Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchung des Antigenprofils von Mycoplasma bovis unter besonderer Berücksichtigung Hitzeschock-assoziierter Komponenten

Schäfer, Marcus

Mycoplasma bovis, heatshock proteins, radioimmunoprecipitation. - Mycoplasma bovis ist einer der weltweit bedeutendsten Erreger boviner Mykoplasmosen, die mit erheblichen wirtschaftlichen Verlusten einhergehen. Die enzootische Mastitis der Kühe, sowie Pneumonien und Arthritiden bei Jungrindern und Kälbern sind die wichtigsten mit dem Erreger assoziierten Krankheitsbilder. Die Erkrankungen sind häufig therapieresistent. Eine geeignete Immunprophylaxe existiert bisher nicht. Zudem sind die Krankheitsanzeichen nicht pathognomonisch und symptomlose Ausscheidertiere nicht selten. Daher bildet eine frühzeitige und schnelle Diagnose die Grundlage zur Bekämpfung der M. bovis-Infektion. Die heute gebräuchlichen Nachweisverfahren sind zeitaufwendig und bleiben vielfach Speziallabors vorbehalten. Bislang wurde nur unzureichend untersucht, gegen welche Erregerantigene sich die Antikörperantwort des Wirtes im Verlaufe einer Infektion richtet. Lediglich bestimmte Oberflächenantigene (variable surface proteins; Vsp) von M. bovis sind einer genaueren Untersuchung unterzogen worden. Im Gegensatz zu Vsp ist für Hitzeschockproteine (Hsp) bekannt, daß sie einen höheren Konservierungsgrad aufweisen. Hsp sind in allen bisher darauf untersuchten Organismen nachgewiesen worden. Sie erfüllen essentielle Funktionen u.a. bei der korrekten Faltung und Zusammenfügung von Zellproteinen und werden unter Einfluss verschiedener Stressfaktoren verstärkt exprimiert. Nach ihren Molekularmassen werden Hsp in vier Familien (90-, 70- und 60 kDa sowie kleine Hsp) eingeteilt. Frühere Untersuchungen haben die Immundominanz von Hsp (v.a. von Hsp60) im Verlauf verschiedener bakterieller Infektionen gezeigt. Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit wurde die intrazelluläre Lage des Hsp60 von M. bovis nachgewiesen. In den daran anschließenden Versuchen wurde untersucht, welche M. bovis-Antigene von Rekonvaleszentenseren erkannt werden. Dabei erfuhren die Hitzeschock-assoziierten Komponenten eine besondere Berücksichtigung. In den Versuchen wurden Ganzzellysate von M .bovis mit Rekonvaleszenten- und Kontrollseren zur Reaktion gebracht. Der Western-Blot und die Immunpräzipitation mit nachfolgendem Western-Blot erwiesen sich als nicht ausreichend sensitiv zur Darstellung spezifischer Immunreaktionen. Nur mit Hilfe der Radioimmunpräzipitation, dem empfindlichsten aller eingesetzten Nachweisverfahren, konnte die Antikörperantwort der Seren gegen mykoplamale Antigene hinreichend charakterisiert werden. Im Hinblick auf das Ziel der Arbeit konnte in allen untersuchten Seren eine unerwartet umfangreiche Hitzeschockantwort gezeigt werden. Diese 56 untersuchten Seren erkannten bis zu 15 nach Temperaturerhöhung verstärkt exprimierte Proteine. Das Hsp60 wurde dabei von allen eingesetzten Seren, also auch von den Kontrollseren detektiert. Das bedeutet, daß sowohl für dieses, aber auch für die anderen Hitzeschock-reaktiven Proteine eine spezifische infektionsassoziierte Reaktion nicht nachgewiesen werden konnte. Aufgrund der erzielten Ergebnisse kommt ein Einsatz von Hsp (v.a. von Hsp60) als Antigen in der Diagnostik von durch M. bovis hervorgerufenen Erkrankungen nicht in Betracht.

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Schäfer, Marcus: Untersuchung des Antigenprofils von Mycoplasma bovis unter besonderer Berücksichtigung Hitzeschock-assoziierter Komponenten. Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

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