Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Vergleich von Methadon und Levomethadon bezüglich ihrer Effekte auf die Minimale Alveoläre Konzentration (MAC) von Sevofluran sowie deren kutaner, thermischer und mechanischer Anti-Nozizeption beim Beagle

Noll, Mike

Ziel dieser Studie war der Vergleich der antinozizeptiven und anästhetikumsparenden Potenz, Wirkdauer und adverser Effekte von razemischem Methadon mit seinem am µ-Rezeptor aktiven Isomer Levomethadon beim gesunden Hund. Hypothetisch wurden äquipotente Effekte von Methadon und Levomethadon bei einem Dosierungsverhältnis von 2 : 1 angenommen. Dazu wurden zwei unterschiedliche Testverfahren zur Messung akuter Nozizeption genutzt. Zum einen wurden kutane Schwellenwertmessungen erhoben und zum anderen wurde die MAC-sparenden Effekte für das Inhalationsanästhetikum Sevofluran bestimmt. An der Studie nahmen 7 Beagle im Alter zwischen 2 und 4 Jahren Teil. Das Dosierungsverhältnis von Methadon und Levomethadon betrug 2 zu 1. Die Hunde erhielten in Behandlungsgruppe M 0,4 mg/kg Methadon i.v. und in Behandlungsgruppe L 0,2 mg/kg Levomethadon i.v. mit einer Wash-out-Periode von mindestens 7 Tagen zwischen den einzelnen Versuchsabschnitten. Die gleichen Tiere wurden sowohl für die Bestimmung der MAC, als auch für die Erhebung der nozizeptiven Reizschwellen eingesetzt. Es handelte sich um eine experimentelle, randomisierte Studie im kompletten cross-over design, bei der der Untersucher gegenüber den eingesetzten Medikamenten verblindet war. Die Bestimmung der MAC wurde in einer Monoanästhesie mit Sevofluran durchgeführt. Dazu wurden die Hunde per Maskeneinleitung in Anästhesie verbracht. Zunächst wurde ein MAC-Basalwert (MAC-BW) bestimmt, auf den dann die Medikamentenapplikation und die Bestimmung des MAC-Wertes unter Opioideinfluss folgte. Alle MAC-Werte wurden mit Hilfe der Bracketing-Methode quantifiziert. Eine supramaximale, elektrische Reizsetzung wurde mittels einer Konstantstromeinheit (50mA) über Oberflächenelektroden am Vorderbein der Tiere gesetzt. Während der Anästhesie wurden die Herzfrequenz, EKG, Sauerstoffsättigung, endexspiratorischer CO2 und die Körpertemperatur kontinuierlich überwacht und eine multiparametrische EEG-Messung durchgeführt. Zur Messung von thermischen Schwellenwerten (TS) wurde ein Heizelement mit Hilfe eines elastischen Brustgurtes an der rasierten, seitlichen Brustwand der Tiere befestigt. Parallel dazu wurden mechanische Schwellenwerte (MS) durch Andrücken eines, in einer Beinmanschette befindlichen, abgerundeten Pins gemessen. Mit beiden Testsystemen war eine kontinuierliche Steigerung der Temperatur bzw. des Anpressdruckes bis zu einem Cut-Out-Wert von 55 °C bzw. 20 N möglich. Bei Erreichen dieser oder nach positiven Abwehrreaktionen wurde der Reiz abgebrochen. Für die TS wurden die Differenz zwischen Haut- und Reaktionstemperatur (ΔT) und die prozentuale thermische Abweichung (%TE) berechnet. Nach der Bestimmung eines Basalwertes (BW) wurden die Medikamente appliziert und es erfolgten weitere Messungen im Abstand von 30 Minuten bis der BW wieder annähernd erreicht war (max. 215 Minuten). In dieser Zeit wurden Herz-Kreislaufparameter, Atemfrequenz und die Körpertemperatur aufgezeichnet und es wurde der Sedationsgrad bestimmt. Die statistische Auswertung erfolgte für parametrische Daten mittels einfaktorieller ANCOVA, zweifaktorieller ANOVA und einem gepaarten T-Test. Für nicht parametrische Daten wurde der Vorzeichen-Rang-Test benutzt. Das Signifikanzniveau betrug α = 5 %. Der MAC-BW betrug in beiden Gruppen 2,3 ± 0,1 Vol%. Die MAC sank nach Medikamentengabe in Gruppe M (1,5 ± 0,2 Vol%) um 33,3 % und in Gruppe L (1,5 ± 0,1 Vol%) um 34,8 %, ohne einen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen. Es gab keine signifikanten Differenzen zwischen den Gruppen in Bezug auf Körpertemperatur und der Zeitspanne zwischen Opioidinjektion und MAC-Ermittlung. Die ΔT war in beiden Gruppen bis 155 Minuten nach Opioidapplikation signifikant erhöht. Der MS bis Minute 65 in Gruppe M und bis Minute 35 in Gruppe L. Auch hier gab es keine signifikanten Differenzen zwischen den Gruppen. Es traten Bradykardie, Sedation, Hypothermie, Hecheln und Hypersalivation auf. Diese Nebenwirkungen waren in Gruppe M deutlicher ausgeprägt als in Gruppe L, was jedoch keine statistische Signifikanz erreichte. Methadon und Levomethadon führen in den untersuchten Dosierungen zu einer ausgeprägten und langanhaltenden, kutanen Antinozizeption und verfügen über potente anästhetikumsparende Effekte für das Inhalationsanästhetikum Sevofluran. Ein Dosisverhältnis von 2 : 1 kann in den untersuchten Dosierungen als äquipotent angesehen werden. Somit gilt die Studienhypothese als bestätigt.

Aim of the study was to compare the antinociceptive potency, duration of action and adverse effects of racemic methadone and its laevorotatory isomer levomethadone in healthy beagle dogs. Two different methods for measuring acute nociception were used. The sevoflurane MAC sparing effects as well as two different cutaneous modalities of nociceptive threshold measurements were taken. Seven adult beagle dogs, aged 2 to 4 years, participated in an experimental, randomized, blinded, complete crossover study. The same animals were used for MAC determination and for nociceptive threshold measuring. Each dog received methadone (0.4 mg kg-1 IV, treatment M) and levomethadone (0.2 mg kg-1 IV, treatment L) with a minimal washout period of at least seven days between treatments and test sessions. MAC determination was performed in monoanaesthesia with sevoflurane induced by sevoflurane in 100 % oxygen via face mask. Inhalational gas concentrations were collected from the distal end of the endotracheal tube. Before and after treatment, MAC values were determined by transdermal constant current electrical stimulation (50 mA) via adhesive electrodes at a thoracic limb using the bracketing technique. During anaesthesia, heart rate, ECG, oxygen saturation, end-tidal CO2, and body temperature were continuously monitored and EEG measurements were performed. For measuring thermal thresholds (TT), a heating element was attached to the shaved, lateral chest of the animals via an elastic strap. Mechanical thresholds (MT) were measured by pressing a rounded pin to the skin on a forelimb by a pneumatic actuator. Both test systems were able to increase temperature or contact pressure continuously up to a value of 55 °C or 20 N, respectively. Upon reaching this cut off value or after positive defence reactions, the stimulus was interrupted. For TT, the difference between skin temperature and reaction temperature was calculated (ΔT). After baseline (BL) determination, opioids were injected and further measurements were taken at intervals of 30 minutes until BL was reached again (maximum of 215 minutes). During this time cardiovascular parameters, respiratory rate and body temperature were measured and the degree of sedation was determined. Normally distributed quantitative parameters were analysed by one-way ANCOVA, two-way ANOVA and paired T-test. For non-parametric data, Wilcoxon sign-rank test was performed. Significance level was α = 5%. MAC-BL was 2.3 ± 0.1 Vol% in both groups. It decreased by 33.3% in treatment M (1.5 ± 0.2 Vol%) and by 34.8 Vol% in treatment L (1.5 ± 0.1 Vol%), without a group difference. There were also no significant differences between treatments in terms of body temperature and time interval between opioid injection and MAC detection. The ΔT was significantly increased in both treatments until 155 minutes after opioid administration. The MT was increased up to minute 65 in treatment M and up to minute 35 in treatment L. There were no significant differences between groups. Side effects included bradycardia, sedation, hypothermia, panting and hypersalivation, which were seen in both treatments. These adverse effects were more pronounced in treatment M than in treatment L, but did not differ statistically. Methadone and levomethadone at the investigated doses have profound MAC reducing abilities for sevoflurane and cause a potent and sustained cutaneous antinociception in healthy beagle dogs. A dose ratio of 2 : 1 can be considered equipotent in the dosages tested.

Vorschau

Zitieren

Zitierform:

Noll, Mike: Vergleich von Methadon und Levomethadon bezüglich ihrer Effekte auf die Minimale Alveoläre Konzentration (MAC) von Sevofluran sowie deren kutaner, thermischer und mechanischer Anti-Nozizeption beim Beagle. Hannover 2018. Tierärztliche Hochschule Hannover.

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export