Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Evaluierung eines rationaleren Einsatzes von Antibiotika bei der Behandlung der Rhodococcus equi-Pneumonie des Fohlens

Arnold-Lehna, Denise

Das Ziel der ersten Studie war es zu belegen, ob eine bessere Wahl der zu behandelnden Fohlen in einem verringertem Antibiotikaeinsatz resultiert ohne die Fohlengesundheit zu gefährden. Es wurden die wöchentlich erhobenen Daten der an Pneumonie erkrankten Fohlen zwischen 2008 bis 2016 analysiert und die verschiedenen Jahrgänge untereinander verglichen, resultierend in 2756 inkludierten Fohlen. Alle Fohlen wurden auf dem Gestüt im Rahmen eines strikten Gesundheitsüberwachungsprogrammes einmal wöchentlich über einen Zeitraum von viereinhalb Monaten ab der zweiten Lebenswoche klinisch, sonografisch und hämatologisch untersucht. Vor 2012 wurde die Entscheidung zur Behandlung basierend auf schweren klinischen Anzeichen (Fieber >39,5°C, Dyspnoe, Tachypnoe) bei Ausschluss anderer Erkrankungen wie zum Beispiel Druse und / oder sonografischen Konsolidierungen größer einem Zentimeter Durchmesser getroffen. Von 2012 bis 2016, wurden Fohlen behandelt, die klinischen Anzeichen, wie auch zuvor, zusammen mit einem Abszess-Score von mindestens 8cm zeigten. Der minimale Abszess-Score bei Therapiebeginn hat sich über die Jahre beruhend auf gleichzeitig laufenden Studien insgesamt von einem Median von 4cm auf 11.5cm gesteigert. Von allen Fohlen, die eine Bronchopneumonie gezeigt haben, wurden 2008-2011 (n= 1215) 81,5% der Fohlen antibiotisch therapiert, 2012-2016 (n=1541) nur noch 50,9%, P<0,001. Die Anzahl an Fohlen, bei denen es zu einer Verschlechterung der klinischen und / oder sonographischen Lungenbefunde unter Therapie kam, und die auf eine andere Antibiotika-Behandlung umgestellt werden mussten, ist signifikant von 20,3% auf 5,9% gesunken und der Prozentsatz der Rückfälle von 20,6% auf 11,6%. Die Prozentzahl an Fohlen, die an einer Bronchopneumonie verstorben sind, hat sich nicht signifikant zwischen 2008-2011 und 2012-2016 erhöht (0,41% versus 0,58%, P=0,59). Die vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass zielgerichtete Behandlungsprotokolle, bei denen Fohlen erst mit größeren pulmonalen Läsionen behandelt werden, in einem geringeren Einsatz von Antibiotika resultieren, ohne dabei das Überleben der Fohlen zu gefährden. Der Therapiebeginn im späteren Verlauf der Erkrankung wird von den Fohlen gut toleriert und führt zudem zu keiner erhöhten Rezidivrate, und sogar die Häufigkeit der Verschlechterung unter Therapie wurde reduziert. Somit zeigt diese Studie, dass eine Abänderung des Behandlungsprotokolls, Ausschluss von Fohlen mit kleinen Läsionen und mit lediglich milden respiratorischen Symptomen, sicher für die betroffenen Fohlen ist und die Menge an verabreichten Antibiotika reduziert wird. Die anschließende, zweite Studie über die Jahre 2012 bis 2016 hatte das Ziel zu zeigen, ob es einen Unterschied in der Überlebensrate bei der Behandlung der Bronchopneumonie bei Fohlen zwischen der Kombination von Rifampicin / Azithromycin und Rifampicin / Tulathromycin gibt. Auch hier galten die vorherig beschriebenen, wöchentlichen Untersuchungen der Fohlen als Grundlage der erhobenen Parameter. Die Gegenüberstellung von Rifampicin / Azithromycin und Rifampicin / Tulathromycin mit Bezug auf das Therapieversagen definiert als Verschlechterung klinischer und / oder sonographischer Lungenbefunde unter Behandlung mit dem Resultat einer Therapieumstellung, ergaben, dass es einen signifikanten Unterschied zwischen den zwei Antibiotika-Protokollen gibt. Insgesamt 9,1% (32 Fohlen aus 353) zeigten ein Therapieversagen unter Rifampicin / Azithromycin und 4,7% (19 Fohlen aus 406) unter Rifampicin / Tulathromycin, P=0.016. In der Kaplan-Meier Analyse gibt es zudem einen signifikanten Unterschied zwischen den zwei Therapieprotokollen hinsichtlich der Überlebensfunktion. Das Auftreten von Mortalität durch R. equi-Pneumonie war höher in Fohlen behandelt mit Rifampicin / Azithromycin 2,3% (8 aus 353) als in Fohlen behandelt mit Rifampicin / Tulathromycin 0% (0 aus 406). Unabhängig vom Jahr wurden auf dem Gestüt Fohlen mit einer milden Pneumonie mit Rifampicin / Tulathromycin und Fohlen mit schweren Pneumonien mit Rifampicin / Azithromycin behandelt, was die Beurteilung der Statistik beeinflusst. Nach dem Anpassen der Variablen - das jeweilige Jahr, das Alter der Fohlen bei Beginn der Therapie und dem Abszess-Score - war das Risiko eines Therapieversagens in keiner der beiden Therapieformen signifikant kleiner. Dieses Ergebnis suggeriert, dass die Kombination von Rifampicin / Tulathromycin als Behandlung von milder bis mittelschwerer Pneumonie der Standardtherapie Rifampicin / Azithromycin nicht untergeordnet zu sein scheint.

The aim of the first study was to evaluate whether targeted treatment protocols resulting in decreased antimicrobial use impact foal mortality rates. Weekly medical data of foals born in the seasons 2008 and 2016 that developed pneumonia were collected and analysed retrospectively, resulting in a total enrolment of 2756 foals with pneumonia. All foals were examined once weekly starting at the age of two weeks until four months of age. A physical examination of the respiratory tract, body temperature, haematology and an ultrasonographic examination of the lungs were included. Before 2012, the decision to treat was based on the presence of severe clinical signs (fever > 39,5°C, dyspnoea, tachypnoea) in exclusion of other disorders for example strangles and/or sonographic evidence of pulmonary consolidation exceeding 1cm in diameter. From 2012 to 2016, the decision to treat was based on the presence of clinical signs, as above, in addition to a minimum abscess score of 8cm. Between the two time periods 2008-2011 and 2012-2016, the abscess score at the beginning of treatment increased from a median of 4-11.5 cm. From all foals that developed R. equi pneumonia, 81.5% received antibiotic treatment in 2008-2011 (n = 1215) compared to 50.9 % in 2012-2016 (n = 1541). The failure of treatment was assessed by an increase of severity of pulmonary findings during treatment, resulting in alteration of antibiotic administered. The failure of treatment decreased significantly from 20.3% to 5.9%, and the recurrence of pulmonary abscesses after cessation of treatment also decreased significantly from 20.6% to 11.6%. The percentage of foals that died of pneumonia or R. equi infections did not differ significantly between 2008-2011 and 2012-2016 (0.41% versus 0.58%, respectively; P = 0.59). The aim of the second part of the study, including the years 2012 till 2016, was to show if there is a difference in the survival rate between the combination of rifampin / azithromycin and rifampin / tulathromycin. Treatment failure was defined as a worsening clinical condition that required switching to a different drug, or death due to R. equi pneumonia. In a univariate comparison of the two treatments, there was a higher incidence of treatment failure in foals treated with rifampin / azithromycin 9,1% (32 out of 353 foals) than in foals treated with rifampin / tulathromycin 4,7% (19 out of 406 foals). In a Kaplan-Meier analysis, there was also a significant difference between the two treatments with respect to their survival functions. The incidence of mortality due to R. equi pneumonia was higher in foals treated with rifampin / azithromycin 2,3% (8 / 353) than in those treated with rifampin / tulathromycin 0% (0 / 406). Independent of the year, foals with mild to moderate pneumonia were treated with the combination of rifampin / tulathromycin, and foals with more severe pneumonia were treated with rifampin / azithromycin. After adjusting for year, age of foals, and ultrasound score at the beginning of treatment, the risk of treatment failure was not significantly lower for foals treated with rifampin / tulathromycin compared to those treated with rifampin / azithromycin. In conclusion, rifampin / tulathromycin is an effective treatment for foals with mild to moderate pneumonia.

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Arnold-Lehna, D., 2020. Evaluierung eines rationaleren Einsatzes von Antibiotika bei der Behandlung der Rhodococcus equi-Pneumonie des Fohlens. Hannover.
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