Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Biometrische Studien am Pferdeauge : Ultraschalluntersuchung, Keratometrie und Retinoskopie

Meister, Ulrike

Ziel dieser Studie war die Ermittlung der Ultraschallgeschwindigkeiten in Kammerwasser, Linse und Glaskörper von Pferdeaugen und deren Beeinflussung durch das Alter, die Temperatur, das Geschlecht und die Zeitspanne nach der Enukleation. Entsprechende Umrechnungsfaktoren wurden bestimmt. Außerdem wurden die Brechkraft des Auges, intraokuläre Längen und der Hornhautradius bei Pferden ermittelt und der Einfluss von Rasse, Größe, Geschlecht und Alter auf die ermittelten Werte sowie der Unterschied zwischen dem rechten und linken Auge untersucht. Diese Werte wurden genutzt, um die Intraokularlinsenstärke mit den theoretischen Formeln nach Binkhorst und Retzlaff zu bestimmen. Für die Ultraschallgeschwindigkeitsmessungen wurden Pferdeaugen vom Schlachthof gewonnen. Nach der Enukleation wurde jedes Auge untersucht und nur gesunde Augen wurden für die Messungen verwendet. Die ermittelten Ultraschallgeschwindigkeiten bei 36°C für Kammerwasser, Linse und Glaskörper betragen 1529±10 m/s, 1654±29 m/s und 1527±16 m/s und die entsprechenden Umrechnungsfaktoren sind 0,998±0,007, 1,008±0,018 und 0,997±0,010. Es konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den Ultraschallgeschwindigkeiten der verschiedenen Gewebe und der Zeit zwischen der Enukleation und der Untersuchung bzw. der Lagerung der Augen festgestellt werden. Im Gegensatz zur Ultraschallgeschwindigkeit im Linsengewebe, welche im Temperaturbereich von 32°C – 40°C keinen Unterschied zeigte, stiegen die Ultraschallgeschwindigkeiten in Kammerwasser und Glaskörper linear mit steigender Temperatur. Das Geschlecht und das Alter hatten in der vorliegenden Studie keinen Einfluss auf die Ultraschallgeschwindigkeiten. Hierzu muss jedoch erwähnt werden, dass die untersuchten Pferde ein Alter von 6 bis 22 Jahren hatten und somit jüngere und ältere Pferde nicht in der Auswertung berücksichtigt werden konnten. Bei Längenmessungen am Pferdeauge werden überwiegend humanmedizinische Ultraschallgeräte mit entsprechenden Geschwindigkeiten verwendet. Um hierbei genaue Werte ermitteln zu können, ist es erforderlich, dass die Werte für die Linse um den ermittelten Umrechnungsfaktor korrigiert werden. Die Umrechnungsfaktoren für Kammerwasser und Glaskörper können vernachlässigt werden. Für die Retinoskopie und die biometrischen Messungen mittels A-Mode Ultraschall und Videokeratometer wurden nur augengesunde Pferde verwendet. Die Retinoskopie wurde mit einem Strich-Retinoskop und 2 Skiaskopieleisten durchgeführt. In der vorliegenden Studie waren 92,8% der untersuchten Augen emmetrop (-1D – 1D). Myopie trat in 4,1% und Hyperopie in 3,1% der untersuchten Augen auf. Anisometropie konnte bei 6 Pferden festgestellt werden. Die Bestimmung der Hornhautradien erfolgte mittels eines speziell angefertigten Videokeratometers. Die ermittelten horizontalen und vertikalen Hornhautradien jedes Auges wurden gemittelt. Die Ultraschalllängenmessung erfolgte mit einem humanmedizinischen Ultraschallgerät. Die Linsendicken wurden um den ermittelten Umrechnungsfaktor von 1,008 korrigiert. Rasseabhängig (Haflinger, Friese, Pony, Shetland Pony, Warmblut) wurden die Mittelwerte für die Vorderkammertiefe, die Linsendicke, die Glaskörperlänge und die Axiallänge bestimmt. Außerdem wurde die postoperative Vorderkammertiefe mit der Formel (C=ACD/0,73) berechnet. Mit den theoretischen Formeln von Binkhorst und Retzlaff wurde die IOL‑Stärke berechnet. Die Mittelwerte betragen 18,73 D mit der Binkhorst‑Formel 18,54 D mit der Retzlaff‑Formel. Kataraktoperationen ohne IOL‑Implantationen resultieren in einem weitsichtigen und visuell beeinträchtigten Pferd. Solche Pferde können sich ungewöhnlich verhalten, sind schreckhafter und können für den Reiter schwer einschätzbar sein. Von den kommerziell erhältlichen scheint die 18 D IOL am geeignetsten zu sein, um Emmetropie nach einer Linsenextraktion herzustellen.

The purpose of this study was to determine the velocity of ultrasound in equine aqueous humor, lens and vitreous body in relationship to the factors age, temperature, gender and elapsed time after enucleation. Appropriate conversion factors have been calculated. Furthermore, the degree of refraction, intraocular distances and corneal curvature of the horses` eyes were detected and the effect of breed, height at the withers, gender, age and differences between the left and right eyes were determined. These values were used to calculate the expected IOL power with the Binkhorst and Retzlaff theoretical formulas. For the measurements of the ultrasound velocities the equine eyes were obtained from several slaughterhouses. After the enucleation every globe was examined and only healthy eyes were used for the measurements. The determined values of ultrasound velocities at 36°C through aqueous humor, lens and vitreous body were 1529±10 m/s, 1654±29 m/s and 1527±16 m/s and the conversion factors were 0.998±0.007, 1.008±0.018 and 0.997±0,010. There was no significant difference between the ultrasound velocities of the several optical media and the elapsed time after enucleation till examination and storage of the eyes respectively. In contrast the ultrasound velocity in lens tissue, which did not indicate a difference in the temperature range of 32-40°C, the ultrasound velocities in aqueous humor and vitreous body increased with increasing temperature. In the present study age and gender of the horses did not influence the ultrasound velocities. However, it must be mentioned that the examined horses had an age of 6 to 22 years. Hence very young and very old horses could not be considered in the evaluation. Measurements of equine intraocular distances were mainly obtained by the use of human ultrasound devices with appropriate ultrasound velocities. To obtain accurate lens values it is necessary to correct the lens values by the determined conversion factor. For aqueous humor and vitreous body, the conversion factors could be neglected. Only horses with healthy eyes were used for retinoscopy and biometric measurements by use of A-mode ultrasound and a videokeratometer. Streak retinoscopy was performed with a streak retinoscope and two skiascopy bars. In the present study 92.8 % of the examined eyes were emmetrop (‑1D – 1D). Of the examined eyes 4.1 % were myopic and 3.1 % were hyperopic. Anisometropia occurred in 6 horses. Determination of the corneal radii occurred by using a custom‑made video‑keratometer. The determined horizontal and vertical corneal radii of each eye were averaged. A-mode ultrasonography was conducted using a human ultrasonographic device. Lens thickness were corrected by the determined conversion factor of 1.008. Depending on the breed (Haflinger, Friesian, Pony, Shetland pony, Warmblood) the mean anterior chamber depth, lens thickness, vitreous body length and axial length of the globe were determined. Furthermore the postoperative anterior chamber depth were calculated by the use of the formula (C=ACD/0,73). For IOL power calculation the Binkhorst and Retzlaff theoretical formulas were used. Mean predicted IOL power were 18.73 D with the Binkhorst formula and 18.54 D with the Retzlaff formula. Catarakt surgery without IOL implantation results in a hyperopic and visually compromised horse. Such horses could show abnormal behavior and the rider faces an unpredictable, frightened horse. Of the commercially available the IOL with 18 D appears to be the most appropriate to achieve emmetropia after lens extraction.

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Meister, Ulrike: Biometrische Studien am Pferdeauge. Ultraschalluntersuchung, Keratometrie und Retinoskopie. Göttingen 1. Auflage 2018. CUVILLIER VERLAG.

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