Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Bewertung des Einsatzes der intradermalen Applikation von Impfstoffen bei Saugferkeln

Infektionen mit Mycoplasma (M.) hyopneumoniae sind bei Schweinen in Form von Monoinfektionen oder als Wegbereiter für bakterielle oder virale Sekundärinfektionen weltweit Verursacher von geminderter Tiergesundheit, damit eingeschränktem Tierwohl sowie erheblicher wirtschaftlicher Einbußen, insbesondere durch die Minderung der Futteraufnahme und der daraus folgenden Wachstumsminderung und Verlängerung der Mastperioden. Da die gezielte Eliminierung von M. hyopneumoniae innerhalb eines Schweinebestandes sehr zeit- und kostenintensiv sind, ist die Impfung von Saugferkeln zur Abschwächung der Symptome weit verbreitet. Mithilfe dieser Arbeit sollte eine intradermale Impfmethode gegen M. hyopneumoniae bei Saugferkeln im Hinblick auf Hautreaktionen, Leistungsparameter, Verhaltensänderungen sowie arbeitstechnischer Aspekte mit einer konventionell durchgeführten intramuskulären Impfung verglichen werden, um mögliche Konsequenzen für das Wohlbefinden der Tiere abzuleiten. Hierfür wurden unter Feldbedingungen in einem Zuchtbetrieb insgesamt 672 Saugferkel aus drei Durchgängen an ihrem siebten Lebenstag geimpft, hiervon 338 Ferkel intradermal und 334 intramuskulär. Während der Impfungen wurde die benötigte Zeit für die Durchführung der Impfungen erfasst. Am Tag vor der Impfung und acht Tage nach der Impfung wurden die Tiere im Rahmen einer Ganzkörperbonitur auf Verletzungen untersucht, individuell gewogen und die Körpertemperatur erfasst. An den drei Tagen sowie am siebten Tag nach der Impfung wurden die lokalen Hautreaktionen bonitiert, indem die Größe der Schwellung (Score 0–5) und die Rötungen und etwaige Krustenbildungen (Score 0–3) beurteilt wurden. Am ersten Tag nach der Impfung zeigten 71,3 % der intramuskulär geimpften Ferkel keine Schwellung der Impfstelle, während 2,7 % der intradermal geimpften Ferkel keine Schwellung der Impflokalisation aufwiesen. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand zur Impfung nivellierten sich diese Unterschiede, am siebten Tag nach der Impfung waren die Hautreaktionen bei fast allen Tieren beider Impfmethoden zurückgegangen. Die Schwellungen der Impfstelle deuten auf eine der intramuskulären Impfung ebenbürtige Immunantwort hin. Die tägliche Gewichtszunahme unterschied sich mit 248 g je intradermal geimpftem Ferkel nicht signifikant von den intramuskulär geimpften Ferkeln mit 253 g. Für die intradermale Impfung wurden im Durchschnitt 11 Sekunden und für eine intramuskuläre Impfung im Durchschnitt 17 Sekunden benötigt. Weiter wurden insgesamt 135 Ferkel von sechs Sauen aus drei Durchgängen drei Tage vor bis drei Tage nach der Impfung mittels Videoaufzeichnungen beobachtet, um das Verhalten der Ferkel zu analysieren und um die intradermal geimpfte Versuchsgruppe mit der intramuskulär geimpften Kontrollgruppe zu vergleichen. Für die Analyse wurden Beobachtungszeiträume von 6.00–10.00 Uhr, 13.00–17.00 Uhr und 19.00–21.00 Uhr festgelegt und mittels Scan‑Sampling auf die fünf Verhaltensweisen Liegen, Stehen, Gehen, Säugen und Sozialkontakt untersucht. Die Analyse der Videoaufzeichnungen ergab, dass bei allen Ferkeln das Liegen das häufigste Verhalten, gefolgt vom Aufenthalt am Gesäuge der Sau war. Die Beobachtungen des Verhaltens nach der Impfung offenbarten, dass sich intradermal geimpfte Ferkel häufiger an der Gesäugeleiste befanden und weniger lagen als intramuskulär geimpfte Ferkel, die sich mehr in Ruhepositionen befanden und weniger säugten. Dies deutet darauf hin, dass die intradermal geimpften Ferkel nach der Impfung weniger gestresst waren und dadurch weniger Erholungsphasen benötigten. Die Applikation des intradermalen Impfstoffs Porcilis® M Hyo ID ONCE erwies sich als schnell und schonend für die Tiere, da offenbar die Stressbelastung geringer ist als bei intramuskulärer Injektion. Die intradermale Impfung besitzt hygienische Vorteile und für den Anwender und die Tiere ein stark vermindertes Verletzungsrisiko. Kanülenstichverletzungen und -verluste sind ausgeschlossen. Es wurden keine nachteiligen Effekte auf Leistungsparameter oder länger anhaltende Hautreaktionen an der Impfstelle bei intradermal geimpften Saugferkeln nachgewiesen.

Infections with Mycoplasma (M.) hyopneumoniae in pigs as mono-infections or as a trailblazer for bacterial or viral secondary infections are the cause of significant animal morbidity resulting in decreased animal welfare as well as in considerable economic losses, in particular due to the reduction in feed consumption and the resulting reduction in growth and prolongation of the fattening periods. Since the targeted elimination of M. hyopneumoniae within a pig herd presents a time-consuming and expensive challenge, vaccination of suckling piglets to alleviate symptoms has been established as a widespread preventive measure. The aim of this study was the evaluation of an intradermal vaccination method against M. hyopneumoniae in suckling piglets with regard to skin reactions, performance parameters, behavioral changes and work-related aspects in comparison with a conventional intramuscular vaccination in order to definepossible consequences foranimal welfare. For this purpose, a total of 672 suckling piglets in three batches were vaccinated on their seventh day of life under field conditions, 338 piglets intradermally and 334 intramuscularly. The time required for the vaccinations was documented. One day before vaccination and eight days after, the animals were examined for injuries as part of a whole-body assessment, individually weighed and had their body temperature recorded. During the first three days and on day 7 after vaccination, local skin reactions were evaluated by assessing the size of the swelling (score 0–5), rubor and incrustination (score 0–3). On the first day after vaccination, 71.3 % of the intramuscularly vaccinated piglets and 2,7 % of the intradermally vaccinated piglets displayed no swelling at the vaccination site. These differences levelled out with time after the vaccination; on the 7th day after vaccination, skin reactions in almost all animals of both vaccination methods had subsided. The swellings at the vaccination site indicate an immune response equivalent to the intramuscular vaccination. The daily weight gain of 248 g per piglet vaccinated intradermally did not significantly differ from piglets vaccinated intramuscularly with 253 g. Intradermal vaccination required an average time of 11 seconds as compared to 17 seconds for intramuscular application. In addition, 135 piglets from six sows in three batches were observed from three days before to three days after vaccination by video recordings to analyze possible behavioral changes and to compare these results of the intradermally vaccinated test group with the intramuscularly vaccinated control group. For this analysis, observation periods of 6:00–10:00 am, 1:00–5:00 pm and 7:00–9:00 pm were determined and examined for the five behaviors of lying, standing, walking, suckling and social contact using scan sampling. Analysis of the video recordings showed that lying down was the most common behaviour for all piglets, followed by suckling at the sow's teats. The observation of behavior after vaccination revealed that piglets vaccinated intradermally spent more time suckling and less time lying than piglets vaccinated intramuscularly, who showed longer resting periods and were suckling less. These findings suggest that piglets vaccinated intramuscularly were less stressed after vaccination and therefore required fewer recovery periods. The application of the intradermal vaccine Porcilis® M hyo ID ONCE proved to be quick and gentle for the animals, since the stress load of an intradermal injection is lower than with an intramuscular injection. The intradermal vaccination has hygienic advantages and is associated with a greatly reduced risk of injury for user and animals, needlestick injuries and -losses are impossible. No adverse effects on performance parameters or longer lasting skin reactions at the vaccination site were demonstrated in intradermally vaccinated suckling piglets.

Cite

Citation style:
Could not load citation form.

Rights

Use and reproduction:

Export