Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Einsatz von Antibiotika beim Schwein und Konzepte zu dessen Minimierung durch strukturierte epidemiologische Information in der tierärztlichen Praxis

Antibiotikaresistenzen stellen in der heutigen Zeit in der Tier- und in der Humanmedizin ein ernstes Problem dar und sind national wie international immer mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Da eine Reduktion des Einsatzes von Antibiotika zum Rückgang von Resistenzen führt, wurden in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen, die den Umgang mit Antibiotika stärker reglementieren und Bewusstsein für einen sorgsamen Umgang schaffen sollen. In Deutschland sind hier das staatliche Antibiotikamonitoringsystem und das Monitoring des Wirtschaftsunternehmen QS Qualität und Sicherheit zu nennen. Diese Monitoringsysteme quantifizieren, wie viele Tiere behandelt wurden; zusätzlich können sie als Benchmarkingsysteme verwendet werden. Als weitere regulative Maßnahmen sind die Aktualisierung der Antibiotikaleitlinien der Bundestierärztekammer (BTK) aus dem Jahr 2015 und der Tierärztlichen Hausapotheken Verordnung aus dem Jahr 2018 zu nennen. Die vorliegende Arbeit leistet einen Beitrag zur Antibiotikareduktion durch Verbesserung der Schweinegesundheit in Deutschland. Dafür wurden im ersten Teil der Arbeit die Antibiotikadaten der Firma QS Qualität und Sicherheit GmbH der Jahren 2013 bis 2015 ausgewertet. Mithilfe des Therapieindexes wurde die Verteilung des Antibiotikaeinsatzes pro Produktionsgruppe und Halbjahr ermittelt. Zusätzlich wurde der prozentuale Anteil der einzelnen Wirkstoffe an der Gesamtbehandlung bestimmt. Dabei ließ sich feststellen, dass der Median des Therapieindex bei den Mastschweinen im untersuchten Zeitraum von 4,3 auf 2,1 sinkt. Bei den Läufern bewegt sich der Median zwischen 11,3 im zweiten Halbjahr 2014 und 5,8 im ersten Halbjahr 2015. Der Median der Saugferkel schwankt ebenfalls zwischen 21,6 und 25,0. Insgesamt kann kein klarer Trend der Veränderung der Kennzahlen bei den Läufern und Saugferkeln festgestellt werden. Der prozentuale Anteil der Wirkstoffe an der Gesamtbehandlung unterscheidet sich zwischen den untersuchten Produktionsgruppen. Bei den Mastschweinen werden vorwiegend Tetracycline und Penicilline eingesetzt. Diese Wirkstoffgruppen machen einen Anteil von ungefähr 60 % an der Gesamtbehandlung aus. Bei den Läufern werden hingegen mit einem Anteil von ungefähr 60 % Amoxicillin und Colistin eingesetzt. Makrolide und Penicilline spielen bei den Saugferkeln die wichtigste Rolle. Ein großer Anteil der in Deutschland eingesetzten Antibiotika entfällt auf die Behandlung von Atemwegserkrankungen. Die Prophylaxe von Atemwegserkrankungen kann demnach einen Beitrag zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes leisten. Eine Verbesserung der Hygienesituation kann sich dabei positiv auf die Atemwegsgesundheit auswirken. Im zweiten Teil der Arbeit wurde auf der Basis einer wissenschaftlichen, umfassenden Untersuchung und damit einhergehender systematischer Datenerfassung ein Benchmarkingsystem im Bereich Hygiene und Management entwickelt, welches Problemfelder aufzeigt. Dieses System ermöglicht es, verschiedene Betriebe im Hinblick auf Hygiene und Management zu vergleichen und direkte Assoziationen von betrieblichen Faktoren und der Tiergesundheit aufzuzeigen, sodass diese für zukünftige präventive Maßnahmen genutzt werden können. Die neun entwickelten Messgrößen repräsentieren dabei jeweils einen Bereich im Themenfeld Hygiene und Management. Für die Entwicklung der Messgrößen wurden verschiedene Informationen auf Projektbetrieben erhoben und anschließend in den Messgrößen aggregiert. Mithilfe von epidemiologischen Methoden wurde die Anzahl an Variablen, welche in die verschiedenen Messgrößen einschließen, verringert. Der Einfluss der Messgrößen wurde anschließend im ein- und mehrfaktoriellen logistischen Regressionsmodell auf Husten beim Läufer getestet. Dabei zeigte sich, dass die Gruppe "Stallhygiene" einen signifikanten protektiven Einfluss auf das Vorkommen von Husten hat. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die globale Betrachtung des Antibiotikaverbrauchs anhand von Monitoringsystemen durch das konsolidierte Betrachten der Hygieneinformationen eines Betriebes und durch ein Benchmarking im Bereich Hygiene und Management sinnvoll ergänzt werden kann. Dabei können betriebsindividuelle Analysen vorgenommen werden und gezielte präventive Maßnahmen eingeleitet werden, die den Hygienestatus und das Management optimieren, sodass die Tiergesundheit insgesamt verbessert werden kann.

At the present time, antibiotic resistances pose serious problems for veterinary and human medicine and have increasingly come into focus of public attention. As a reduction of antibiotic usage leads to a decline of resistances, a variety of measures have been adopted in the last years in order to regulate antibiotic usage more strongly and to raise awareness for the importance of careful handling. As regards Germany, the governmental system for antibiotic monitoring and the commercial enterprise QS Qualität und Sicherheit’s monitoring are to be mentioned. These monitoring systems quantify how many animals were treated with antibiotics. Additionally, they can be used as benchmarking systems. The renewal of guidelines for antibiotic usage by the Bundestierärztekammer (BTK) in 2015 as well as an update of the veterinary pharmacies’ regulation (TÄHAV) in 2018 are further regulative measures. The study at hand contributes to reducing antibiotic usage by improving pig health in Germany. To achieve this purpose, data on antibiotic use from 2013 to 2015, provided QS Qualität und Sicherheit GmbH, is analysed in the first paper. By means of the treatment index, the distribution of antibiotic usage per production group and half-year was determined. Furthermore, the different active substances’ percentage in relation to the overall treatment was identified. It was noticeable that the treatment index’ median for fattening pigs decreased from 4.3 to 2.1 in the period examined. As regards weaner the median changes from 11.3 in the second half-year of 2014 to 5.8 in the first half-year of 2015. The median of piglets fluctuates between 21.6 and 25.0. All in all, a consistent trend of changing key figures cannot be noticed. The percentage of the different active substances varies between the production groups under examination. Fattening pigs are primarily treated with tetracycline and penicillin. These drug classes account for approximately 60% of the overall treatment. As regards weaner, however, amoxillin and colistin are used in approximately 60% of all treatments. When treating piglets, macrolides and penicillin play the most important role. A large proportion of antibiotics used in Germany is attributable to the treatment of respiratory diseases. So, preventing these diseases can help to reduce antibiotic usage. In general, improving the hygiene situation can have a positive impact on respiratory health. In the second paper, a benchmarking system for hygiene and management to indicate problem areas was developed based on a comprehensive, scientific analysis and accompanying data collection. This system allows to compare different agricultural holdings regarding aspects of hygiene and management and to point out direct connections between operational factors and animal health, so that they can be used for future preventive measures. Nine measures that each represent one area of hygiene and management were developed in this process. For developing the measurement parameters, a variety of information was collected on the participating agricultural holdings and subsequently aggregated to the different parameters. By means of epidemiological methods the number of variables which include the different measurement parameters was reduced. The parameters‘ influence on cough was tested in a single and multi-factorial logistic regression model. This revealed that stable hygiene has a significant protective influence on the occurrence of cough. In summary, it can be stated that a global approach of antibiotic usage can be complemented efficiently by monitoring systems that allow a consolidated consideration of agricultural holdings’ hygiene information and by a benchmarking system in the area of hygiene and management. Based on the findings of each holding’s analysis targeted preventive measures can be taken that optimise hygienic status and management, so that animal health can be improved overall.

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