Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Kryokonservierung von Rinderembryonen mit verschiedenen Einfrier- und Auftaumethoden unter Praxisbedingungen

Götz, Barbara

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, in einer retrospektiven Untersuchung den Einfluß verschiedener Variationen beim Einfrieren und Auftauen von Rinderembryonen unter Praxisbedingungen auf die Trächtigkeitsraten zu analysieren. Dabei wurden 1066 tiefgefrorene / aufgetaute Embryonen übertragen. Die Ergebnisse nach Direkttransfer mit Ethylenglykol sollten mit denen verschiedener kontrollierter Ausverdünnungsverfahren mit Ethylenglykol mit oder ohne Sucrose und denen unter Verwendung von Glycerin verglichen werden. Die gewonnenen Embryonen wurden mit 1,5 M Ethylenglykol oder 10% Glycerin tiefgefroren. Beim Einsatz von Ethylenglykol wurden die Pailletten unterschiedlich gefüllt. Es wurden unterschiedliche Volumina an Ethylenglykol-Lösung gewählt und die Anzahl der einzelnen Säulen in den Pailletten (3, 4 oder 5) wurden variiert. Bei Verwendung von Ethylenglykol wurden die Embryonen unter mikroskopischer Kontrolle direkt in Kulturmedium, in 1,0 M Sucrose oder in 0,5 M Sucrose ausverdünnt. Bei Verwendung von Glycerin wurden die Embryonen in 3 Schritten mit abnehmender Glycerin-Konzentration mit 0,3 M Sucrose bzw. in einem Schritt mit 0,5 M Sucrose ausverdünnt.Die Embryonen wurden auf Empfänger übertragen, die ab der 6.Woche auf Trächtigkeit untersucht wurden.Einflüsse von Embryonenqualität, Entwicklungsstadium, Gefriergerät, Empfängerqualität und Alter des Empfängertieres (Rind oder Kuh) auf das Trächtigkeitsergebnis wurden in Abhängigkeit von den verschiedenen Einfrier- und Auftaumethoden untersucht. Außerdem wurde die Veränderung der Embryonenqualität durch das Tiefgefrieren in Abhängigkeit vom verwendeten Kryoprotektivum, der Embryonenqualität und dem Gefriergerät ermittelt.Die statistische Auswertung wurde mit dem SAS-Programm durchgeführt. Anhand von Chi-Quadrat-Homogenitätstests wurden die Signifikanzen der einzelnen Einflüsse geprüft.Folgende Ergebnisse wurden ermittelt:1. Die Gesamtträchtigkeitsrate für alle Embryonen betrug 48,2%. 2. Nach dem Tiefgefrieren der Embryonen mit Glycerin und Ausverdünnen in drei bzw. einem Schritt mit Sucrose sowie mit Ethylenglykol und anschließendem Direkttransfer war die Trächtigkeitsrate (54,7, 50,4 bzw. 49,6%) signifikant höher als nach Tiefgefrieren mit Ethylenglykol und Ausverdünnen unter mikroskopischer Kontrolle in Kulturmedium (OCM), 1 M Sucrose oder 0,5 M Sucrose (38,8, 15,4 bzw. 36,5%). 3. Beim Tiefgefrieren mit Ethylenglykol hat die Variation der Anzahl der Säulen und die damit verbundene Volumenveränderung der einzelnen Medien (Ethylenglykol-Lösung und Kulturmedium) keinen Einfluß auf die Trächtigkeitsrate. 4. Mit Embryonen der Klasse 1 wurde eine signifikant bessere Trächtigkeitsrate als mit Embryonen der Klasse 2 erreicht (51,8 bzw. 26,1%). 5. Die Anzahl der Embryonen, deren Qualität während der Kryokonservierung in Abhängigkeit von der Embryonenqualität vor dem Tiefgefrieren abnahm, war bei Klasse 1-Embryonen signifikant geringer als bei Klasse 2- und Klasse 3-Embryonen (4,3% gegenüber 19,2 bzw. 15,8%) 6. Das Entwicklungsstadium der Embryonen und das verwendete Gefriergerät hatten keinen signifikanten Einfluß auf die Trächtigkeitsergebnisse. Jedoch konnten tendentiell bessere Ergebnisse bei jüngeren Entwicklungsstadien (Morulae) beobachtet werden. 7. Durch die Empfängerqualität und das Alter des Empfängertiers (Rind oder Kuh) wurde das Trächtigkeitsergebnis signifikant beeinflußt. Mit Klasse 1-Empfängern wurde eine Trächtigkeitsrate von 55,7% gegenüber 40,8% bzw. 29,6% bei Klasse 2- und Klasse 3-Empfängern erreicht. Die Trächtigkeitsrate bei Rindern, die als Empfänger verwendet wurden, lag bei 50,5%, die von Kühen bei 35,8%. 8. Barbara Götz Kryokonservierung von Rinderembryonen mit verschiedenen Einfrier- und Auftaumethoden unter Praxisbedingungen -eine retrospektive Analyse Cryopreservation of bovine embryos with different variations of freezing and defrosting under practical conditions – a retrospective analysis Bei reduzierten Embryonen- und Empfängerqualitäten (Klasse 2-Embryonen oder Klasse 2-Empfängern) wurden nach dem Tiefgefrieren mit Glycerin und dem Ausverdünnen in einem Schritt mit Sucrose tendenziell die besten Ergebnisse erzielt. Sie unterschieden sich jedoch nicht signifikant von denen nach Tiefgefrieren mit Glycerin und Ausverdünnen in drei Schritten und nach Tiefgefrieren mit Ethylenglykol und anschließendem Direkttransfer.Das kontrollierte Ausverdünnen des Ethylenglykols in Kulturmedium oder mit Hilfe von Sucrose stellt keine zufriedenstellende Alternative zum Direkttransfer nach dem Tiefgefrieren mit Ethylenglykol dar. Beim Tiefgefrieren der Embryonen mit 10% Glycerin und anschließendem Ausverdünnen in drei Schritten mit abnehmenden Glycerin-Konzentrationen und Sucrose oder in 1 Schritt mit Sucrose konnten unter Feldbedingungen stabile Trächtigkeitsergebnisse von über 50% erreicht werden.Sowohl das Tiefgefrieren mit 10% Glycerin und dem anschließendem Ausverdünnen mit 0,5 M Sucrose in einem Schritt unter mikroskopischer Kontrolle wie auch das Tiefgefrieren mit 1,5 M Ethylenglykol und anschließendem Direkttransfer stellen gut geeignete Tiefgefrierverfahren für Rinderembryonen nach dem derzeitigen Wissensstand unter Praxisbedingungen dar. Dabei sollten möglichst nur Embryonen und Empfänger sehr guter Qualität verwendet werden. Rinder sind Kühen als Empfängertiere bezüglich der Trächtigkeitsraten vorzuziehen

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Götz, Barbara: Kryokonservierung von Rinderembryonen mit verschiedenen Einfrier- und Auftaumethoden unter Praxisbedingungen. Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

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