Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Analyse des Wohlergehens tragender Sauen in einem gruppen-angepassten ad libitum Fütterungssystem anhand ausgewählter Indikatoren

Anhand tierbezogener Indikatoren im Rahmen des Verhaltens und der Gesundheit
erfolgte eine Beurteilung des Wohlergehens tragender Sauen in einem innovativen
Fütterungssystem (SWOF). Die Datenerhebung wurde in der Studie 1 auf dem
Forschungsgut Ruthe der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover durchgeführt.
An insgesamt 27 Sauen wurde mittels Videoauswertung an drei aufeinander folgenden
Tagen die Anzahl der fressenden Sauen, sowie die Fressdauer und die
Verdrängungen am Trog erfasst. Anschließend wurden die Sauen in drei Ranggruppen
eingeteilt. Studie 2 fand in einem kommerziellen Zuchtbetrieb in Brandenburg statt.
Dabei wurden Daten an insgesamt 56 Sauen im SWOF-System und an 58 Sauen im
bestehenden Fütterungsystem mit einer restriktiven Trockenfütterung erfasst. Die
Datenerfassung erfolgte an mehreren Zeitpunkten zw. dem 31. und 109.
Trächtigkeitstag. Mittels Videoauswertung wurde die Anzahl der fressenden Sauen
und die Verdrängungen am Trog erhoben, die Fokussauen auf Verletzungen und
Lahmheiten bonitiert und das Gewicht erfasst. In den Abferkelabteilen erfolgten
Bonituren auf Vulvaverletzungen und die Erhebung der Wurfleistung.
Im Bezug auf das Verhalten wurde festgestellt, dass das Risiko einer Verdrängung im
bestehenden Fütterungssystem fast doppelt so hoch war (74,83 ± 1,93 %) wie im
SWOF-System (40,98 ± 0,70 %; Studie 2). Weiterhin wurde ein arttypischer
biphasischer Futteraufnahmerhythmus mit einem Peak am Vormittag und einem
deutlicheren Peak am Nachmittag festgestellt (Studie 1 und 2). Ein Einfluss der
Ranggruppe auf die Fressdauer wurde nachgewiesen. Im Rahmen der tierbezogenen
Gesundheitsindikatoren wurde ein geringeres Körpergewicht der Sauen im SWOFSystem
(296,4 ± 2,6 kg) im Vergleich zum bestehenden System (310,7 ± 2,5 kg; Studie
2) festgestellt. Bei den aufgetretenen Lahmheiten wurde kein Effekt des
Haltungssystems gezeigt. Der Verletzungsindex der Sauen im SWOF-System war
höher (0,74 ± 0,04) als im bestehenden System (0,54 ± 0,03), wobei der höchste
Verletzungsindex (1,13 ± 0,05) im SWOF-System am 38. Trächtigkeitstag festgestellt
wurde. Die Prävalenz der Vulvaverletzungen war im SWOF-System niedriger (14,51 ±
4,95 %) als im bestehenden Fütterungssystem (35,77 ± 6,81 %). Es wurde kein Effekt
des Haltungssystems in Bezug auf die Wurfleistung festgestellt.
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In Bezug auf das Futteraufnahmeverhalten, der Aggression am Trog und der
Prävalenz von Vulvaverletzungen zeigten sich positive Effekte auf das Wohlergehen
der Sauen im SWOF-System, während Integumentverletzungen ein Risiko darstellen.
Das SWOF-System ermöglicht eine Arbeitserleichterung für den Landwirt über die
softwaregesteuerte Separation von Sauen und der automatischen Gewichtserfassung
der tragenden Sauen. Inwiefern es sich als Fütterungssystem in der modernen
Sauenhaltung etabliert bleibt abzuwarten.

Behavioral and health animal-related indicators were used to assess the welfare of
pregnant sows in an innovative feeding system (SWOF). In study 1, data collection
took place at the Ruthe Research Farm of the University of Veterinary Medicine
Hannover, Foundation. On a total of 27 sows, the number of sows feeding, as well as
the feeding duration and displacements at the trough were video analysed on three
consecutive days. The sows were then divided into three ranking groups. Study 2 was
perfomed in a commercial breeding farm in Brandenburg, Germany. Data were
collected at several time points between the 31st and 109th gestation day on a total of
56 sows in the SWOF system and 58 sows in the existing feeding system providing a
restrictive dry diet. The number of feeding sows and displacements at the trough were
collected based on video analyses, focal sows’ injuries and lameness status were
scored, and sows’ body weight were recorded. In the farrowing compartments, vulva
injuries and litter performance were documented.
In terms of behavior, it was found that the risk of displacement was almost twice as
high in the existing feeding system (74.83 ± 1.93%) than in the SWOF system (40.98
± 0.70%; study 2). Furthermore, a species-typical biphasic feed intake rhythm was
observed with a peak in the morning and a more pronounced peak in the afternoon
(study 1 and 2). An influence of the rank group on feeding duration was found. Within
the animal-related health indicators, a lower body weight of sows was observed in the
SWOF system (296.4 ± 2.6 kg) compared to the existing system (310.7 ± 2.5 kg; study
2). The housing system had no effect on the occurrence of lameness. The injury index
of sows in the SWOF system was higher (0.74 ± 0.04) than in the existing system (0.54
± 0.03), with the highest injury index (1.13 ± 0.05) recorded in the SWOF system on
day 38 of gestation. The prevalence of vulva injury was lower in the SWOF system
(14.51 ± 4.95%) compared to the existing feeding system (35.77 ± 6.81%). No effect
of the housing system was found on litter performance parameters.
The SWOF system had positive effects in terms of feed intake behavior and prevalence
of aggression at the trough and vulva injuries, but increased the risk of integument
injuries. The SWOF system eases the farmer’s work via software-controlled separation
of the sows and automatic body weight recording of pregnant sows. To what extent it
will establish itself as a feeding system in modern sow management remains however
to be seen.

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