Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Tierindividuelle und bakterielle Einflussfaktoren bei der Behandlung klinischer Mastitiden beim Milchrind

Die bestmögliche Behandlung von klinischen Mastitiden versucht nicht nur hohe Heilungsraten zu erzielen, sondern verfolgt gleichzeitig eine Minimierung der dazu benötigten antibiotischen Dosen. Sowohl tierindividuelle als auch bakterielle Faktoren haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Heilungschancen eines erkrankten Tieres. Ziel der vorliegenden Studie war es, die Umsetzung eines selektiven Therapiekonzeptes unter realen Alltagsbedingungen zu untersuchen, wobei sowohl erreger- als auch tierindividuelle Faktoren berücksichtigt wurden, als auch die Einflüsse auf die Heilungsraten und den Antibiotikaverbrauch zu evaluieren. Zunächst wurde in einer ersten Veröffentlichung das aktuelle Mastitisvorkommen anhand von 2883 klinischen Mastitiden auf 12 norddeutschen Milchviehbetrieben charakterisiert. Die bakteriologische Gesamtheilungsrate betrug 73,3 %, während die zytologische Heilungsrate 22,3 % betrug. Der häufigste nachgewiesene Erreger war Streptococcus (S.) uberis (20,2 %). Hinsichtlich der Erregerverteilung bei schweren Mastitiden wurden in 30,5 % der Fälle coliforme Bakterien nachgewiesen, während S. uberis in 26,5 % davon nachgewiesen wurde. Diese Erkenntnisse mit einbeziehend wurde in der zweiten Studie ein evidenzbasiertes Therapiekonzept über zwei Jahre auf fünf Milchviehbetrieben erprobt, in welchem die Behandlungsentscheidung wesentlich anhand der tierindividuellen Kriterien und des verursachenden Erregers mithilfe eines on farm-Schnelltests getroffen werden sollte. Obwohl die Landwirte sich in vielen Fällen nicht an die Therapieempfehlungen hielten, verwendeten sie über 60% weniger antibiotische Dosen. Dies hatte keine negativen Auswirkungen auf die Heilungsraten und Rezidivrate. Diese Arbeit liefert wichtige Ansatzpunkte, wie Milchviehbetriebe darin unterstützt werden können, Antibiotika sinnvoll einzusetzen, um erkrankte Tiere angemessen zu behandeln und unnötige Behandlungen zu vermeiden.

The optimal treatment of clinical mastitis not only attempts to achieve a high cure rate, but at the same time pursues minimization of the antibiotic doses required for this purpose. Both animal and pathogen-related factors have a significant influence on the chances of cure of an affected animal. Aim of the present study was to investigate the implementation of a selective therapy concept under real life circumstances, taking both pathogen and animal related factors into account, and to evaluate the influence on cure rates and antibiotic usage. In a first publication, the current appearance of mastitis was characterized on the basis of 2883 clinical mastitis cases on 12 dairy farms in Northern Germany. The overall bacteriological cure rate was 73.3 %, while the cytological cure rate was 22.3 %. The most prevalent pathogen was Streptococcus (S.) uberis (20.2 %). Regarding the pathogen distribution of severe mastitis, coliform bacteria were detected in 30.5 % of the cases, whereas S. uberis was detected in 26.5 % thereof. Taking these results into account, an evidence-based therapy concept was tested on five dairy farms over two years in the second study, in which a treatment decision was essentially based on individual animal criteria and the causative pathogen, using an on-farm rapid test. Although farmers did not adhere to treatment recommendations in many cases, they used over 60% fewer antibiotic doses. There were no negative effects on cure rates and the recurrence rate. This work provides important approaches to help dairy farmers use antibiotics prudently, to treat affected animals appropriately and at the same time avoid unnecessary treatments.

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