Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zur Bildgebung des Kaninchenohres mit besonderer Berücksichtigung der Diagnostik einer Otitis bei unterschiedlichen Kaninchenrassen

Reuschel, Maximilian

Erkrankungen des Ohres kommen beim Kaninchen häufig vor und vor allem Widderkaninchen gelten aufgrund ihrer Schlappohren als prädisponiert. Allerdings fehlen bisher umfassende Untersuchungen, die Prävalenzunterschiede bei Stehohr- und Widderkaninchen belegen. Beim Kaninchen wird weitgehend das Röntgen zur Diagnostik von Erkrankungen des Ohres empfohlen. Aber auch beim Kaninchen kommt die Computertomografie immer häufiger zum Einsatz. Außerdem ist die physiologische Flora des Gehörganges bei dieser Tierart noch weitgehend unbekannt. Die vorliegende Arbeit hatte daher zum Ziel das Vorkommen von pathologischen Veränderungen am Ohr in Bezug auf Prävalenzunterschiede zwischen Stehohr- und Widderkaninchen zu untersuchen und die beiden Diagnostika Röntgen und Computertomografie zu vergleichen. Außerdem wurde anhand von Messungen knöcherner Strukturen der Ohren und des Kopfes an computertomografischen Aufnahmen die Anatomie von Stehohr- und Widderkaninchen untersucht. Zusätzlich wurden sowohl von erkrankten als auch von gesunden Kaninchen mikrobiologische Untersuchungen ausgewertet. Ausgewertet wurden insgesamt 388 computertomografische Aufnahmen im Hinblick auf eine Füllung der Bulla tympanica und des knöchernen Gehörgangs mit röntgendichterem Material als Luft sowie Knochenveränderungen an der Bulla tympanica. Außerdem konnten bei 216 Kaninchen Röntgenaufnahmen und computertomografische Aufnahmen des Schädels verglichen werden. Zusätzlich wurde von 20 Schädeln von Versuchskaninchen (Weiße Neuseeländer) sowohl eine klinische Computertomografie und Röntgen als auch eine Mikrocomputertomografie durchgeführt. An diesen Schädeln wurden Versuche mit einer Applikation von Kontrastmittel in den äußeren Gehörgang und die Tuba auditiva vorgenommen, um die Darstellung sehr feiner Strukturen, wie Trommelfell und Tuba auditiva, zu ermöglichen. Für die Vermessung der Schädel und knöchernen Ohrstrukturen wurden insgesamt 76 Kaninchen ausgewählt, die in der Bildgebung ohne Veränderung waren und in die drei Gruppen Stehohr-, Widder- und Versuchskaninchen eingeteilt. Mikrobiologische Untersuchungen lagen insgesamt von 86 Kaninchenohren vor, davon stammten 42 Proben aus klinisch gesunden Gehörgängen und dienten der Beschreibung der physiologischen Flora. Das physiologische Keimspektrum lag hauptsächlich im grampositiven Bereich. Staphylokokken, Streptokokken, Bacillus sp. und Enterokokken stellten den Hauptteil der Isolate. Die pathologische Flora wies deutlich mehr gramnegative und anaerobe Isolate auf. Staphylococcus aureus war nur bei erkrankten Kaninchen nachweisbar. Fast die Hälfte der mikrobiologischen Proben aus einer veränderten Bulla tympanica war ohne bakteriellen Keimgehalt. Pasteurellen, die als typisch für eine Otitis media beim Kaninchen gelten, wurden in keinem Mittelohr gefunden. Im Vergleich der Röntgenaufnahmen mit den computertomografischen Aufnahmen zeigte sich, dass das Röntgen in Bezug auf eine Füllung der knöchernen Gehörgänge deutlich häufiger nicht beurteilbar war. Insgesamt bestand zwischen Röntgen und Computertomografie eine gute Übereinstimmung, allerdings kommt im Röntgen eine nicht zu vernachlässigende Anzahl an falsch-negativen und falsch-positiven Ergebnissen vor. Bei Widderkaninchen kamen alle von der Norm abweichenden Befunde in der Computertomografie höchst signifikant häufiger vor als bei Stehohrkaninchen. Anhand der Vermessung der Schädel und dem Vergleich der daraus gebildeten Indices zeigte deutlich eine Verkürzung der Schädel der Heimtierkaninchen im Vergleich zu den Versuchskaninchen. Besonders der Gesichtsschädel war bei den Heimtierkaninchen verkürzt. Auch an den knöchernen Ohrstrukturen zeigten sich vor allem an den Gehörgängen Unterschiede zwischen den Gruppen. In der Mikrocomputertomografie gelang es die Tuba auditiva und das Trommelfell mittels Kontrastmittel darzustellen. Die vorliegende Arbeit konnte die in der Literatur beschriebene Prädisposition von Widderkaninchen für Ohrerkrankungen belegen. Zusätzlich zu der bereits in der Literatur beschriebenen Verengung des Gehörgangs durch die Schlappohrbildung konnten weitere anatomische Veränderungen bei Widderkaninchen gefunden werden. Inwieweit die nachgewiesene Veränderung der Schädelform hin zu einer Brachyzephalität auch bei Kaninchen, ähnlich wie beim Hund, eine Prädisposition für Veränderungen am Mittelohr darstellt, muss in weiteren Untersuchungen geklärt werden.

Diseases of the ear are common in rabbits and especially lop-eared rabbits are considered to be predisposed. But profound studies on prevalence differences in lop and non-lop rabbits are still missing. In rabbits radiography is the recommended diagnostic tool to diagnose ear diseases. However also in rabbits computed tomography is increasingly used. Furthermore, the physiologic microflora of the rabbit ear is nearly unknown. The aim of the current study was to investigate the occurrence of pathologic changes in rabbit ears with a focus on differences between lop and non-lop rabbits. Furthermore, it was the aim to compare the diagnostic tools of radiography and computed tomography. Additionally, the ear and head anatomy of lop and non-lop rabbits was investigated using measurements of bony structures in computed tomographic images. Microbiologic cultures of healthy and rabbits with ear disease were performed as well. Altogether 388 computed tomographic scans were evaluated. The occurrence of a filling of the tympanic bulla and the bony acoustic meatus with more radiopaque material than air and bony alterations of the tympanic bulla was investigated. Additionally, radiographic and computed tomographic images of the head of 216 rabbits were compared. In 20 heads of laboratory rabbits (New Zealand white rabbits) a clinical computed tomography, radiography and micro-computed tomography was performed. With these heads application of contrast media into the external acoustic meatus and the auditory tube was performed to visualize fine structures like the tympanic membrane and the auditory tube. Head measurements were performed on 76 rabbits with no abnormalities in the diagnostic imaging. Those rabbits were categorized in a non-lop, lop and laboratory rabbits group. Microbiologic examinations were performed on 86 rabbit ears thereof 42 were out of healthy external auditory canals. These 42 were used to describe the physiologic flora of the rabbit ear. The physiologic spectrum was mainly gram-positive. Staphylococcus sp., Streptococcus sp., Bacillus sp., and Enterococcus sp. made up the majority of the isolates. The pathologic spectrum included much more gram-negative and anaerobic isolates. Staphylococcus aureus was detectable exclusively in rabbits with ear disease. Almost half of all microbiologic samples taken from altered middle ears were without microbiologic growth. Pasteurella sp., which are described as a typical find in cases of otitis media in rabbits, were not isolated from middle ears in the present study. The comparison of radiography and computed tomography revealed that a filling of the bony acoustic meatus is more often not evaluable in radiography than in computed tomography. Altogether there was a good concordance between radiography and computed tomography. However, there were a not negligible number of false-positive and false-negative results in radiography. In lop-eared rabbits pathologic findings were significantly more frequent than in non-lop rabbits. The measurements of the head and the thereof calculated indices revealed a shortening of the head in pet rabbits in comparison to laboratory rabbits. Especially the facial bones were shortened in pet rabbits. The bony ear structures also showed differences, particularly at the bony acoustic meatus. In the micro-computed tomography it was possible to visualize the auditory tube and the tympanic membrane with contrast medium. The present study was able to verify the reported predisposition for ear disease in lop-eared rabbits. Additionally to the reported constriction of the auditory ducts as a result of the lop-ear formation, further anatomic changes in lop-eared rabbits were found. To which extent the observed alteration of the cranial shape towards a brachycephaly is a predisposition for ear disease in rabbits similar to this reported in dogs, has to be investigated in further studies.

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Reuschel, Maximilian: Untersuchungen zur Bildgebung des Kaninchenohres mit besonderer Berücksichtigung der Diagnostik einer Otitis bei unterschiedlichen Kaninchenrassen. Gießen 1. Auflage 2018. DVG.

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