Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Die Endometritis der Stute : zwischen evidenzbasiert und anekdotisch

Kuhlmann, Meike GND

Das Ziel dieser Arbeit war es, zu vergleichen, inwieweit Erkenntnisse aus der klinischen Forschung zur equinen Endometritis mit den in Deutschland durchgeführten Diagnostik- und Therapiemethoden übereinstimmen. Durch die Analyse der aktuellen Literatur hinsichtlich ihrer Evidenz wurden die unterschiedlichen Diagnostik- und Therapiemethoden untereinander sowie mit den Ergebnissen einer deutschlandweiten Umfrage verglichen. Es zeigte sich in wieweit die Studien mit den Erfahrungen aus der Praxis übereinstimmen und ob die gewählten Methoden der Praktiker wissenschaftlich fundiert sind. Es wurde eine online-Umfrage mit 34 Fragen zur equinen Endometritis an 680 Pferdepraktiker in Deutschland per E-Mail verschickt und die Ergebnisse statistisch ausgewertet. Zudem wurde eine ausführliche Literaturanalyse durchgeführt und 77 Publikationen untersucht, tabellarisch zusammengefasst und in die vier Evidenzstufen nach Arlt und Heuwieser (ARLT u. HEUWIESER 2005) eingeordnet. Eine große Anzahl Pferdepraktiker aus ganz Deutschland mit unterschiedlicher Berufserfahrung und Expertise nahm an dieser Umfrage teil. Es waren 117 Tierärzte aus allen Teilen Deutschlands, vorwiegend aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, den Bundesländern mit den größten deutschen Pferdezuchtgebieten, vertreten. Insgesamt zeigte sich in dieser Arbeit, dass die Mehrheit der deutschen Pferdepraktiker wissenschaftlich fundierte Diagnostik- und Therapiemethoden bei einer equinen Endometritis einsetzen und sie Antibiotika gewissenhaft zur Behandlung bakterieller Infektionen anwenden. Aus den Umfrageresultaten ergab sich weiterhin, dass die meisten deutschen Tierärzte eine Probenentnahme in Kombination mit einer weiterführenden Untersuchung zur Diagnostik einer equinen Endometritis verwenden. Hauptsächlich setzen sie doppelt-geschützte Uteruskulturtupfer mit anschließender mikrobiologischer Untersuchung ein, die jedoch nur bei erregerbedingten Endometritiden erfolgsversprechend sind. Obwohl eine Cytobrush oder Low-Volume-Lavage mit nachfolgender zytologischer Untersuchung eine schnelle, kostengünstige und praktikable Methode bei allen Endometritisformen darstellt, nutzen deutsche Pferdepraktiker diese kaum im Gegensatz zu ihren Kollegen aus Frankreich oder den USA und den Empfehlungen der aktuellen, wissenschaftlichen Forschung. Zur Diagnostik und Therapie equiner Endometritiden verwenden die meisten deutschen Pferdepraktiker evidenzbasierte Methoden, wie eine Uteruslavage, Uterotonika oder Antibiotika bei bakteriellen Infektionen. Der Einsatz von Immunmodulatoren und neueren Behandlungsformen, wie die Low-Volume-Lavage oder die intrauterine Anwendung von Plasma, sind noch nicht weit verbreitet und es finden sich auch einige veraltete Diagnostik- und Therapiemethoden, wie die Verwendung ungeschützter Tupfersysteme oder die intrauterine Therapie mit Polycresulen, auch heute noch bei wenigen deutschen Tierärztinnen und Tierärzten. Bei der Literaturanalyse zeigte sich, dass die Studien größtenteils den höheren Evidenzstufen zugeordnet werden konnten, jedoch waren die Probandenzahlen in den meisten Fällen relativ gering und die Auswahl der Stuten wurde nicht näher erläutert. Dies sollte in künftigen Untersuchungen zur eindeutigeren Vergleichbarkeit verbessert werden. Zudem konnte nur eine Arbeit die Kriterien der höchsten Evidenzstufe erfüllen. Es besteht also ein dringender Aufklärungs- und weiterer Forschungsbedarf im Hinblick auf die vielversprechenden Diagnostik- und Therapiemethoden, die in der deutschen Pferdereproduktionsmedizin noch nicht weit verbreitet sind und zu denen nur wenige Studien hoher Evidenz vorliegen. Außerdem mangelt es trotz einer Vielzahl an Übersichtsarbeiten zur Endometritis an systematischen Reviews bzw. Metaanalysen der vorhandenen wissenschaftlichen Forschung mit einem eindeutigen Analyseprotokoll der einbezogenen Referenzen. Es sollte zukünftig versucht werden, den Transfer der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis zu verbessern. Der Prozess der Entscheidungsfindung von Pferdepraktikern sollte außerdem weiter untersucht werden, um den Wissenstransfer der Forschungsergebnisse in die Praxis verbessern zu können. 

The aim of this dissertation was to compare the extent to which findings from clinical research on equine endometritis correspond with the diagnostic and therapeutic methods used in Germany. By analysing the current literature with regard to its evidence, the different diagnostic and therapeutic methods were compared with each other and with the results of a German nationwide survey. It was shown to what extent the studies correspond with practical experience and whether the methods chosen by practitioners are scientifically sound. An online survey with 34 questions on equine endometritis was sent by e-mail to 680 equine practitioners in Germany and the results were statistically evaluated. In addition, a detailed literature analysis was carried out and 77 publications were examined, summarised in tabular form and classified into the four evidence levels according to Arlt and Heuwieser (ARLT and HEUWIESER 2005). A large number of equine practitioners from all over Germany with different work experience and expertise took part in this survey. There were 117 veterinarians from all parts of Germany, mainly from Lower Saxony, North Rhine-Westphalia and Schleswig-Holstein, the federal states with the largest German horse breeding areas. Overall, this study showed that the majority of German equine practitioners uses scientifically based diagnostic and therapeutic methods for equine endometritis and conscientiously uses antibiotics to treat bacterial infections. The results of the survey also showed that most German veterinarians use a uterine sample collection in combination with a further analysis to diagnose equine endometritis. They mainly use double-guarded uterus culture swabs with subsequent microbiological analysis, which however are only successful in the case of pathogen-related endometritis. Although a cytobrush or low-volume lavage with subsequent cytological analysis is a fast, inexpensive and practicable method for all forms of endometritis, German equine practitioners hardly use it, in contrast to their colleagues from France or the USA and the recommendations of current scientific research. Most German equine practitioners use evidence-based methods for the diagnosis and treatment of equine endometritis, such as uterine lavage, ecbolics or antibiotics for bacterial infections. The use of immunomodulators and newer forms of treatment, such as low-volume lavage or the intrauterine application of plasma, are not yet widespread, and some obsolete diagnostic and therapeutic methods, such as the use of unguarded swab systems or intrauterine therapy with polycresulene, are still used by few German veterinarians today. The literature analysis showed that the studies could for the most part be assigned to the higher evidence levels, but the number of animals was relatively small in most cases and the selection of mares was not explained in detail. This should be improved in future studies for clearer comparability. In addition, only one study met the criteria of the highest evidence level. Thus, there is an urgent need for clarification and further research with regard to the promising diagnostic and therapeutic methods that are not yet widely used in German equine reproductive medicine and for which only a few studies of high evidence are available. Furthermore, despite a large number of reviews on endometritis, there is a lack of systematic reviews or meta-analyses of existing scientific research with a clear analysis protocol of the references included. In future, efforts should be made to improve the transfer of scientific findings into practice. The decision-making process of equine practitioners should also be further investigated in order to improve the knowledge transfer of the research results into practice.

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