Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Die Bedeutung von röntgenologischen, szintigraphischen und klinischen Befunden an der Brust- und Lendenwirbelsäule von Reitpferden mit und ohne Rittigkeitsproblemen

Ziel dieser Studie war es, die Relevanz von klinischen, röntgenologischen und szintigraphischen Befunden der thorakolumbalen Wirbelsäule von rittigen und unrittigen Warmblutpferden darzustellen und einen möglichen Zusammenhang der Befunde zu der Unrittigkeit herauszuarbeiten. Für die vorliegende Studie wurden insgesamt 30 Warmblutpferde klinisch, röntgenologisch und szintigraphisch untersucht. Hierbei handelte es sich um 14 Stuten und 16 Wallache in einem Alter von 3 bis 21 Jahren (Median 9,5 Durchschnitt 10,29), die alle im Dressur-, Spring-, Vielseitigkeits- und Freizeitsport eingesetzt wurden. Nach Erhebung eines detaillierten Vorberichts wurden alle Pferde einer eingehenden klinischen Rückenuntersuchung unterzogen. Um eine möglichst objektive Beurteilung der klinischen Untersuchung zu gewährleisten, wurde diese an mehreren aufeinander folgenden Tagen von drei erfahrenen Untersuchern an 2 unterschiedlichen Zeitpunkten verblindet durchgeführt. Die klinische Rückenuntersuchung beinhaltete eine vollständige orthopädische Untersuchung inklusive einer klinischen Rückenuntersuchung und die Beurteilung des Pferdes an der Hand. Eine vorhandene Lahmheit führte zum Ausschluss aus der Studie. Von den 30 Probanden, waren 14 klinisch rückengesund, 7 geringgradig, 4 mittelgradig und 5 hochgradig auffällig in der klinischen Rückenuntersuchung. Die Ergebnisse der klinischen Rückenuntersuchung wurden innerhalb der einzelnen Untersucher an den zwei verschiedenen Untersuchungszeitpunkten, sowie zwischen den drei Untersuchern untereinander überprüft. Eine exzellente Übereinstimmung innerhalb der Untersucher gab es bei den Parametern: „ „Ernährungszustand“, „Bewertung des Beschlags“, „Widerrist-, Rücken- und Kruppenform“ und „Auffälligkeiten des Fells oder der Haut im Bereich der Sattellage“, sowie „Bemuskelung und der Symmetrie der Muskeln des Rückens und der Kruppe“, „Extension und Flexion der Brust- und Lendenwirbelsäule“, „Druckpalpation der Rückenbemuskelung und der Dornfortsätze“ sowie bei Auffälligkeiten im Gangbild der Pferde. Eine völlige Übereinstimmung zwischen den 3 Untersuchern an beiden Untersuchungszeitpunkten lag für die Parameter „Rittigkeit“, „Ernährungs- und Pflegezustand“, „Widerrist-, Rücken- und Kruppenform“, „Bewertung der Symmetrie der Rücken- und Kruppenbemuskelung“, sowie bei „Auffälligkeiten des Fells oder der Haut im Bereich der Sattellage“, bei „Bemuskelung des Rückens und der Kruppe“ und bei Auffälligkeiten im Gangbild der Probanden vor. Die geringste Übereinstimmung wurde bei der Beurteilung der Parameter „Qualität der Rücken- und Kruppenmuskulatur“ erzielt. Die Pferde wurden von ihrem ständigen Reiter nach einem standardisierten Protokoll vorgeritten und von den drei Untersuchern verblindet bewertet. Die Verhaltensänderungen respektive die Zeichen der Unrittigkeit erhielten aufgrund ihres Schweregrades unterschiedlich hohe Punktzahlen, die in ihrer Gesamtheit den Grad der Unrittigkeit ergaben. Es wurde außerdem die Summe aller auffälligen Abweichungen von der normalen Rittigkeit berücksichtigt. Im Anschluss daran wurden die Pferde bezüglich ihrer Rittigkeit, bzw. Unrittigkeit in die entsprechende Gruppe eingeteilt. In jeder Gruppe befanden sich somit 15 Probanden. Bei keinem Pferd divergierten die Untersucher in ihrer individuellen Beurteilung. Die Pferde wurden sowohl von dem ständigen Reiter als auch von einem Referenzreiter unter dem Sattel vorgestellt. Zeigten die Pferde unter beiden Reitern eine Unrittigkeit, wurde erneut eine Vorstellung unter dem Fremdreiter verblindet bewertet. Für jedes unrittige Pferd gab es somit 3 Bewertungen unter 2 verschiedenen Reitern. Insgesamt wurden in der vorliegenden Studie die Röntgenaufnahmen der Dornfortsätze der Brust- und Lendenwirbelsäule (Th11 bis L4), der Wirbelkörper der Brustwirbelsäule (Th11 - Th18) und eines jeden in ausreichender Qualität dargestellten Facettengelenkes (Th11\12 bis Th18\L1) von drei Untersuchern im Konsens beurteilt. Die Dornfortsätze der thorakolumbalen Wirbelsäule und die Wirbelkörper wurden auf laterolateralen Röntgenbildern und zusätzlich auf 20° ventrodrosal-obliquen Röntgenaufnahmen beurteilt. Die Facettengelenke Th11\12 bis Th15/16 konnten auf beiden Körperseiten zufriedenstellend dargestellt und beurteilt werden. Bei einigen Patienten gelang das auch bei dem vorletzten Brustwirbelpaar. Die Darstellbarkeit der thorakalen Dornfortsätze war exzellent. Sie nahm jedoch von kranial nach kaudal hin etwas ab. Die Mehrzahl der 30 untersuchten Probanden wies zu einem gewissen Grad röntgenologisch darstellbare Veränderungen der Dornfortsätze in dem Bereich Th12 bis Th18 auf. Am häufigsten konnten sklerotische Veränderungen der Gelenkflächen im Bereich Th14\15 - Th15\16 dokumentiert werden. Ankylosen oder Osteolysen im Bereich der Facettengelenke wurden nicht, Spondylosen bei 3 Pferden festgestellt. Alle 30 Probanden wurden einer nuklearmedizinischen Untersuchung der thorakolumbalen Wirbelsäule unterzogen. Die objektive Auswertung der nuklearmedizinischen Bilder erfolgte mit der ROI Technik. Es wurden hierbei als Interessenareale (regions of interest, ROI´s) jeweils beidseits die Facettengelenke der Brustwirbelsäule Th11\12, Th12\13, Th13\14, Th14\15, Th15\16, Th16\17, Th17\18 und Th18\L1, sowie die Dornfortsätze der Brust- und Lendenwirbelsäule Th11-L4 zu den Referenzarealen der Isokontur der 13., 16., bzw. 18. Rippe in Relation gesetzt. Mit Hilfe des Softwareprogramms wurde im Anschluss der Speicherquotient durch Division des jeweiligen Interessenareals mit dem Referenzareal berechnet. Im Bereich der Dornfortsätze galten Speicherquotienten >1,5 und im Bereich der Facettengelenke galten Speicherquotienten >2 als pathologisch. Der Vergleich der klinischen, röntgenologischen und szintigraphischen Untersuchungsergebnisse von unrittigen Pferden mit denen von rittigen Pferden zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Unrittigkeit mit einer deutlichen Reaktion auf die Druckpalpation der Dornfortsätze und die Rückenmuskulatur und einem auffälligen Gangbild. Auch konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Grad der klinischen Rückenuntersuchung mit dem Grad der Unrittigkeit hergestellt werden. Darüber hinaus konnte auch ein signifikanter Zusammenhang zwischen der jeweiligen Gruppe der Probanden und deren Anzahl an röntgenologischen Befunden an den Dornfortsätzen und an den Facettengelenken nachgewiesen werden. Zusammenfassend wurde im Rahmen der vorliegenden Arbeit erstmalig untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen einer Einschränkung des Reitkomforts, respektive einer Unrittigkeit, einerseits und klinischen, röntgenologischen sowie szintigraphischen Befunden andererseits, erkennbar ist. Es wurde der Fragestellung nachgegangen, ob sich röntgenologische und\oder szintigraphische Befunde im Bereich der Dornfortsätze und\oder der Facettengelenke der Brust- und Lendenwirbelsäule erkennen lassen, die für bestimmte Formen der Abweichungen von dem normalen Verhalten des Pferdes unter dem Sattel typisch sind. Diese Studie hat einerseits gezeigt, dass die unrittigen Pferde zwar häufiger röntgenologische Befunde an den Dornfortsätzen und den Facettengelenken aufwiesen als die Pferde ohne Rittigkeitsprobleme. Andererseits können jedoch ausschließlich röntgenologische und\oder szintigraphische Befunde eine Unrittigkeit nicht erklären. Derzeitig muss immer noch davon ausgegangen werden, dass die szintigraphischen und die röntgenologischen Untersuchungen im Rahmen der Diagnostik von Rückenerkrankungen des Pferdes lediglich Hilfsuntersuchungen darstellen und nur im Verbund mit der klinischen Untersuchung bewertet werden können.

The aim of this study was to demonstrate the relevance of clinical, radiographic and scintigraphic findings of the thoracolumbar spine of warmblood horses and to work out a correlation between these findings and „Unrittigkeit“. For this study a total of 30 Warmblood horses (14 mares, 16 geldings) ranging from 3 to 21 years underwent a clinical, radiographic and scintigraphic examination. All of them were used in dressage, jumping, eventing and leisure sport. After a detailed preliminary report was collected, all horses underwent a thorough clinical examination of the back. In order to ensure that the clinical examination was as objective as possible, it was performed blinded on multiple consecutive days by three experienced clinicians at two different times under controlled conditions. The clinical examination included a complete orthopaedic examination and the evaluation of the horse on the hand and under the rider. An existing lameness led to exclusion from the study. 14 of these horses did not have any clinical symptoms of back pain, 7 of them showed minor alterations, 4 had moderate changes and 5 horses had severe clinical signs of back pain. The results of the clinical back examination were reviewed within the individual clinician at the two different examination times, and between the three clinicians among themselves. There was an excellent agreement within the clinicians regarding the parameters: "Nutritional condition", "evaluation of the shoeing", "shape of withers, back and croup" and "abnormalities of the coat or skin in the saddle area", as well as "muscularity and symmetry of the muscles of the back and croup", "extension and flexion of the thoracic and lumbar spine", "pressure palpation of the back muscles and spinous processes" and abnormalities in the gait of the horses. There was complete agreement between the 3 clinicians at both examination points for the parameters "Unrittigkeit", "nutritional and grooming condition", "shape of withers, back and croup", "assessment of the symmetry of the back and croup muscles", as well as for "abnormalities of the coat or skin in the saddle area", for "muscularity of the back and croup" and for abnormalities in the gait pattern of the horses. The least agreement was achieved in the assessment of the parameters "quality of the back and croup muscles". After that all horses were ridden by their permanent rider according to a standardized protocol and evaluated blinded by the three clinicians. Due to their degree of severity, the shown symptoms received different scores. Their score resulted in the degree of „Unrittigkeit“. The sum of the individual points appeared in 5 degrees of „Unrittigkeit“ for the horses. Grade 1 represented a very low and grade 5 a very high level of „Unrittigkeit“. However, it could also be decisive how many of these symptoms a horse showed, since the sum of all symptoms was taken into account. A "cut-off" was defined as 2 points, so a horse with at least 2 points was considered as „unrittig“. Subsequently, the horses were divided into the appropriate group according to their rideability. Group „R“ included horses with normal riding perfomrance and group „UR“ included horses which were „unrittig“. There were 15 horses in each group. The three clinicians did not diverge in their individual classification of any horse. The horses were presented under saddle by the permanent rider and by a reference rider. If the horses showed a lack of rideability under both riders, another presentation under the reference rider was blindly evaluated. For each horse („UR“) there were thus 3 evaluations under 2 different riders. The radiographic examination of the horses was performed in the equine clinic Bilsen. All in all, the spinous processes of the thoracic and lumbar spine (Th 11 to L4), the vertebral bodies of the thoracic spine (Th11 - Th18) and each facet joint presented in sufficient quality (Th11\12 to Th18\L1) were assessed in this study on the basis of a definitive evaluation scheme by three clinicians in consensus. Laterolateral radiographs were taken to assess the spinous processes of the thoracolumbar spine and vertebral bodies. Lateral comparative evaluation of the thoracic facet joints was performed on 20° ventrodrosal-oblique radiographs. In the presented study, the facet joints Th11\12 to Th15/16 could be satisfactorily visualized and assessed on both sides. In some patients this was also possible with the second last pair of thoracic vertebrae. The visualization of the thoracic spinous processes was excellent, but the visualization of the spinous processes of the lumbar spine decreased from cranial to caudal in accordance with the increase in soft tissue. The majority of the 30 horses showed to a certain extent radiographically representable pathologies of the spinous processes in the Th12 to Th18 region. The most frequently observed pathology of the facet joints were sclerotic changes of the joint surfaces in the area of Th 14\15 - Th 15\16. No subject could be diagnosed with ankylosis or osteolysis in the area of the facet joints, but spondylosis was found in 3 horses. All 30 horses underwent nuclear scintigraphy of the thoracolumbar spine. This examination was also performed in the equine clinic Bilsen. Each horse was ridden for about 30 - 40 minutes before scintigraphy. Afterwards, each horse was weighed and received 0.8 - 1.2 gBq per 100 kg body weight 99mTc-HDP injected intravenously. The nuclear scintigraphy began 2.5 - 3 hours after the injection. Two lateral images of the thoracic spine and one lateral image of the lumbar spine were taken at an angle of 60° on both left and right side. The objective evaluation of the nuclear scintigraphic images was using the ROI technique. The regions of interest (ROI's) were the facet joints of the thoracic spine Th11\12, Th12\13, Th13\14, Th14\15, Th15\16, Th16\17, Th17\18 and Th18\L1 on both sides, as well as the spinous processes of the thoracic and lumbar spine Th11-L4 in relation to the reference areas of the iso-contour of the 13th, 16th and 18th rib. With the aid of the software program, the storage quotient was calculated by dividing the respective area of interest by the reference area. In the area of the spinous processes storage quotients >1.5 and in the area of the facet joints storage quotients >2 were considered pathological. Finally, the results of the clinical examination and the results of the radiological and nuclear scintigraphy of the horses in the group „UR“ were compared with those of the horses in the group „R“. A significant correlation between the horses in the group „UR“ and a positive pressure palpation of the spinous processes and the back muscles and a abnormal gait pattern could be established. There was also a significant correlation between the clinical findings and the level of „Unrittigkeit“ and between the number of radiological findings on the spinous processes and the facet joints. This study has shown that radiological and\or scintigraphy findings alone do not allow to conclude that the horse is „unrittig“. The clinical examination is essential for a definite statement. In the current study, the thoracolumbar spine was the main focus of attention. Further studies are needed to investigate the influence of pathological changes in the entire vertebral column and the sacroiliac joint of the horse in relation to riding performance.

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