Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Paramphistomidose : eine Übersicht zu Epidemiologie und klinischer Symptomatik

Wenzel, Christoph; Küchler, Andrea; Strube, Christina GND; Knubben-Schweizer, Gabriela

Zusammenfassung Die Paramphistomidose ist eine weltweit auftretende parasitäre Erkrankung bei diversen Wiederkäuern, ausgelöst durch verschiedene Pansenegelarten (u. a. Paramphistomum cervi, Calicophoron daubneyi und Paramphistomum leydeni). In Europa sind lokale Vorkommen von Pansenegelinfektionen bei Haus- und Wildwiederkäuern seit Jahrzehnten beschrieben. Mittlerweile gibt es Hinweise, dass die Paramphistomidose an Bedeutung gewinnt, denn in Großbritannien, Irland, Frankreich, Spanien, Belgien und den Niederlanden wurden teilweise hohe Prävalenzen festgestellt. Aktuelle Prävalenzdaten aus Deutschland liegen nicht vor. In neueren Untersuchungen in Norddeutschland, Hessen und Bayern konnte Calicophoron daubneyi, die auch in Europa aktuell am häufigsten vorkommende Pansenegelart, nachgewiesen werden. Die Entwicklung des Pansenegels ist an Zwischenwirte aus der Familie der Wasserlungenschnecken gebunden. Calicophoron daubneyi und der Große Leberegel Fasciola hepatica teilen im Laufe ihrer Entwicklung den gleichen Zwischenwirt, die Zwergschlammschnecke Galba truncatula. Der Endwirt nimmt die infektiösen Metazerkarien auf. Im Dünndarm schlüpfen die jungen Pansenegel und heften sich im Duodenum an. Danach wandern sie in den Pansen ein, wo sie als Adulte anfangen, Eier auszuscheiden. Die Infektion kann während der intestinalen Phase zu schwerem Durchfall und bei hoher Befallsintensität zum Tod führen. Die ruminale Paramphistomidose verläuft in den meisten Fällen subklinisch. Aktuell steht zur Diagnostik der koproskopische Einachweis mittels Sedimentationsverfahren zur Verfügung. Aufgrund der Ähnlichkeit besteht die Gefahr der Verwechslung mit Eiern des Großen Leberegels. Die Paramphistomidose kann mit Oxyclozanid behandelt werden. Über die Wirksamkeit anderer Wirkstoffe liegen widersprüchliche Ergebnisse vor. Umso wichtiger erscheint die Prophylaxe dieser Parasitose. Bekämpfungsvorschläge richten sich aufgrund der ähnlichen Epidemiologie nach den Empfehlungen, die zur Vorbeugung der Fasziolose abgegeben werden. Ob es sich bei der Paramphistomidose auch in Deutschland um eine sich ausbreitende Infektionskrankheit handelt, kann aktuell noch nicht beurteilt werden.

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Wenzel, Christoph / Küchler, Andrea / Strube, Christina / et al: Paramphistomidose. eine Übersicht zu Epidemiologie und klinischer Symptomatik. 2019.

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