Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Assoziationen zwischen der Eutergesundheit und Aspekten der Haltung in niedersächsischen Milchviehherden

Die systematische Mastitisbekämpfung hat sich im Laufe des letzten Jahrhunderts dahingehend gewandelt, dass das Behandeln von Mastitiden mit antibiotischen Substanzen mehr an Bedeutung verloren hat und die Prävention von neuen Infektionen des Euters in den Vordergrund gerückt ist. Mastitiserreger, die vorrangig über die Haltungsumwelt verbreitet werden, haben dabei gegenüber den in der Vergangenheit vorherrschenden kuhassoziierten Erregern an Bedeutung gewonnen. Neben den traditionellen Präventionsmaßnahmen, die auf Melkhygiene, die Ausheilung im Trockenstand und das Merzen von chronisch infizierten Tieren abzielten, sind daher Maßnahmen, welche die Umwelthygiene verbessern und negativ auf die Tiere wirkende Stressoren reduzieren sollen, weiter in den Vordergrund von Strategien für eine nachhaltige Verbesserung der Eutergesundheit getreten. So lassen sich zum einen ökonomische Schäden und Tierverluste begrenzen und zum anderen wird die Nutztierhaltung damit den öffentlichen Anforderungen gerecht, dass die Gesunderhaltung der Tiere mit einer effizienten Produktion von sicheren Lebensmitteln in Einklang gebracht wird. Es ist ein erklärtes politisches Ziel, dass der Einsatz von antibiotischen Arzneimitteln auf ein Minimum beschränkt wird. Gleichzeitig geraten Tierwohlaspekte immer mehr in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Ein Großteil der Bevölkerung assoziiert die Milchviehhaltung damit, dass Kühe auf die Weide gehen können, um dort zu grasen. Moderne Milchviehbetriebe rücken hingegen immer mehr von diesen Praktiken ab und halten ihre Tiere ganzjährig in Laufställen. Dabei sind wissenschaftliche Bewertungen von unterschiedlichen Haltungssystemen, die mit oder ohne Weidegang arbeiten, insbesondere für den deutschen Raum noch rar. Das Verbundprojekt „Systemanalyse Milch“ hatte das Ziel, diese verschiedenen Haltungssysteme im Hinblick auf Aspekte der Milchviehhaltung zu vergleichen. Im Zuge der hier vorliegenden Arbeit sind dabei Assoziationen zwischen Tierhaltungsaspekten und der Eutergesundheit untersucht worden. Dabei sollten die unterschiedlichen Konzepte der Milchviehhaltung hinsichtlich ihres Ausmaßes an Weidegang verglichen und gleichzeitig auch andere maßgebliche Faktoren, die aus der Tierhaltung auf die Gesundheit wirken, herausgestellt werden. Dazu sind 60 Versuchsbetriebe und deren die Milchviehhaltung charakterisierenden Gegebenheiten analysiert worden. Diese betriebsspezifischen Daten wurden bei einem Besuch erhoben. Als Vergleichsparameter wurden der Anteil eutergesunder Kühe, die Färsenmastitisrate und die Neuinfektionsrate in der Laktation aus den Daten der Milchleistungsprüfung herangezogen. Die Analyse mittels generalisierter linearer gemischter Modelle ergab in dem ersten Teil der Arbeit, der gezielt Faktoren, die im Zusammenhang mit Weidegang standen, untersuchte, dass das durchschnittliche Ausmaß an Weidegang wenig Einfluss auf die Eutergesundheit zu haben schien. Die signifikanten Variablen deuten allerdings darauf hin, dass es für die Eutergesundheit von Vorteil ist, wenn die Tiere nur von April bis einschließlich September auf die Weide können. Eine darüberhinausgehende Weidesaison schien sich negativ auszuwirken auch im Vergleich zur reinen Stallhaltung. Es schien außerdem ein Nachteil zu sein, Kälber unter einem Alter von drei Monaten Weidegang zu gewähren. Im zweiten Teil der Arbeit wurden alle anderen erhobenen Faktoren der Tierhaltung mit in die Analyse einbezogen. Signifikant assoziiert mit einer geringeren Neuinfektionsrate in der Laktation waren demnach das Vormelken eines jeden Tieres und das adäquate Ansetzen der Melkzeuge sowie die Methode der Laufgangreinigung und die Unterbringung der Frühlaktierenden Kühe. Die Arbeit bestätigt damit, dass Faktoren des Milchentzuges und der Haltungsumwelt einen maßgeblichen Einfluss auf die Eutergesundheit haben können. Es handelt sich dabei um die erste Untersuchung im norddeutschen Raum, die in dem Ausmaß Zusammenhänge zwischen dem Haltungssystem und der Eutergesundheit analysiert hat.

Systematic mastitis control programs have changed over the last century. The treatment of mastitis with antibiotic substances has become less and the prevention of new infections of the udder more important. Environmental mastitis pathogens, which are primarily spread via the husbandry environment, have gained in importance compared to contagious pathogens that were predominant in the past. In addition to traditional preventive measures aiming at milking hygiene, healing during dry-off and culling chronically infected animals, measures that are intended to improve environmental hygiene and reduce stressors that have a negative effect on the animals continue to be essential strategies for the sustainable improvement of udder health. In this way, on the one hand, economic as well as animal losses can be limited and, on the other hand, livestock husbandry meets the public requirements that keeping animals healthy is harmonized with the efficient production of safe food. It is a declared political goal that the use of antibiotic drugs is kept to a minimum. At the same time, animal welfare aspects are increasingly becoming the focus of public awareness. A large part of the population associates dairy farming with the fact that cows can go to pasture and graze there. However, modern dairy farms are increasingly opposing these practices and keep their animals in free-stalls all year round. Scientific assessments of different housing systems that work with or without grazing are still rare, especially for Germany. The joint research project "System Analyse Milch -Analysis of Dairy Production " aimed to compare these different husbandry systems with regard to multiple aspects of dairy farming. In this particular investigation, associations between aspects of animal husbandry and udder health were examined. The different concepts of dairy farming should be compared regarding the extent to which they are given access to pasture, and at the same time other relevant factors of husbandry management that affect udder health should be highlighted. For this purpose, 60 farms and their respective husbandry management practices were analyzed. These farm-specific data were collected during a visit. The proportion of udder healthy cows, the heifer mastitis rate and the new infection risk in lactation derived from monthly Dairy Herd Improvement Test were used as comparison parameters. The analysis using generalized linear mixed models showed in the first part of the thesis, which specifically examined factors related to grazing, that the average extends of access to pasture seemed to have little influence on udder health. However, the significant variables suggest that it is beneficial for udder health if the animals can only go on pasture from April up to the end of September. A pasture season that went beyond this seemed to have a negative effect, also in comparison to housing cows in stalls all year round. It also seemed to be a disadvantage to keep calves on pasture under three months of age. In the second part of the thesis, all recorded factors of animal husbandry were included in the analysis. Significantly associated with a lower new infection risk in lactation were therefore the forestripping of each animal during the pre-milking routine and the adequate attachment of the milking clusters as well as the method of manure removal on the housing floors and the management of the fresh cow pen. This study confirms that factors of milking and the housing environment can have a significant influence on udder health. This is the first study conducted in Northern Germany that has analyzed associations between udder health and husbandry management to that extend.

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