI) techniques, preferable fluid-attenuated inversion recovery (FLAIR) sequences, are used to reveal differences in the endolymph composition of affected and unaffected inner ears in people. Comparable studies have only been used once in the canine inner ear, and dogs with idiopathic vestibular syndrome were underrepresented (Castillo et al., 2020). The aim of this study was to determine whether comparable MRI techniques can help detect changes in the inner ear of dogs with IVS. The documented results provide preliminary evidence that the MRI appearance of the inner ear fluid on the affected side is altered in the majority of IVS cases. The ‘affected side’ on MRI almost invariably correlated with the clinical lateralisation determined by the neurological examination (92.5%). This reinforces the relevance of the results, which may contribute to a better understanding or even to the prevention of the effects of idiopathic vestibular syndrome. Further studies are needed to assess whether the degree of changes can be used to provide prognostic information. Prospective studies should therefore include more information on the outcome of the disease and in addition, provide pre[1]and post-contrast 3D-FLAIR images. Including post-contrast images performed 10 minutes and 4 hours after injection of the contrast could help to distinguish between - Summary - 69 neural non-inflammatory and neural inflammatory conditions (S.-H. Kim et al., 2015). As for diagnostic procedures, the evidence for treatment of IVS and its associated nausea is sparse in veterinary medicine. Veterinary experience is mostly limited to the investigation of vomiting secondary to vestibular dysfunction and nausea and vomiting secondary to chemotherapeutic agents and other drugs (Claude et al., 2014; Kenward, 2015; Swallow et al., 2017). The performed study is therefore the first to describe the efficacy of ondansetron for the treatment of nausea in a pathophysiological condition caused by a neurological syndrome. The experience and results have provided a further step towards establishing an effective treatment for nausea in the canine patient and a basis for further studies. The degree of nausea was significantly reduced in all dogs after drug application. One third of patients in the study experienced vomiting in addition to nausea, which ceased after the administration of ondansetron. By establishing a validated score for nausea, the importance of evaluating nausea in veterinary medicine and especially in neurological patients can become more routine. There is an urgent need for patient-tailored, evidence based therapy of nausea as well as diagnostics. The syndrome with its special impact on the animal is not sufficiently explored and understood yet to be able to provide adequate help to these animals.

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