Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Kongenitale okuläre Missbildungen bei Schafen

Meilwes, Johanna Maria

Kongenitale Augenveränderungen spielen bei Schafen eine wichtige Rolle, wobei diverse Augenveränderungen bei Schafen bekannt sind. Hierzu gehören bilaterale Mikrophthalmie bei Texelschafen, Tagblindheit bei Awassi Schafen sowie der „Split Upper Eylid Defect“ bei mehrhörnigen Schafrassen oder die kongenitale Katarakt. Ziel dieser Arbeit ist es, das Vorkommen von kongenitalen okulären Veränderungen in deutschen, insbesondere norddeutschen, Schafherden zu ermitteln. Die Arbeit setzt sich aus den Ergebnissen einer Umfrage zum Vorkommen von Entropium sowie einer Einzelfallbeschreibung eines okulären Dermoids bei einem Leineschaf zusammen. Mittels eines Fragebogens wurde das Vorkommen von Entropium in insgesamt 107 unterschiedlichen Schafherden aufgearbeitet. Folgende Ergebnisse können festgehalten werden: In der Hälfte der Herden ist in der Vergangenheit bereits Entropium aufgetreten. Es zeigte sich, dass in Herden mit mehr als 50 Schafen (Anteil: 41%) Entropium signifikant häufiger auftritt, als in kleineren Herden mit weniger als 50 Muttertieren (Anteil: 59%) (72,7% vs. 36,5%; p< 0,001). Die Prävalenz hingegen ist in kleineren Herden in denen Entropium auftritt, größer als in großen Herden (Korrelation nach Spearmann: -0,714, p< 0,001). Die anhand der Befragung ermittelten Prävalenzen lagen zwischen <1% bis 75%. Texelschafe scheinen eine besondere Prädisposition für diese Missbildung zu haben. Insgesamt konnten jedoch 11 Rassen ermittelt werden, in denen Entropium grundsätzlich aufgetreten ist. Eine Vielzahl verschiedener Behandlungsmethoden zur Korrektur von Entropium wird in den Beständen genutzt. Das Ausrollen des betroffenen Augenlids mit Hilfe von Michelklammern stellt die am häufigsten eingesetzte Methode dar, jedoch bleibt Entropium in einigen Herden auch unbehandelt. Die Ergebnisse zeigen, dass Entropium als kongenitale Missbildung in Herden mit verschiedenster Rasse- und Größenstruktur eine wesentliche Rolle spielt. Weitere gezielte Untersuchungen in den Beständen sind notwendig, um nähere Kenntnisse über das Vorkommen und familiäre, erbliche Dispositionen von Entropium zu erlangen. Insgesamt fehlt in der Schafhaltung die systematische Erfassung von Missbildungen, wodurch die Ermittlung von potentiellen Erbfehlern aber auch anderer teratogener Ursachen erleichtert werden könnte. Entropium sollte unter dem Aspekt von Tierschutz eine größere Bedeutung beigemessen und Tierhalter sollten stärker sensibilisiert und geschult werden. Im Rahmen dieser Arbeit konnte zusätzlich der Fall eines okulären Dermoids bei einem Schaf aufgearbeitet und publiziert werden. Bei einem sechs Monate alten Leineschaf wurden klinisch okuläre Dermoide auf der Kornea sowie den Konjunktiven auf dem linken Auge und eine vollständige Blindheit auf dem betroffenen Auge diagnostiziert. Das rechte Auge war physiologisch ausgebildet. Die Veränderungen waren begleitet von einer Konjunktivitis sowie einer Entzündung der Augenumgebung. Am euthanasierten Tier wurde der klinische Befund durch die histopathologische Untersuchung bestätigt. Sowohl die konjunktivale als auch die korneale Veränderung wiesen ein mehr­schichtiges verhorntes Plattenepithel und ein Stroma aus kollagenreichen Bindegewebszügen und Hautanhangsgebilde wie Haarfollikel und Talgdrüsen auf. Zusätzlich wurden eine Mikrophthalmie und Aphakie des linken Auges diagnostiziert. Bei Hereford-Rindern ist für das Vorkommen von okulären Dermoiden eine familiäre Häufung sowie ein autosomal rezessiver Erbgang bekannt. Bei Schafen scheint es sich nach bisherigem Wissensstand um eine sporadische Veränderung des Einzeltieres zu handeln. Bei dem vorliegenden Fall liegen keine Hinweise auf Inzucht oder familiäre Häufungen vor. Es handelte es sich um eine solitäre Veränderung am Auge. Bei anderen Tierarten aber auch beim Menschen ist das Vorkommen okulärer Dermoide mit anderen Missbildungen, insbesondere kardiovaskulären Veränderungen, verbunden. Missbildungen anderer Organe wurden im Rahmen der pathohistologischen Untersuchung bei dem untersuchten Leineschaf nicht gefunden.

In sheep congenital malformations of the eyes can be considered as relevant. Various ocular eye changes are already known in sheep, for example bilateral microphthalmia in Texel Sheep, day blindness in Awassi Sheep and the Split Upper Eylid defect in multihorned sheep breeds as well as the congenital cataract. The aim of this work is to determine the occurrence of congenital ocular malformation in German sheep flocks, mainly in northern Germany. This work includes the results of a survey on the occurrence of entropion and furthermore a description of the individual case of ocular dermoids in a Leine Sheep. A questionnaire was used to examine the occurrence of entropion in a total of 107 different sheep flocks. The following results can be summarized: Entropion has already occurred in half of the evaluated flocks. Flocks with more than 50 ewes are significantly more affected (proportion: 41%) than flocks keeping less than 50 ewes (72.7% vs. 36.5%, p <0.01. The intra- flock prevalence in small herds, if entropion is present, is higher than in big flocks (Spearmann correlation: -0.714, p <0.001). The estimated intra-flock prevalence ranges from 1% to 75%. Entropion was detected in a total of 11 breeds. A variety of different treatment methods for the correction of entropion are used in the flocks. Rolling out the affected eyelid and fixation by Michel clips is the most commonly used method. But several farmers reported that entropion remains untreated in their flocks. In conclusion entropion plays an important role as congenital malformation in different flocks. Further studies are necessary to gain further knowledge about the occurrence of entropion. Overall, there is no systematic recording of malformations in sheep farming. A recording system could facilitate the identification of potential hereditary defects as well as other teratogenic causes. With regard to animal welfare, sheep farmers should be informed about entropion and concrete treatment recommendations should be worked out. In the context of this work, the case of an ocular dermoid in a sheep was investigated and published. In the 6-months-old Leine Sheep ocular dermoids involving cornea and conjunctiva were diagnosed in the left eye. The right eye was developed physiologically. The affected eye was totally blind. The malformations were accompanied by conjunctivitis and inflammation of the eye environment. Clinical findings could be confirmed by histopathological examination of the euthanized animal. Both, the conjunctival and corneal dermoid showed a multi-layered keratinized squamous epithelium and a stroma consisting of collagen-rich connective tissue and skin appendages (hair follicles, sebaceous glands). In addition, microphthalmia and aphakia of the left eye were diagnosed. In Hereford cattle the incidence of ocular dermoids is known to be particularly evident in families and autosomal recessive heredity has been ascertained. According to current knowledge, ocular dermoids seem to be sporadic malformations in sheep. In the present case there is no evidence of inbreeding or familial clustering. In other animal species as well as humans, the occurrence of ocular dermoids can also be associated with other malformations, especially cardiovascular changes. Malformations of other organs were not found during the pathohistological examination of the Leine Sheep.

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Meilwes, Johanna: Kongenitale okuläre Missbildungen bei Schafen. Hannover 2019. Tierärztliche Hochschule Hannover.

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