Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Effekt einer L-Carnitinzulage auf Leistungsparameter und den Muskelcarnitingehalt bei jungen Trabern in Laufe eines Trainings

Chrobok, Cornelia

Im Bereich des Sports ist die Nachfrage nach Substanzen, die die körperliche Leistungsfähigkeit steigern, ungebrochen. L-Carnitin, einer körpereigenen Substanz, wird aufgrund ihrer besonderen biochemischen Wirkungen eine solche leistungssteigernde Funktion zugesprochen. Untersuchungen bei Menschen, Pferden, Hunden, Tauben stützen nur teilweise die an diese Substanz geknüpften Erwartungen. Zweifel an der Wirksamkeit von L-Carnitin werden unter anderem durch die Auffassung begründet, dass es nicht möglich sei, durch orale Zufuhr den Carnitingehalt der Muskulatur über das normale Maß hinaus zu erhöhen. Befürworter von Carnitin halten dieses Argument für experimentell nicht bewiesen und weisen darauf hin, dass Carnitin sich vermutlich nur in der Muskulatur anreichere, wenn es in ausreichend hoher Dosis und über einen genügend langen Zeitraum (am besten in Verbindung mit einem Training) verabreicht werde. Ziel der hier vorliegenden Arbeit war es, bei Sportpferden (Trabern) zu untersuchen, ob der Carnitingehalt im Plasma und in der Muskulatur im Laufe einer viermonatigen Zulageperiode ansteigt. Während der ersten sechseinhalb Wochen wurden die Pferde außerdem trainiert. Ein weiteres Ziel der Untersuchung war festzustellen, ob die Carnitinzulage während des Trainings die Herzfrequenz und leistungsabhängige Parameter des Blutes beeinflusst. Für die Versuche standen Traber im Alter von zwei Jahren zur Verfügung. Sie stammten alle vom gleichen Hengst. Vier Tiere erhielten täglich in zwei Portionen 10 g L-Carnitin mit dem Futter (+C). Drei Tiere dienten als Kontrollen (-C). Das Trainingsprogramm bestand aus individuell abgestimmten, alternierenden Laufbandbelastungen auf aerober (v2,5) und anaerober (v4) Stufe mit je einem Tag Pause zwischen den Belastungen (Abb. 3.6.). Das Leistungsvermögen der Tiere wurde zur Beurteilung des Trainingseffektes zu Anfang und am Ende des Trainings mit einem Stufentest mit Hilfe der belastungsabhängigen Blutlactatkonzentration erfasst. Die Studie erbrachte die folgenden Ergebnisse: 1. Durch die Carnitinzulage war die Konzentration an Gesamtcarnitin im Plasma bereits nach vier Tagen etwa auf das 2,5-fache angestiegen (25 vs. 60 µmol/l) und blieb über gesamte Zulage auf dem gleichen Niveau (Abb. 4.1.). 2. In der Muskulatur (M. glutaeus medius) hatte der Gehalt an Gesamtcarnitin nach fünfwöchiger Zulage um etwa 50 % zugenommen (4630 vs. 3180 mmol/kg TS). Er blieb auch während der Ruheperiode auf diesem Niveau (Abb. 4.3.). 3. Bei den +C-Pferden war die Herzfrequenz am Ende des Trainings bei gleicher Laufgeschwindigkeit wie vor dem Training (5 bis 9 m/s) signifikant um ca. 7 Schläge pro Minute niedriger. Bei den -C-Pferden war die Herzfrequenz bei gleicher Laufgeschwindigkeit vor und nach dem Training gleich (Abb. 4.5.). 4. Bei gleicher Laufgeschwindigkeit (10 m/s) war die Lactatkonzentration im Blut nach vierwöchigem Training bei allen Tieren um 22 % niedriger als vor dem Training (10,0 vs. 12,8 mmol/l). Diese trainingsbedingte Reduktion der Lactatkonzentration war bei den +C-Pferden ausgeprägter als bei den -C-Tieren (Abb. 4.8.). 5. Der belastungsinduzierte Anstieg der Plasmaglucose war am Ende des Trainings bei den +C-Pferden signifikant geringer als bei den -C-Pferden (Abb. 4.10.). 6. Die Konzentration der FFS im Plasma war bei den +C-Pferden nach dem Training im Gegensatz zu den -C-Pferden bei allen Belastungsstufen signifikant niedriger als vor dem Training (Abb. 4.12.). 7. Der Ruheglykogengehalt des Muskels wies keine carnitin- und trainingsabhängigen Unterschiede auf. Der belastungsinduzierte Abfall des Muskelglykogens schien durch die Carnitinzulage nicht beeinflusst zu werden. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Muskulatur des Pferdes in Verbindung mit einem Training bei einer Dosis von 10 g pro Tag in nennenswerten Mengen aus dem Plasma aufnimmt und deponiert. Die Carnitinzulage erhöhte signifikant die belastungsinduzierte Kontraktionskraft des Herzens. Die Effekte der Carnitinzulage auf die Konzentration der Glucose und der FFS im Plasma während der Belastung sind mit der Annahme vereinbart, dass L-Carnitin sowohl die Elimination von Glucose als auch von FFS aus dem Plasma erhöht. Diese Effekte könnten mit Einsparungen von Muskelglykogen und -fett kombiniert sein. Sie sind insgesamt im Hinblick auf eine Steigerung der körperlichen Fitness als günstig zu beurteilen. Ob - und, wenn ja - bei welchen Belastungsarten und in welchem Umfang eine Carnitinzulage auch unter Wettkampfbedingungen Leistungssteigerungen erbringt, müssen weitere Versuche klären.

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Chrobok, Cornelia: Effekt einer L-Carnitinzulage auf Leistungsparameter und den Muskelcarnitingehalt bei jungen Trabern in Laufe eines Trainings. Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

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