Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Assoziation des Auftretens von PCV2 zu pathomorphologischen und pathohistologischen Läsionen sowie Koinfektionen bei Schweinen

Schelleckes, Sandra

Das porzine Circovirus Typ 2 (PCV2) ist ein weltweit verbreiteter, ubiquitär in der Schweinepopulation vorkommender Erreger. Eine PCV2-Infektion kann sowohl subklinisch als auch mit klinisch ausgeprägten Krankheitsbildern verlaufen. Zudem liegen häufig sekundäre Infektionen mit anderen Erregern vor, die einen negativen Einfluss auf den Verlauf und die klinische Ausprägung der Erkrankung nehmen können. Da die klinischen Symptome einer Infektion mit PCV2 häufig unspezifisch sind, sollte ein klinischer Verdacht oder das Vorliegen von pathomorphologischen Veränderungen stets durch eine pathohistologische Untersuchung und einen Erregernachweis abgesichert werden. Die Diagnostikmethode der Wahl für den Erregernachweis ist die quantitative PCR (qPCR). Das Ziel der vorliegenden Arbeit war eine nähere Betrachtung der PCV2‑Routinediagnostik in einer Untersuchungseinrichtung. In die Auswertung wurden Befunddaten von 850 Schweinen, die einer Untersuchung auf PCV2 unterzogen wurden und 850 Schweinen, bei denen keine Untersuchung auf PCV2 durchgeführt wurde, einbezogen. Die Auswertung umfasst den Vergleich PCV2-positiv mit negativ klassifizierten Tieren sowie den Vergleich PCV2-untersuchter mit nicht untersuchten Schweinen. In der statistischen Analyse wurden Assoziationen zwischen dem PCV2-Nachweis bzw. dem PCV2-Untersuchungsstatus und einer Vielzahl möglicher Einflussfaktoren geprüft. Dazu gehörten Daten aus dem Vorbericht, pathomorphologische Befunde, pathohistologischen Befunde sowie die Ergebnisse der Untersuchungen auf Koinfektionen. Die statistische Auswertung der Daten umfasst eine univariable Auswertung, auf deren Grundlage abschließend eine multivariable Analyse vorgenommen wurde. In der univariablen Auswertung konnten für diverse Variablen statistisch auffällige Effekte festgestellt werden, die allerdings nur zum Teil in der multivariablen Auswertung zu bestätigen waren. Der Vergleich der PCV2-positiv klassifizierten Schweine mit den negativen Schweinen ergab in der multivariablen Auswertung unter anderem, dass die markantesten klinischen Symptome des PMWS, mäßiger bis schlechter Ernährungszustand und Hyperplasie der Inguinallymphknoten mit dem Nachweis von PCV2 assoziiert sind. Diese für das PMWS typischen Befunde zeigen, dass das PMWS trotz der inzwischen in sehr vielen Beständen angewandten Impfung gegen PCV2 weiterhin vorkommt und somit im Fokus der Diagnostik bleiben muss. Bei Feststellung dieses Krankheitsbildes sollten von der Impfung bis zum allgemeinen Immunstatus der Tiere alle Einflussfaktoren auf die Erregerexposition und Koinfektionen kritisch überprüft werden. Der Vergleich PCV2-untersuchter mit nicht untersuchten Schweinen ergab in der multifaktoriellen Auswertung Effekte für die Variablen Todesart, Altersklasse, Ernährungszustand, Hyperämie des Lungengewebes und Veränderungen an den Bronchien. Die jeweiligen Untersucher hatten häufiger eine PCV2-Diagnostik eingeleitet, wenn Tiere der Altersklasse „Mastschwein“ zugeordnet wurden oder die Tiere einen mäßigen Ernährungszustand hatten. Bei der Anlieferung toter Tiere, bei Feststellung einer Hyperämie des Lungengewebes oder abweichenden Befunden an den Bronchien wurden dagegen signifikant seltener Untersuchungen auf PCV2 eingeleitet. Die Entscheidung eines Untersuchers, eine PCV2-Diagnostik einzuleiten, war somit hauptsächlich vom Vorliegen eines mäßigen Ernährungszustandes, einem der Leitsymptome des PMWS, beeinflusst. Für andere Symptome konnte dieser Effekt dagegen nicht nachgewiesen werden. Mögliche Erklärung für dieses Ergebnis ist, dass die Untersucher andere Befunde als den Ernährungszustand nicht gezielt zum Anlass genommen haben, eine Untersuchung auf PCV2 einzuleiten. Zudem kommt aber auch in Betracht, dass die Untersuchung aus Kostengründen, ungeachtet eines entsprechenden Verdachts, teils nicht eingeleitet wurde oder dass die Untersuchungen auf PCV2 vom Einsender ungeachtet der pathomorphologischen Befunde gewünscht wurde. Beide Szenarien würden die Analyse von Befunden, die einen Untersucher zur Einleitung einer PCV2-Diagnostik veranlassen, empfindlich stören. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Untersuchung von Schweinen in der Routinediagnostik von anderen Faktoren als ausschließlich dem Ziel einer umfassenden differentialdiagnostischen Abklärung der Krankheits-/Todesursache beeinflusst wird.

The porcine circovirus type 2 (PCV2) is a widespread, ubiquitously occurring pathogen in the swine population worldwide. The PCV2-infection can follow not only a subclinical course but can also occur with clinical manifestations. Frequently, secondary infections with other pathogens are also present, which can negatively influence the course and the clinical severity of the disease. As the clinical symptoms of an infection with PCV2 are frequently non-specific, clinical suspicion or pathomorphological changes should always be confirmed by means of a pathohistological examination and pathogen detection. The diagnostic method of choice for the pathogen detection is the quantitative PCR (qPCR). The aim of the present study was to examine PCV2 routine diagnostics more closely in testing facilities. Diagnostic data of 850 swine which had been examined for PCV2 and 850 swine where no examination for PCV2 had been conducted were included in the evaluation. The evaluation comprised a comparison of PCV2-positive and PCV2‑negative classified animals as well as a comparison between those animals which had been examined for PCV2 and those which had not been examined. In the following statistical analyses, associations between PCV2 detection or PCV2 examination status and a variety of possible influencing factors were tested. These included data from the preliminary report, pathomorphological findings, pathohistological findings as well as the results of co-infection examinations. The statistical evaluation of data included a univariate analysis, on the basis of which a multivariate analysis was performed. In the univariate analysis, statistically noticeable effects could be determined for individual variables, which, however, were only partly confirmed in the multivariate analysis. The comparison of the PCV2-positive classified swine with the PCV2‑negative animals revealed in the multivariate analysis, among other things, that the most pronounced clinical symptoms of post-weaning multi-systemic wasting syndrome (PMWS), moderate to severe nutritional state and hyperplasia of the inguinal lymph nodes are associated with the detection of PCV2. These findings, typical for PMWS, demonstrate that PMWS still prevails, despite the vaccination against PCV2 meanwhile being administered in very many herds, and that it therefore must remain in the focus of diagnostics. When diagnosing the symptoms, all influencing factors on the pathogen exposure and co-infections, from the vaccination to the general immune status of the animals, should be critically examined. When comparing the PCV2-examined swine with those which had not been examined, the multivariate analysis revealed effects for the variables “type of death”, “age group”, “nutritional state”, “hyperaemia in lung tissue” and “bronchial changes”. The respective examiners had initiated PCV2 diagnostic investigations more often when animals were allocated to the age group “fattening pig” or the animals had a moderate nutritional state. In contrast, in the case of the delivery of dead animals, diagnosis of hyperaemia of lung tissue or findings for the bronchia deviating from the norm, PCV2-diagnostic investigations were initiated significantly seldom. The decision of an examiner to initiate a PCV2-diagnostic investigation was therefore mainly influenced by the existence of a moderate nutritional state, one of the leading symptoms of PMWS. On the other hand, this effect could not be proved for other symptoms. A possible explanation for this finding is that the examiners did not take other findings other than those on nutritional state as a reason for initiating diagnostic investigations. Additionally, it should be considered that the investigation due to cost factors, regardless of any suspicion of PCV2 was partly not initiated or the investigations on PCV2 were desired by those who had sent in samples regardless of pathomorphological findings. Both scenarios would harm the analysis of findings which prompt an examiner to initiate a PCV2-diagnostic investigation. In conclusion, the investigation of swine in routine diagnostics is influenced by other factors than only those included in a comprehensive differential diagnostic assessment of the disease/cause of death.

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Schelleckes, Sandra: Assoziation des Auftretens von PCV2 zu pathomorphologischen und pathohistologischen Läsionen sowie Koinfektionen bei Schweinen. Hannover 2019. Tierärztliche Hochschule Hannover.

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