Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Raumnutzung und Überlebensraten bei juvenilen Feldhasen (Lepus europaeus)

Voigt, Ulrich

Die vorliegende Arbeit untersucht die Überlebensraten und das Raumnutzungsverhalten bei freilebenden juvenilen Feldhasen von der Geburt bis zur fünften Lebenswoche. Junghasen wurden zwischen Februar und Mai bzw. Juli und September erstmalig systematisch mittels Thermografie (N=394) aufgespürt und mit Radio-Telemetriesendern versehen oder markiert. Die Überlebenskurven wurden nach Kaplan-Meier berechnet (N=229). Die mittlere Überlebensrate der Junghasen betrug gesamthaft 0,33 sowie 0,63 in der ersten, 0,52 in der zweiten, 0,44 in der dritten und 0,37 in der vierten Lebenswoche. In den ersten 7 Tagen nach der Geburt traten 21,6 % aller eindeutig bestätigten Todesfälle auf und bis zum Ende der zweiten Lebenswoche etwa 50 %. Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen den Überlebensraten zwischen den Geschlechtern und den Jahreszeiten. Im Gegensatz dazu starben Junghasen häufiger, wenn sie ein Tagesversteck ohne Deckungsmöglichkeit wählten und frei sichtbar waren. Die Tagesruheplätze und die Lokalisationen in der Nacht sowie die Entfernungen, die Junghasen mit dem Älterwerden zwischen den Tages- bzw. Nachtpositionen zurücklegten, wurden mit verallgemeinerten linearen Mixed-Effekt-Modellen (GLMM) bewertet (NTiere = 122). Eine konservative Habitat-Nutzung-Verfügbarkeitsanalyse ergab, dass tagsüber 30,5 % aller Junghasen Kulturflächen und 69,4 % lineare oder kleine planare Strukturen nutzten, wobei Randstreifen von Feldwegen, Hecken und Ruderalstrukturen eindeutig bevorzugt wurden. In der Nacht nutzten 93 % aller Junghasen, die tagsüber lineare Strukturen aufsuchten, die angrenzenden Agrarflächen im Nahbereich bis zu 20 m von der nächsten linearen Struktur auf. Die Tageszeit und das Alter von Junghasen haben einen signifikanten Einfluss auf die zurückgelegte Distanz. So verringerte sich der Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Tageslokalisationen verringerte sich um 1,03 m pro Tag und erhöhte sich nachts um 1,06 m pro Tag. Dieses wird auch durch die Beobachtung bestätigt, dass mit der Auflösung des Wurfes nach dem dritten Lebenstag etwa 76 % aller Jungtiere an aufeinanderfolgenden Tagen dasselbe Tagesversteck nutzten. Sie zeigen, dass das Vorhandensein von Deckungsmöglichkeiten einen überlebenswichtigen Stellenwert in der frühen Lebensphase einnimmt.

The present work research the survival rates and habitat use of free-living juvenile European hares from birth until the fifth week of life where weaning is almost complete. Juvenile hares were systematically detected by means of thermography (n=394) between February and May or July and September for the first time, and fitted with radio-transmitters or marked. Kaplan-Meier survival curves are computed (n=229). The overall 40 days-survival rate of radio-tagged juveniles were 0.33, and 0.63, 0.52, 0.44 and 0.37 for the first, second, third and fourth week of life, respectively. Approximately 21.6 % and 50 % of all clearly confirmed deaths occurred during the first 7 and 13 days after birth. There was no significant difference in survival between the sexes and seasons. In contrast, young hares died more frequently by choosing a hiding place without shelter at daytime. The day-resting places and night locations, as well as the distance moved by leverets with aging, were evaluated by generalized linear mixed effect models (n animals=122). In addition, the habitat preference was assessed by a conservative use-availability analysis. Up to the fifth week of life, 30.5 % of all leverets used cultivated areas in the daytime. In contrast, the remaining 69.4 % animals inhabitated linear or small planar structures in the daytime, with the edges of field tracks, hedges and some ruderal structures clearly being preferred. At nighttime, 93 % of all juveniles, which occupied linear structures in the daytime, used the adjoining fields up to 20 m away from the next linear structure. The time of day and age have a significant influence on the distance moved by juvenile hares. With increasing age, leverets moved less during the day and roamed further at night. Thus, the distance between two consecutive localizations during the daytime decreased by 1.03 m per day and increased by 1.06 m per at nighttime. This is also confirmed by the observation after litter broke up, radio-tagged leverets were found in 76 % of all observations at the same daytime resting place on consecutive days. They reveal that the existence of day hiding places is vitally important for juveniles in early life stages.

Cite

Citation style:

Voigt, Ulrich: Raumnutzung und Überlebensraten bei juvenilen Feldhasen (Lepus europaeus). Hannover 2019. Tierärztliche Hochschule Hannover.

Could not load citation form. Default citation form is displayed.

Rights

Use and reproduction:
All rights reserved

Export