Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Interprofessionelle Bedarfsermittlung von Kommunikationsfähigkeiten und Evaluation von Schauspielereinsatz im Kommunikationstraining in der Tiermedizin

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit, welche im Zentrum für E-Learning, Didaktik und Ausbildungsforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) angefertigt wurde, wurde eine Umfrage zur Ermittlung des interprofessionellen Wissensstandes bezüglich kommunikativer Fähigkeiten in der Tiermedizin erstellt. Weiterhin wurde der Einsatz von Schauspieler/innen im Kommunikationstraining im Clinical Skills Lab (CSL) evaluiert. Ziel der durchgeführten Untersuchungen war die Ermittlung der interprofessionellen Relevanz von Kommunikationsfähigkeiten in der Tiermedizin. Weiterhin sollte die Selbsteinschätzung der Teilnehmenden bezüglich ihrer eigenen kommunikativen Fähigkeiten und deren Interesse an der Kommunikationslehre sowie an einem interprofessionellen Ausbildungskonzept ermittelt werden. Ein weiteres Ziel der vorliegenden Arbeit war die Evaluierung des Einsatzes von Schauspieler/innen im Kommunikationstraining in der Tiermedizin. Hierbei sollten etwaige Vor- oder Nachteile dieser Lehrmethode sowohl subjektiv als auch objektiv eruiert werden. Zur Erhebung des interprofessionellen Wissensstandes bezüglich kommunikativer Fähigkeiten wurde eine Umfrage mit LimeSurveyÒ erstellt und im Zeitraum vom 11. Mai 2020 bis zum 21. Juli 2020 zur Beantwortung zur Verfügung gestellt. Die Umfrage richtete sich an Studierende der Tiermedizin, Auszubildende Tiermedizinische Fachangestellte und Auszubildende Tierpfleger/innen in ganz Deutschland. Nach erster Begutachtung wurden 467 Fragebögen zur Auswertung herangezogen. Zur Ermittlung der subjektiven Wahrnehmung des Einsatzes von Schauspieler/innen im Kommunikationstraining wurde ein Fragebogen erstellt und nach absolviertem Kommunikationstraining mit Schauspieler/innen durch Angestellte der Klinik für Kleintiere beantwortet. Die objektive Beurteilung des Schauspielereinsatzes wurde mithilfe einer elektronischen objektiv-strukturierten klinischen Prüfung(eOSCE) im Rahmen der Integrierten Woche der Klinik für Kleintiere im CSL durchgeführt. Hierbei wurde die erbrachte Leistung verschiedener Studierendengruppen, welche ihre kommunikativen Fähigkeiten im Vorfeld mit oder ohne Schauspieler/innen trainiert haben, bei der Durchführung eines Anamnesegespräches geprüft und miteinander verglichen. Auf Grundlage der Ergebnisse der durchgeführten Umfrage kann eine hohe Relevanz von kommunikativen Fähigkeiten und ein stark ausgeprägtes Interesse an der Kommunikationslehre sowie an einem interprofessionellen Ausbildungskonzept festgestellt werden. Weiterhin können wichtige Probleme sowohl in der tiermedizinischen Ausbildung als auch bei der beruflichen Kommunikation in unterschiedlichen herausfordernden Situationen ermittelt werden. Die subjektive Wahrnehmung des Schauspielereinsatzes ist insgesamt ausgesprochen positiv. Vor allem die durch den Einsatz der Schauspieler/innen erreichte Authentizität sowie die durchgeführten Feedbackrunden sind hierfür ausschlaggebend. Trotz der durchweg positiven subjektiven Wahrnehmung kann in der eOSCE kein statistisch relevanter Vor- oder Nachteil des Einsatzes von Schauspieler/innen oder von Peers für das Trainieren von Anamnesegesprächen im Kommunikationstraining festgestellt werden. Beide stellen akzeptierte und validierte Lehrmethoden dar. Unter Berücksichtigung der diskutierten Vor- und Nachteile der Lehrmethoden, kann der Einsatz beider Gruppen als simulierte Patienten zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit verschiedener inhaltlicher Ausrichtung in der tiermedizinischen Ausbildung eine Berechtigung finden. Die gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen eine bedarfsorientierte Implementierung sowohl der Lehre von kommunikativen Fähigkeiten als auch von interprofessionellen Ausbildungskonzepten in der tiermedizinischen Ausbildung. Das interaktive Erlernen von kommunikativen Fähigkeiten im Rahmen von Kommunikationstrainings bietet hierfür eine optimale Möglichkeit. Im Hinblick auf das Erlernen von strukturierten und inhaltlich vollständigen Anamnesegesprächen eignet sich der Einsatz von Peers hervorragend, da Kommiliton/innen bei der Feedbackgabe vorwiegend auf inhaltliche Aspekte achten und diese kostengünstigere Methode gleichzeitig die Möglichkeit eines Perspektivwechsels bietet. Somit können Studierende in einem frühen Zeitpunkt der tiermedizinischen Ausbildung das strukturierte Führen von Anamnesegesprächen erlernen und lernen, die Beweggründe der Tierbesitzer/innen nachzuvollziehen. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte den Studierenden weiterhin die Möglichkeit geboten werden, schwierige Gesprächsthemen zu trainieren. Hierbei bewährt sich der Einsatz von Schauspieler/innen, da diese starke Emotionen oder herausfordernde Reaktionen besonders authentisch darstellen können. Außerdem geben die Schauspieler/innen besonders effektives, formatives Feedback, welches sich auf die innere Perspektive der Tier- besitzer/innen bezieht. Somit bietet diese Lehrmethode sowohl fortgeschrittenen Studierenden als auch bereits approbierten Tierärzt/innen eine optimale Möglichkeit, um den Umgang mit herausfordernden Situationen zu erlernen oder zu verbessern. Hierbei sollten vor allem die in der Umfrage ausgemachten Situationen berücksichtigt werden. Zusammenfassend bieten die Ergebnisse der durchgeführten Arbeit einen fundierten Einblick in den aktuellen interprofessionellen Wissensstand bezüglich kommunikativer Fähigkeiten in Deutschland. Außerdem stellen die gewonnenen Erkenntnisse zum Einsatz von Schauspieler/innen sowie Peers im Kommunikationstraining eine wertvolle Hilfestellung zur optimalen Nutzung dieser beiden Lehrmethoden dar. Somit konnten mit den Erkenntnissen erste Grundsteine für eine weitere Implementierung der Kommunikationslehre an der TiHo gelegt werden.

Within the framework of the present work, which was carried out at the Centre for E-Learning, Didactics and Educational Research of the University of Veterinary Medicine Hannover, Foundation (TiHo), a survey was conducted to determine the current interprofessional state of knowledge regarding communication skills in veterinary medicine. Furthermore, the use of actors in communication skills training in the Clinical Skills Lab (CSL) was evaluated. The aim of the survey was to determine the interprofessional relevance of communication skills in veterinary medicine. Furthermore, participants` self-assessment regarding their own communication skills and their interest in communication teaching as well as in interprofessional training concepts was to be determined. Another aim of the study was to evaluate the use of actors in communication skills training in veterinary medicine. In doing so, any advantages or disadvantages of this teaching method were to be elicited both subjectively and objectively. In order to record the interprofessional state of knowledge regarding communication skills, a survey was created using LimeSurvey® and made available for response in the period from 11 May 2020 to 21 July 2020. The survey was aimed at veterinary students, trainees for veterinary assistants including vet nurses and animal keeper trainees throughout Germany. After an initial review, 467 questionnaires were used for evaluation. To determine the subjective perception of the use of actors in communication skills training, a questionnaire was prepared and answered by employees of the clinic for small animals after they had completed a communication skills training with actors. The objective assessment of the use of actors was carried out with the help of an electronic objective structured clinical examination (eOSCE) during the integrated week of the clinic for small animals at the CSL. The performance of different groups of students, who had trained their communication skills in advance with or without actors, was tested in performing an anamnesis interview and later compared with each other. Based on the results of the survey, a highly ranked relevance of communication skills and a strong interest in learning communication skills as well as in interprofessional training concepts can be noticed. Furthermore, important problems in veterinary education as well as in professional communication in different challenging situations can be identified. The subjective perception of the use of actors is overall extremely positive. Above all, the authenticity achieved through the use of actors and the feedback rounds are decisive for this. Despite the positive subjective perception, no statistically relevant advantage or disadvantage of the use of actors or peers for training anamnesis interviews in communication skills training can be determined in the eOSCE. Both are accepted and validated teaching methods. Taking into account the discussed advantages and disadvantages of these teaching methods, the use of both groups of persons as simulated patients at different levels and with different content in veterinary education can be justified. The findings of the study enable a demand-oriented implementation of teaching communication skills and interprofessional training concepts in veterinary education. The interactive learning of communication skills within the framework of communication skills training offers an excellent opportunity for this purpose. With regard to the learning of structured and complete anamnesis interviews, the use of peers is excellently suitable, since fellow students mainly pay attention to content-related aspects when giving feedback and this more cost-effective teaching method simultaneously offers the possibility of a change of perspective. In this way, veterinary students can learn how to conduct a structured anamnesis interview at an early stage of their veterinary education and learn to understand the motives of the animal owners. At a later stage, veterinary students should also be given the opportunity to practise difficult conversation topics. The use of actors has proven to be very effective in this context, as they can portray strong emotions or challenging reactions in a particularly authentic way. In addition, the actors give particularly effective formative feedback, which refers to the inner perspective of the animal owners. Thus, this teaching method offers both advanced students and already graduated veterinarians an optimal opportunity to learn or improve how to deal with difficult situations regarding their communication skills. For this aim, the different challenging situations. In particular, the situations identified in the survey should be taken into account. In summary, the results of this study enable a well-founded insight into the current interprofessional state of knowledge regarding communication skills in veterinary medicine in Germany. In addition, the findings on the use of actors and peers in communication skills training provide valuable support for the optimal use of these two teaching methods. Thus, the findings have laid the basic foundation for further implementation of communication skills teaching at the TiHo.

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