Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchung zur angemessenen Behandlungsdauer bei Fohlen mit abszedierender Bronchopneumonie und Kinetik des Serum-Amyloid-A-Wertes im Behandlungsverlauf

Ziel der vorliegenden Studie war es zu analysieren, ob eine Behandlungsdauer von zwei Wochen bei abszedierender Bronchopneumonie bei Fohlen für eine vollständige Genesung ohne Rezidive ausreichend ist. Darüber hinaus stellt sich im zweiten Teil der Studie die Frage, ob das Akute-Phase-Protein Serum Amyloid A (SAA) geeignet ist, um den Behandlungserfolg, den Verlauf während der Behandlung oder die Entscheidung zum Abbruch der Behandlung bei Fohlen mit Pneumonie einzuschätzen. In dieser prospektiven, randomisierten Blindstudie wurden Fohlen mit einem Abszess-Score (Konsolidierungen des Lungengewebes gemessen in cm) von 15 bis 19,5 cm (mittelgradige Pneumonie) bei der Sonographie des Thorax in Gruppe 1 (n = 92, Behandlung: Rifampicin/Tulathromycin) aufgenommen. Mit einem Abszess-Score ≥ 20 cm (hochgradige Pneumonie) wurden die Fohlen der Gruppe 2 (n = 73, Behandlung: Rifampicin/Azithromycin) zugeordnet. Die Behandlungsdauer (zwei, vier oder sechs Wochen) in den Gruppen 1 und 2 richtete sich nach der randomisierten Zuordnung zu diesen Untergruppen. Bei den Fohlen wurde einmal wöchentlich eine klinische Untersuchung und zweimal wöchentlich eine Blutleukozytenzählung und eine Ultraschalluntersuchung der Lunge durchgeführt. Fohlen, die einen Behandlungswechsel benötigten, weil sich die Befunde verschlechterten oder stagnierten oder eine weitere Erkrankung auftrat, wurden aus der Studie ausgeschlossen (n = 15/165). Ein solcher Ausschluss aus der Studie wurde als Behandlungsversagen eingestuft und die Daten dieser Fohlen wurden bis zu ihrem Ausschluss aus der Studie separat analysiert. Bei Fohlen mit mittelgradiger oder hochgradiger Pneumonie erholten sich etwa 75 % nach zwei Wochen Behandlung, 25 % benötigten eine längere Behandlung. Die klinischen Befunde entwickelten sich in den ersten zwei Wochen der Behandlung fast vollständig zurück. Die Blutleukozytenzahl war nicht hilfreich bei der Beurteilung des Verlaufs der Pneumonie. Drei von 150 Fohlen erkrankten erneut drei oder mehr Wochen nach Ende der Behandlung an einer Pneumonie. Je älter das Fohlen bei der Diagnose der Pneumonie war, desto besser war das Ansprechen auf die Behandlung und somit desto kürzer die Behandlungsdauer. Um die Kinetik der SAA im Verlauf der Behandlung zu analysieren, wurden bei 52 der 165 Fohlen, die an einer mittelgradigen (Gruppe 1, n=31) oder hochgradigen (Gruppe 2, n=21) Pneumonie erkrankten, ab dem Tag der Diagnose zusätzlich zweimal wöchentlich das SAA bestimmt. Alle 52 Fohlen erholten sich während des Behandlungszeitraums. Der mediane SAA-Wert bei der Diagnose betrug 367 µg/ml (unteres und oberes Quartil: 23 - 937) bei Fohlen mit mittelgradiger Pneumonie und 216 µg/ml (unteres und oberes Quartil: 16 - 690) bei denen mit hochgradiger Pneumonie. Die SAA-Werte der Fohlen mit anfänglich erhöhten Werten sanken signifikant, bis sie nach fünf Tagen bei den Fohlen mit mittelgradiger Pneumonie und nach vier Tagen bei denen mit hochgradiger Pneumonie unterhalb des gesetzten Referenzwertes < 40 µg/ml fielen. Die Sonographie des Thorax zeigte bei den Fohlen mit mittelgradiger Pneumonie nach zehn Tagen und bei den Fohlen mit hochgradiger Pneumonie nach elf Behandlungstagen keine pathologischen Befunde mehr. Die Zeitspanne zwischen dem Tag, an dem die SAA normale Werte erreichte und die Sonographie der Lunge keine Auffälligkeiten mehr zeigte, betrug drei Tage bei den Fohlen mit mittelgradiger Pneumonie und sieben Tage bei denen mit hochgradiger Pneumonie. Durch eine Sensitivität von 68% bei der Diagnose einer mittelgradigen Pneumonie und 71% bei hochgradiger Pneumonie erwies sich das SAA als alleinige diagnostische Methode der Pneumonie beim Fohlen wiederholt als nicht zuverlässig. Wurden nur die Fohlen mit Pneumonie und Fieber betrachtet, zeigten 91 % einen initial erhöhten SAA. Während der Behandlung korrelierte das SAA mit dem Abszess-Score, den klinischen Befunden und dem Alter bei der Diagnose, aber nicht mit der Anzahl der Blutleukozyten. Zusammenfassend scheint die Behandlungsdauer von zwei Wochen bei mittelgradiger und hochgradiger abszedierender Bronchopneumonie bei den meisten Fohlen ausreichend zu sein. Da es sich bei den betroffenen Fohlen in dieser Studie um Patienten handelt, bei denen die Diagnose aufgrund eines Screening-Programms auf dem Gestüt frühzeitig gestellt wurde, sind die Aussagen über die Dauer der Behandlung bei schwereren und später diagnostizierten Pneumonien mit Vorsicht zu treffen. Die Ultraschalluntersuchung ist nach wie vor ein präzises Instrument zur Diagnose der Pneumonie und zur Verfolgung ihres Verlaufs während der Behandlung bei Fohlen. Je jünger ein Fohlen am Tag der Diagnose einer Pneumonie ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass es mehr als zwei Wochen Therapie benötigt oder es zum Behandlungsversagen kommen kann. Das SAA kann als zusätzlicher Parameter zur Beurteilung des Behandlungserfolges herangezogen werden. Besonders Fohlen mit Fieber und jüngere Fohlen zeigen bei der Diagnose der Pneumonie hohe SAA-Konzentrationen. Durch die Beobachtung der Kinetik von SAA bei den Fohlen könnte dieser Parameter eine Unterstützung sein, um den Zeitpunkt der abschließenden Ultraschalluntersuchung festzulegen. Insgesamt sollte die Behandlung individuell auf den Patienten abgestimmt sein, sodass antimikrobielle Mittel nur so lange eingesetzt werden, wie es für eine erfolgreiche Behandlung der Pneumonie bei Fohlen notwendig ist und ein unnötig langer Einsatz von Antibiotika vermieden wird.

The objective of the current study was to analyse whether a treatment duration of two weeks in cases of abscessing bronchopneumonia in foals is sufficient for a complete recovery without relapses. In the second part of the study the question arises whether the acute phase protein serum amyloid A (SAA) could also be suitable for evaluating the response to treatment, the course during treatment or the decision to terminate the treatment in foals with pneumonia. In the current prospective, randomised blind study foals with an abscess score (consolidations of the lung tissue measured in cm) of 15 to 19.5 cm (moderate pneumonia) at sonography of the thorax were included in group 1 (n = 92, treatment: rifampin/tulathromycin). With an abscess score ≥ 20 cm (severe pneumonia), foals were allocated to group 2 (n = 73, treatment: rifampin/azithromycin). The treatment duration (2, 4 or 6 weeks) in groups 1 and 2 depended on the random assignment to these subgroups.  The clinical examination in enrolled foals was done once weekly and WBC counting and ultrasound examination of the lung twice weekly. Foals that required a change of antibiotics because findings worsened or stagnated or another disease occurred were taken out of the study (n = 15/165). Such an exclusion of the study was classified as treatment failure and the data from these foals were processed separately until their removal from the study. In foals with moderate or severe pneumonia about 75% recovered after two weeks of treatment and 25% needed longer therapy. Clinical signs almost completely regressed during the first two weeks of treatment. The WBC count was not helpful in assessing the course of pneumonia. Three of 150 foals had a recurrence of pneumonia three or more weeks after the end of treatment. The older the foal was at the time of diagnosis of pneumonia, the better was its response to treatment and thus the shorter the duration of treatment. To evaluate the kinetic of SAA during the treatment period in the course of moderate (group 1, n=31) or severe (group 2, n=21) pneumonia in 52/165 foals the SAA was determined twice a week up from the day of diagnosis. All 52 foals recovered during the treatment period. At diagnosis the median SAA value at diagnosis was 367 µg/ml (25th/75th: 23 – 937) in foals with moderate pneumonia and 216 µg/ml (25th/75th: 16 – 690) in those with severe pneumonia. The SAA values of foals with initially elevated values decreased significantly until they reached the set reference value < 40 mg/L after five days in the foals with moderate pneumonia and four days in those with severe pneumonia. Sonography of the thorax of the foals with moderate pneumonia showed no more pathologic findings after ten days and those of the foals with severe pneumonia after eleven days of treatment. The time range between the day SAA reached normal values and ultrasonography of the lung revealed no more abnormalities was three days in foals with moderate pneumonia and seven days in those with severe pneumonia. The SAA as a diagnostic method had a sensitivity of 68 % in the case of moderate pneumonia and 71 % in the case of severe pneumonia on the day of diagnosis and was therefore not reliable enough as a single diagnostic tool for pneumonia. If only the foals with pneumonia and fever were considered, 91% showed an initially increased SAA. During treatment the SAA correlated with the abscess score, the clinical findings and the age at diagnosis, but not with the count of white blood cells. In conclusion the duration of treatment of two weeks of moderate and severe abscessing bronchopneumonia seems sufficient in most foals. As the affected foals in this study were patients diagnosed early due to a screening programme of the stud, the statements about the duration of treatment in more severe and later diagnosed pneumonias have to be made with caution. The ultrasonographic examination remains a precise tool to diagnose pneumonia and to follow its progress during treatment in foals. The younger a foal at the day of diagnosis of pneumonia, the more likely it will require more than two weeks of therapy or even the treatment could fail. However, the SAA can be used as an additional parameter for evaluating the treatment success. Especially foals with fever and younger foals show high SAA values at the day of diagnosis of pneumonia. By observing the kinetics of SAA in a patient, this blood parameter could be a support to adjust the date of the final ultrasonographic examination. Altogether, the duration of therapy should be tailored to the individual patient so that antimicrobials are only used for as long as necessary for successful treatment of pneumonia in foals and unnecessary prolonged use of antibiotics can be avoided.

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