Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Analyse der Leistungs- und Wiederkäuergerechtheit der Fütterung von hochleistenden Milchkühen in den ersten 100 Tagen der Laktation anhand von Rationskennzahlen und Fütterungsmanagement

Seit Jahrzehnten kann ein kontinuierlicher Anstieg der Milchleistung in Deutschland beobachtet werden. Leistungen von 10.000 kg Milch pro Kuh und Jahr sind heute keine Seltenheit mehr und gehören zu den erklärten Zielen von Landwirten und den betreuenden Tierärzten. Das Ziel dieser Dissertation war, anhand von Milchinhaltsstoffen von Kühen in den ersten 100 Tagen der Laktation Rückschlüsse auf die Ration sowie das Fütterungsmanagement schließen zu können. Werden Kühe in der Hochlaktation sowohl leistungs- als auch wiederkäuergerecht versorgt? Hierzu sollten zunächst die Rationen sowie das Fütterungsmanagement in drei Regionen Deutschlands verglichen werden. Mit den Rationskennzahlen und ausgewählten Faktoren des Fütterungsmanagements wurde eine Risikofaktorenanalyse durchgeführt, um herauszufinden, ob sich mit den gewählten Einflussgrößen ein mögliches Gesundheitsrisiko darstellen lässt. Als Zielgrößen dienten der Eiweißgehalt der Milch sowie der Fett-Eiweiß-Quotient. Mit letzterem kann ein Ketoserisiko und ein Pansenazidoserisiko abgeleitet werden. 

In einem Zeitraum von drei Jahren wurden in drei Regionen Deutschlands (Nord: n=253; Ost: n=252; Süd: n=260) insgesamt 765 milchkuhhaltende Betriebe einmalig besucht. Für diese Dissertation wurden nur solche Betriebe berücksichtigt, die an der Milchleistungsprüfung (MLP) teilnahmen sowie deren Ration für Frühlaktierende innerhalb von 100 Tagen der Laktation berechnet werden konnte. Zusätzlich wurde das Fütterungsmanagemen aus einem Interview mit dem Betriebsleiter sowie einer Betriebsinspektion erfasst. Aus den 408 verbliebenen Betrieben (Nord: n=154, 60,9 %; Ost: n=181, 71,8 %; Süd: n=73, 28,1 %) wurde nur die letzte MLP vor dem Betriebsbesuch ausgewertet. Es wurden nur solche Tiere beibehalten, die in den ersten 100 Tagen der Laktation waren. Die an Milchkühe zur Zeit des Betriebsbesuchs verfütterten Silagen wurden auf ihre Inhaltsstoffe untersucht. Mit den aktuellen Analyseergebnissen für die Silagen und den übrigen Rationskomponenten wurde die jeweilige Ration mit dem Programm Futter R (dsp-Agrosoft, Ketzin) berechnet. Bei einer totalen Mischration (TMR) entsprachen die enthaltenen Kraftfuttermittel der maximalen Kraftfuttermenge. Bei einer aufgewerteten Mischration (AMR) wurde die Berechnung mit der über die Grundration hinaus separat angebotenen maximalen Kraftfuttermenge kalkuliert.

Während in Region Nord und Ost im Schnitt 35 kg Milch pro Kuh und Tag und mehr in den ersten 100 Tagen gemolken wurde, waren es in Region Süd knapp 32 kg Milch pro Kuh und Tag. In Region Nord wies über 47 % der Tiere einen Eiweißgehalt < 3,2 % auf, dagegen waren es in Region Ost über 46 % und in Region Süd 38 %. Die Verteilung eines FEQ > 1,5, welcher auf eine Fettmobilisation mit einem erhöhten Ketoserisiko hindeutet, war in den drei Regionen Deutschlands ähnlich. Der Anteil der Kühe pendelte sich zwischen 8,6 und 10,7 % ein. Die Häufigkeit eines FEQ < 1,0, welcher auf eine Rohfaserunterversorgung hindeutet betrug in Region Nord knapp 9 % der Tiere, in Region Ost und Süd waren es mit jeweils über 13 und 14 % deutlich mehr.

Im Hinblick auf die kalkulierten Rationen konnten innerhalb der drei Regionen keine großen Unterschiede festgestellt werden, mit Ausnahme der ruminalen Stickstoffbilanz (RNB in g) sowie des Gehaltes an Zucker und unbeständiger Stärke (g/kg Trockensubstanz (TS)). Dieser war mit im Mittel 232 g/kg TS in Region Ost am höchsten, während in Region Nord lediglich 208 g/kg TS und in Region Süd 219 g/kg TS kalkuliert wurden. Aus der Literatur vorgegebene Rationskennzahlen zur leistungs- und wiederkäuergerechten Versorgung wurden in den berechneten Rationen in den drei Regionen in den Medianwerten fast immer erreicht und z.T. nur minimal unterschritten.

Das Fütterungsmanagement in den Regionen unterschied sich stark voneinander. Während in Region Nord und Süd in den überwiegenden Teilen der Betriebe eine AMR gefüttert wurde (Nord: 76,0 %, Süd: 89,0 %), wurde in Region Ost mit über 74 % eine TMR gefüttert. Zudem wurde in Region Ost das Futter einmal am Tag mehr frisch vorgelegt als in Region Nord und Süd (Nord: 1x, Ost: 2x, Süd: 1x). Während im Süden über 95 % der Betriebe die Herde einphasig fütterten, gefolgt von Region Nord mit über 88 %, waren es in Region Ost etwa 34 % der Betriebe. Hier fütterten über 40 % der Betriebe die Herde dreiphasig, d.h. eine Ration für Kühe in der Hochlaktation, eine für die Mittellaktation und eine für die Spätlaktation. Im Norden gaben nur zwei Betriebe solch eine Fütterung an, im Süden wurde dies nicht vorgefunden. Der kalkulierte Gehalt an Energie wirkte sich in der Riskofaktorenanalyse schützend auf den Eiweißgehalt aus, aber bezüglich FEQ < 1,0 und FEQ > 1,5 konnten negative Auswirkungen festgestellt werden. Fütterungsgruppen machten sich positiv bemerkbar in Bezug auf die Energieversorgung von Kühen in den ersten 100 Tagen der Laktation (Hilfsparameter Eiweißgehalt < 3,2 % und FEQ > 1,5). Bezogen auf den FEQ < 1,0 wirkte sich eine Fütterung anhand von Laktationsgruppen dagegen negativer aus im Vergleich zu einer einphasigen Fütterung. Der Rationstyp der AMR stellte sich schützend auf den Eiweißgehalt < 3,2 % sowie auf den FEQ > 1,5 dar im Vergleich zur TMR.

In den Ergebnissen dieser Arbeit haben wir herausgefunden, inwieweit sich die Rationskennzahlen und das Fütterungsmanagement in den drei Regionen unterscheiden. Bestimmte Rationskennzahlen sowie Aspekte des Fütterungsmanagement haben einen Einfluss auf Milchinhaltsstoffe. Aus den Abweichungen der Milchinhaltsstoffe als Indiz für die Stoffwechselsituation der Milchkuh kann ein mögliches Gesundheitsrisiko abgeleitet werden.

A continuous increase in milk yield has been observed in Germany for decades. Production of 10,000 kg of milk per cow and year is no longer uncommon today and is one of the declared goals of farmers and serving veterinarians. The aim of this dissertation was to be able to draw conclusions about the suitability of the feeding ration as well as the management based on the milk components of cows in the first 100 days of lactation. Are cows in high lactation cared for in a way that is both efficient and suitable for ruminants? First, the rations and feeding management in three regions of Germany were compared. A risk factor analysis was then carried out with the ration key figures and selected factors from the feeding management in order to find out, whether or not the selected influencing variables might represent a possible health risk. The protein content of the milk and the fat-protein ratio served as target values. With the latter, a ketosis risk and a rumen acidosis risk can be derived.

Over a period of three years, a total of 765 dairy cow farms were visited once in three regions of Germany (North: n = 253; East: n = 252; South: n = 260). For this dissertation, only those farms were taken into account which participated in the milk performance test (MLP) and the ration of which for early lactation could be calculated within 100 days of lactation. In addition, the feeding management was recorded from an interview with the farm manager and a farm inspection. Of the 408 remaining farms (North: n = 154, 60.9 %; East: n = 181, 71.8 %; South: n = 73, 28.1 %), only the last MLP before the farm visit was evaluated. Only those animals were kept which were in the first 100 days of lactation. The silages fed to dairy cows at the time of the farm visit were examined for their ingredients. With the current analysis results for the silages and the other ration components, the respective ration was calculated with the feed R program (dsp-Agrosoft, Ketzin). With a total mixed ration (TMR), the containing concentrates corresponded to the maximum amount of concentrated feed. In the case of an upgraded mixed ration (AMR), the calculation was based on the maximum amount of concentrate fed which  was offered separately in addition to the basic ration.

Whereas in the North and East an average of 35 kg milk per cow and day and more was milked in the first 100 days, in the South it was just 32 kg milk per cow and day. In the North, over 47 % of the animals had a protein content of < 3.2 %, on the other hand it was over 46 % in the East and 38% in the South. The distribution of a FEQ > 1.5, which indicates fat mobilization with an increased risk of ketosis, was similar in the three regions of Germany. The proportion of cows leveled off between 8.6 and 10.7 %. The frequency of a FEQ < 1.0, which indicates an undersupply of crude fiber, was just under 9 % of the animals in the North, in the East and South it was significantly more, at over 13 and 14 %, respectively.

With regard to the calculated rations, no major differences could be found within the three regions, with the exception of the ruminal nitrogen balance (RNB in ​​g) and the content of sugar and unstable starch (g / kg dry matter (DM)). With an average of 232 g / kg DM, this was highest in the East, while only 208 g / kg DM were calculated in the North and 219 g / kg DM in the South. The median values ​​in the calculated rations in the three regions were almost always reached and in some cases were only slightly below the ration indicators specified in the literature for adequate supply with energy and fiber.

The feeding management differed greatly between the regions. While most of the farms in the North and South provided an AMR (North: 76.0 %, South: 89.0 %), in the East, over 74 % fed a TMR. In addition, the feed was freshly served per day once more in the East than in the North and South (North: 1x, East: 2x, South: 1x). While more than 95 % of the farms in the South fed the herd in a single phase, followed by the North with over 88 %, in the East, it was around 34 % of the farms. Here over 40 % of the farms fed the herd in three phases, i.e. one ration for cows in high lactation, one for middle lactation and one for late lactation. In the North, only two farms reported such feeding type, in the South, this was not found.

The calculated energy content had a protective effect on the protein content in the risk factor analysis, but negative effects could be determined with regard to FEQ < 1.0 and FEQ > 1.5.

Feeding groups had a positive effect on  the energy supply of cows in the first 100 days of lactation (auxiliary parameters protein content <3.2 % and FEQ > 1.5). In terms of FEQ < 1.0, feeding based on lactation groups had a more negative effect than single-phase feeding. The ration type of the AMR was protective for a protein content < 3.2 % and a FEQ > 1.5 in comparison to the TMR.

In the results of this study, we found out as to what extent the ration indicators and feeding management differed in the three investigated regions. Certain ration indicators and aspects of the feeding management had an impact on milk ingredients. A possible health risk can be derived from these affected milk ingredients as an indication of the dairy cow’s metabolic situation.

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