Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Die Eignung spezieller Schweinekreuzungen zur Qualitätsverbesserung von Markenschweinefleisch unter besonderer Berücksichtigung von MHS-Status, Hampshirefaktor und intramuskulärem Fettgehalt

Laube, Sigurd

In diesem vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, dem VZF-Verbund Uelzen, der Premiumfleisch AG Zeven und der Züchtungszentrale Deutsches Hybridschwein Lüneburg geförderten gemeinsamen Forschungsvorhaben des Institutes für Tierzucht und Haustiergenetik der Universität Göttingen und der FAL-Institute für Tierzucht und Tierverhalten, Mariensee und für Tierernährung, Braunschweig sollte die Eignung von Schweinekreuzungen mit besonderen Qualitätseigenschaften zur Verbesserung des deutschen Markenschweineangebotes untersucht werden. Zu diesem Zweck wurden in zwei Versuchsdurchgängen die Vaterlinien PI(NN), PI(PP), PI*HA(NN), PI*HA(NP), DU(NN) und HA*DU(NN) an reinerbig MHS-negative BHZP-Sauen (Linie 31 = LW*LR) angepaart. In der vorliegenden Untersuchung wird die Fleischbeschaffenheit der Kreuzungsendprodukte ermittelt und verglichen. Der Versuch umfaßt 930 auf einem Betrieb erzeugte Würfe mit insgesamt 7000 auf vier Mastbetrieben gemästeten und über den Schlachthof Zeven vermarkteten Schlachtschweinen. Zur Bestimmung der Fleischbeschaffenheit der Kreuzungsendprodukte wurden auf dem Schlachthof pH-Wertmessungen (25 min p.m., 85/145 min p.m, 24 h p.m.), Leitfähigkeits-messungen (85/145 min p.m., 24 h p.m.) und Minolta-Farbmessungen (24 h p.m.) durchgeführt. Der Reflexionswert (23 min p.m.) konnte dem FOM-Protokoll entnommen werden. Im Labor wurden die prozentualen Anteile an intramuskulärem Fett, Protein und Wasser, sowie der Glykogengehalt in m mol/g in Proben aus dem Musculus longissimus dorsi (13./14. Rippe, 24 h p.m.) ermittelt. In dieser Untersuchung kann gezeigt werden, daß mit einer pH-Wertmessung 85 min p.m. oder einer Leitfähigkeitsmessung 24 h p.m. eine hohe Sicherheit in der Erkennung von PSE-Schlachtkörpern erreicht werden kann. Die Möglichkeiten am Schlachtband zur Durchführung von Leitfähigkeits- und pH-Wertmessungen sind aufgrund hoher Schlachtgeschwindigkeiten in modernen Schlachthöfen gering. Günstiger ist es deshalb, züchterisch von vornherein auf gute Fleischbeschaffenheit hinzuarbeiten. Aus ethischer Sicht ist besonders der Einsatz von Vaterlinien mit reinerbig oder mischerbig MHS-positiven Ebern abzulehnen, weil neben den nachteiligen Auswirkungen auf die Fleischbeschaffenheit Leiden der Tiere in Form von Belastungsmyopathien resultieren können. Der Vergleich der Kreuzungsendprodukte zeigt, daß die MHS-negativen Endprodukte der Vaterlinien PI(NN), PI*HA(NN), DU(NN) und HA*DU(NN) die mit Abstand beste Fleischbeschaffenheit aufweisen. Den heutigen Markenstandard im deutschen Angebot bilden zum großen Teil Endprodukte der Vaterlinie PI*HA(NP), die zur Hälfte MHS-mischerbig sind. Die resultierende Fleischbeschaffenheit dieser Schlachtkörper ist bei 10,2% PSE-Anteil sehr variabel und stellt ein aus heutiger Sicht auch ökonomisch nicht mehr befriedigendes Kompromißprodukt dar. Die Uniformität der Kreuzungsendprodukte in ihrer Fleischbeschaffenheit ist entscheidend für ihren Erfolg am Markt. Durch den Vergleich der Streubreiten für die physikalischen Meßwerte pH (85/145 min p.m.) und LF24 (24 h p.m.) wird deutlich, daß die reinerbig MHS-negativen Endprodukte der Vaterlinie PI*HA(NN) bei guter Fleischbeschaffenheit die höchste Uniformität der Endprodukte erreichen. Das derzeitige Bezahlungssystem auf deutschen Schlachthöfen ist kontraproduktiv um reinerbig MHS-negative Vaterlinien mit guter Fleischbeschaffenheit zu etablieren, weil niedrige Seitenspeck- und höhere Muskeldicken, d.h. MHS-mischerbige Produkte, besser bezahlt werden. Der Gehalt an intramuskulärem Fett liegt nur bei den Nachkommen der dänischen DU(NN)-Eber bei über 2%, gefolgt von den Nachkommen der dänischen HA*DU(NN)-Eber mit 1,75%, allerdings läßt sich in diesem Merkmal eine hohe Variabilität feststellen, sodaß selbst mit diesen, im Erlös deutlich unterlegenen Kreuzungen, kein einheitliches Produkt guter Fleischbeschaffenheit mit einem definiertem Gehalt an intramuskulärem Fett geliefert werden kann. Der Hampshireeffekt (RN- Gen) kann in allen Hampshire-Kreuzungsendprodukten eindeutig nachgewiesen werden. Die hohe Variabilität der Endprodukte mit Hampshireanteil im prozentualem Protein- und Wassergehalt zeigt anschaulich die Bedeutung des Hampshirefaktors in der deutschen Zucht. In dieser Untersuchung kann gezeigt werden, daß ein Glykogenwert von über 10,0 m mol/g in der Muskelprobe ein geeignetes Merkmal ist, um den Hampshireeffekt darzustellen, zur Erkennung von RN- Genträgern und um die Frequenz des RN- Gens für Eber mit Hamphireanteil berechnen zu können. Schlachtkörper von Tieren mit über 10,0 m mol/g Glykogen in der Muskelprobe weisen hochsignifikant niedrigere End-pH-Werte, höhere Wassergehalte und korrespondierend niedrigere Proteingehalte auf und können somit als Schlachtkörper von Trägertieren des RN- Gens identifiziert werden. Innerhalb der Vaterlinien mit Hampshireanteil wurden von 28 untersuchten Ebern vier gefunden, die das RN- Gen nicht vererben. Daraus läßt sich schließen, daß das RN- Gen in der großelterlichen Hampshire-Reinzucht nicht fixiert ist. Ohne diese Eber liegt die Frequenz des RN- Genotyps bei etwa 50%.

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Laube, Sigurd: Die Eignung spezieller Schweinekreuzungen zur Qualitätsverbesserung von Markenschweinefleisch unter besonderer Berücksichtigung von MHS-Status, Hampshirefaktor und intramuskulärem Fettgehalt. Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

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