Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zum Erlernen der endoskopischen Untersuchung der oberen Atemwege beim Pferd

Die Endoskopie bekommt in der Tiermedizin einen immer größer werdenden Stellenwert. In der Pferdemedizin findet sie eine häufige Anwendung und stellt oft einen wesentlichen Bestandteil der klinischen Diagnostik dar.

Um die Endoskopie anwenden und die Geräte korrekt bedienen zu können, sollen Studierende der Tiermedizin im Verlauf ihres Studiums darin praktisch geschult werden. Die Endoskopie ist Bestandteil der sogenannten „Day One Competencies“. Diese Ersttagskompetenzen wurden von der EAEVE erstellt, um Fertigkeiten zu definieren, die ein/eine TiermedizinerIn zu Beginn seiner Tätigkeit ausführen können soll. Sie stellen folglich einen Leitfaden für die Ausbildung der Studierenden dar.

 

Um auf die Ersttagskompetenzen einzugehen, wurde in dieser Studie untersucht, wie sich simulationsbasierter Kleingruppenunterricht auf die Entwicklung von endoskopischen Fertigkeiten auswirkt. Ziel dieser Arbeit war es, einen „Low-fidelity“- Endoskopie Simulator zu entwickeln und bei einem Kleingruppenunterricht einzusetzen, um den Nutzen zu analysieren und mit dem eines anderen Lehrformates zu vergleichen.

 

Der „Low-fidelity“- Endoskopie Simulator wurde aus einer Kunststoffbox gefertigt, in die ein hölzernes Labyrinth eingebaut und definierte Zielpunkte integriert wurden. Nach Abschluss der Entwicklungsphase wurde der Simulator als „ Endoskopie Simulator I“ im Rahmen der Summer School bei einem Endoskopie-Training eingesetzt und im Anschluss daran von den teilnehmenden Studierenden (n=23) evaluiert. Darüber hinaus wurde der Simulator von elf erfahrenen TierärztInnen aus drei Kliniken der TiHo getestet und evaluiert. Auch bei dieser Evaluation konnte der Simulator überzeugen und wurde als funktional und unterstützend bei der Hand-Augen-Koordination und der räumlichen Orientierung bewertet. Aus dem Meinungsbild wurden eine allgemein gute Akzeptanz und der Wunsch nach einer Etablierung des Endoskopie-Training abgeleitet.

 

Im Anschluss wurde der „ Endoskopie Simulator I“ im Training von Studierenden des praktischen Jahres in einer Kooperation des CSL mit der Klinik für Pferde eingesetzt. Dazu wurden die teilnehmenden Studierenden in zwei Gruppen aufgeteilt: eine Gruppe erhielt simulator-gestützten Kleingruppenunterricht am „ Endoskopie Simulator I“ und die zweite Gruppe Frontalunterricht in Form einer Videoaufzeichnung mit freiem Zugang zum Endoskop, um das Handling des Gerätes ohne Hilfestellung durch die Tutorin ausprobieren zu können (eigenständiges Lernen).

Beim praktischen Abtestat wurde ein ebenfalls selbst entwickelter Simulator eingesetzt, der sogenannten „ Endoskopie Simulator II“. Am 3D-gedruckten Pferdeschädel sollten die teilnehmenden PJ-Studierenden der Aufgabenstellung entsprechend eine strukturierte endoskopische Untersuchung der oberen Atemwege durchführen. In der Instrumentenbox sollte eine Sekretprobe genommen, eine Injektion durchgeführt und ein Polyp entfernt werden. Dabei wurde bewertet, ob die wesentlichen Schritte korrekt durchgeführt wurden und wie viel Zeit benötigt wurde. Bei der praktischen Durchführung schnitten mehr Studierende des simulationsbasierten Kleingruppenunterrichts erfolgreich ab als Studierende der anderen Gruppe. Bei der dafür benötigten Zeit waren die Studierenden des simulationsbasierten Kleingruppenunterricht zwar meist schneller, jedoch erwiesen sich die Unterschiede als nur einmal als signifikant.

Durch die Durchführung von schriftlichen Tests, die sowohl vor den Trainings als auch vor dem praktischen Abtestat durchgeführt wurden, konnten außerdem Rückschlüsse auf die Entwicklung des theoretischen Wissens und der Selbstwirksamkeit gezogen werden. Beim theoretischen Wissen konnte bei beiden Gruppen ein massiver Wissenszuwachs in allen Themengebieten festgestellt werden. Dabei konnte sich die Gruppe des Kleingruppenunterrichts eindeutig gegen die andere Gruppe behaupten

Auch bei der Ermittlung der Selbstwirksamkeitserwartung zeichnete sich bei den Teilnehmenden des Kleingruppenunterrichts eine doppelt so starke, positive Tendenz als bei der Vergleichsgruppe ab, besonders bei der sachgerechten Bedienung des Endoskops, der räumlichen Orientierung und dem strukturierten Untersuchungsgang.

 

Die Ergebnisse dieser Arbeit bestätigten den Nutzen eines simulationsbasierten Endoskopie-Trainings. Aufgrund dessen sollen die entwickelten Simulatoren zukünftig ins Stationsangebot des CSL integriert werden. Dadurch kann jedem Studierenden im Laufe seines Studiums die Möglichkeit gegeben werden, sich mit den Grundlagen der Endoskopie vertraut zu machen und den Umgang mit dem flexiblen Videoendoskop und den weiteren Geräten und Instrumenten zu üben, um gute Voraussetzungen für das Training am lebenden Tier zu schaffen. Dadurch soll die Lehre an der Tiho weiter optimiert und dabei der Ansatz, Tierversuche aus tierschutzrechtlichen Gründen weiter zu reduzieren, weiterverfolgt werden. Gleichzeitig wird durch die Trainingsmöglichkeit bereits während des Studiums die Selbstsicherheit der Studierenden erhöht. Dadurch werden sie als approbierte TierärztInnen die benötigten Handgriffe routinierter ausführen und weniger gestresst handeln, was sich im Berufsalltag außerdem positiv auf das Tierwohl auswirkt.

 

Endoscopy is becoming more and more important in veterinary medicine. In equine medicine it is frequently used and often represents an essential part of clinical diagnostics.

In order to perform an endoscopy and operate the equipment correctly, veterinary students should receive practical training during their studies. Endoscopy is part of the so-called "Day One Competencies." These Day One Competencies were created by the EAEVE to define skills which a veterinarian should be able to perform at the beginning of his or her career. Consequently, they represent a guideline for training of students.

 

To address first-day skills, this study examined how simulation-based small-group teaching affects the development of endoscopic skills. The purpose of this work was to develop a "low-fidelity" endoscopy simulator and implement it during small-group teaching sessions to analyze its benefits and compare it with those of another teaching format.

 

The "Low-fidelity" endoscopy simulator was designed to fit into a plastic box in which a wooden maze was built in and defined target points were integrated. After completion of the development phase, the so-called "Endoscopy Simulator I" was used during an endoscopy training course at the Summer School and was subsequently evaluated by the participating students (n=23). In addition, the simulator was tested and evaluated by eleven experienced veterinarians from three clinics of the TiHo. In this evaluation the simulator could convince and was rated as functional and supportive in developing hand-eye coordination and spatial orientation. A generally good acceptance and the desire to include more endoscopy training in the curriculum were derived from the opinions.

 

Then the "Endoscopy Simulator I" was used in the training of students of the practical year in a cooperation of the CSL with the Clinic for Horses. For this purpose, the participating students were divided into two groups: one group received simulator-based small group instruction on the "Endoscopy Simulator I" and the second group received face-to-face teaching in terms of a video lecture with free access to the endoscope without getting support of the tutor (independent learning).

During the practical test a simulator, which was also developed in-house, was used. The so-called "Endoscopy Simulator II. The students of the practical year were asked to perform a structured endoscopic examination of the upper respiratory tract on the 3D-printed horse skull. In the instrument box, students should take a sample of secretion, perform an injection and remove a polyp. It was evaluated whether the essential steps were performed correctly and how much time was needed. In the actual practical performance, students of the simulation-based small group instruction were more likely to succeed than students of the other group. In terms of the time required, students in the simulation-based small-group instruction were usually faster, but the differences did prove to be significant only once.

By conducting written tests before the training sessions as well as before the practical examination, it was also possible to draw conclusions about the development of theoretical knowledge and self-efficacy. In terms of theoretical knowledge, both groups showed a massive increase in knowledge in all subject areas. The students of the small-group-instruction were clearly able to compete with the other group.

The participants of the small-group instruction also showed twice as much positive tendence in determination of self-efficacy expectations as the comparison group, especially in the proper operation of the endoscope, spatial orientation, and the structured examination procedure.

 

Results of this work confirmed the benefits of simulation-based endoscopy training. Therefore, both developed simulators are to be integrated into the course offer of the CSL in the future. In this way, every student can be given the opportunity to familiarize himself or herself with the basics of endoscopy and to practice using the flexible video endoscope, as well as the other devices and instruments during the course of their studies, in order to create good conditions for training on live animals. In this manner, teaching at TiHo is to be further optimized and the approach of constantly reducing animal experiments in regard to the animal protection laws will be pursued. At the same time, the training opportunity will increase students' self-confidence during their studies. Consequently, as licensed veterinarians, they will be able to perform required procedures more routinely and act less stressed, which will also have a positive effect on animal welfare in their daily work.

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