Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Risikofaktoren für Neuinfektionen der Milchdrüsen in den ersten 14 Laktationstagen beim Rind

Mastitiden stellen in Milchviehbeständen eine der bedeutendsten Erkrankungen, sowohl aus ökonomischen und lebensmittelhygienischen Aspekten als auch aus Sicht des Tierwohls dar. Die zukünftige Leistung und Eutergesundheit des Tieres kann durch eine Erkrankung nachhaltig negativ beeinflusst werden. Auch wenn Mastitiden in jeder Phase des Reproduktionszyklus auftreten können, gibt es Zeitpunkte mit gesteigerter Häufigkeit für Neuinfektionen, da die Milchdrüsen empfänglicher sind für die Invasion von Euterpathogenen. Relevante Zeiträume, in denen es zum vermehrten Auftreten von Neuinfektionen und resultierenden Mastitiden kommt, stellen bei pluriparen Kühen die Trockenperiode und die Frühlaktation dar; auch bei Färsen spielen intramammäre Infektionen rund um den Zeitraum der Kalbung eine große Rolle, doch unterscheiden sich die Infektionszeitpunkte von denen der Kühe. Da es sich bei der bovinen Mastitis um eine Erkrankung mit multifaktorieller Genese handelt, kann das Risiko ihres Auftretens durch Kenntnis und Korrektur der Einflussfaktoren vermindert werden. Wenn jedoch der genaue Infektionszeitpunkt der Milchdrüsen unbekannt ist, kann ein Abgleich mit Risikofaktoren nicht hinreichend stattfinden. Das vorliegende Dissertationsvorhaben hatte zum Ziel, den Zeitpunkt von Infektionen boviner Milchdrüsen in deutschen Milchviehbetrieben im geburtsnahen Zeitraum festzustellen. Für die Mastitisbekämpfung auf Herdenebene ist es entscheidend, ob die Infektionen verstärkt am Ende der Laktation, in der Trockenperiode oder in den ersten zwei Wochen der folgenden Frühlaktation stattfinden. Der Einfluss verschiedener Mastitiserreger wurde hierbei berücksichtigt. Hierzu wurden Viertelanfangsgemelksproben zu definierten Zeitpunkten entnommen und zytomikrobiologisch untersucht, um den Infektionsstatus vor dem Trockenstellen, unmittelbar nach dem Abkalben und zwei Wochen postpartum vergleichen zu können. Aufgrund der Unterschiede in den Infektionszeitpunkten bei Kühen und Färsen wurden beide Tiergruppen in die Untersuchung aufgenommen. Parallel zu den Untersuchungen der Milchproben wurden in den Betrieben zudem Risikofaktoren für das Entstehen von Infektionen der Milchdrüsen und klinischen Mastitiden der jeweiligen Zeiträume erfasst und mit den Ergebnissen der mikrobiologischen Untersuchungen abgeglichen. Hierzu wurden unter anderem Daten der Milchleistungsprüfung ausgewertet. Die ermittelten Infektionszeitpunkte wurden mit den Risikofaktoren abgeglichen, um einen möglichen Zusammenhang herzustellen, der es ermöglichen soll, Infektionen und daraus resultierende Mastitiden zukünftig bereits vor dem Entstehen zu vermeiden. Die statistische Auswertung dieser Querschnittsstudie erfolgte mithilfe von logistischen Regressionsmodellen. Zusammenfassend konnte mit der Studie der Zeitpunkt von intramammären Infektionen von Kühen und Färsen genauer datiert werden. Hierbei konnte ebenfalls gezeigt werden, dass Euterviertel in dem sensiblen Zeitraum um die Kalbung herum in der Lage sind, Euterpathogene zu eliminieren, aber es besteht auch die Gefahr, dass sich Neuinfektionen etablieren. Persistierende Infektionen spielen eine untergeordnete Rolle. Es wurden Risikofaktoren für das Entstehen von intramammären Infektionen und daraus resultierenden klinischen Mastitiden in den entsprechenden Zeiträumen gefunden. Bei Färsen konnte gezeigt werden, dass ein steigendes Erstkalbealter, langanhaltende Euterödeme nach dem Kalben, die Einstiegsmilchleistung, die Zellzahl postpartum und das häufige Abtreten des Melkzeugs Einfluss auf Neuinfektionen und klinische Mastitiden in der Frühlaktation nehmen. Bei Kühen werden Neuinfektionen durch die Körperkondition nach dem Kalben, den Verlauf der Körperkondition zwischen Trockenstellen und Frühlaktation, durch die Laktationsnummer, die Zitzenkondition beim Trockenstellen und die Einstiegsmilchleistung beeinflusst. Die Ergebnisse dieser Arbeit belegen den bedeutenden Einfluss der Frühlaktation auf die Eutergesundheit bei Färsen sowie der Trockenperiode und der Frühlaktation bei Kühen. Auch die Auswertung des Verhältnisses von Neuinfektionen zu persistierenden Infektionen lässt diese Zeitspanne an Bedeutung gewinnen. Als Zeitraum der Entstehung intramammärer Infektionen wurde bisher die Trockenperiode oder die Zeit vor dem Kalben datiert. Die Mastitiskontrollprogramme zur Reduzierung von Risikofaktoren haben deshalb den Fokus auf diese Zeitspanne gelegt. Diese Studie zeigt, dass ein großer Anteil der Infektionen nach dem Kalben auftreten und deshalb Milchviehbetriebe zusätzliche Präventionsstrategien brauchen, die sich auf Infektionen in der Frühlaktation richten. So können durch die in dieser Studie bestimmten Infektionszeitpunkte und die Assoziationen zwischen Infektionszeitpunkten und Risikofaktoren Empfehlungen für das Vermeiden von intramammären Infektionen in Trockenperiode und Frühlaktation gegeben und die zukünftige Milchproduktion und die Eutergesundheit der Kühe und Färsen gesichert werden.

As one of the most important diseases on dairy farms, mastitis causes economic loss, milk quality reduction and adverse effects on animal welfare. An adverse impact of the disease on further udder health and milk production can be presumed. Inherently, mastitis may occur at any stage of the reproductive cycle. Nevertheless, it is well established that in some periods the mammary glands are more susceptible to the invasion of udder pathogens. Relevant timeframes for an increased occurrence of new infections of the mammary gland and resulting mastitis are the dry period and early lactation in cows; also in heifers the early lactation is of great importance, but there are differences in the moments of infections in cows and heifers. Since the bovine mastitis is a multifactorial disease, the risk of occurrence may be positively affected by correcting the related risk factors, although several risk factors for intramammary infections and mastitis have already been identified. However, the exact moment of infection of the mammary glands is not always known, a comparison with risk factors is impossible. The aim of the study was to narrow down the moment of infection of the bovine mammary glands on three German dairy farms to find out the importance of the dry period, the late lactation and the early lactation as sensitive period for new infections. The effect of various pathogens was considered. Hereto, quarter milk samples for cytomicrobiological examination were collected at a defined moment, to compare the infection status before dry off, immediately after calving and two weeks postpartum. Because of differences in the moment of infection in cows and heifers, both were included in the study. Risk factors associated with intramammary infections and clinical mastitis during dry period, late and early lactation were recorded at the farms during the trial period and compared with the results of the microbiological examination. For this, inter alia, results of the milk control data were evaluated. The defined period of increased risk for intramammary infections was related to risk factors for intramammary infections. By aligning a relationship between them, future infections and subsequent mastitis may get prevented. Data of these cross-sectional studies were analysed using logistic regression procedures. In conclusion, in these studies, the moment of intramammary infections in cows and heifers was narrowed down. Furthermore, there is the possibility, that udder quarters eliminate pathogens around calving but there is also the danger that new infections may manifest themselves. Persistent infections are of less importance compared with new infections. Related risk factors for intramammary infections and subsequent clinical mastitis were detected. As related risk factors in cows, the BCS after calving, the difference in body condition between dry-off and early lactation, lactation number, absence of hyperkeratosis at dry off and milk yield after calving were determined. Related risk factors for new infections and mastitis in heifers were the age at calving, udder edema, milk yield and somatic cell count after calving and detaching of milking cups during milking. The results of the study verify the important influence of early lactation on udder health in heifers and dry period and early lactation on udder health in cows. Also the relation between new infections and persistent infections gains more importance to this timeframe. The origin of intramammary infections is so far prescribed to the dry period or the period before calving. The control strategies, therefore, focus on minimizing risk factors prior to calving. However, this study clearly shows that a large proportion of infections occur after calving and, therefore, dairy farms need additional control strategies that relate to this period to prevent new infections occurring during early lactation. So, identifying the moment of infection and risk factors associated with the infection of the udder is necessary for reducing intramammary infections during dry period and early lactation and to ensure the future milk production and udder health in dairy cows and heifers.

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