Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchung über den Einsatz einer Hähnchenfangmaschine in Mastbetrieben in Norddeutschland

Gocke, Annemarie

In den vergangen Jahren hat auch in Deutschland das Interesse am Einsatz von Fangmaschinen in der Broilermast, die neben oder ersatzweise für den noch üblichen Handfang der Tiere am Ende der Mastperiode eingesetzt werden können, zugenommen. Es wurde daher die Eignung einer Masthühnerfangmaschine vom Typ "chicken cat", die mit drei senkrecht angebrachten, rotierenden Walzen am Sammelkopf arbeitet, für den tierschutzgerechten Einsatz unter Feldbedingungen im Vergleich zum herkömmlichen Handfang geprüft. Insbesondere sollten Art, Umfang und Ursache von Verletzungen an den Tieren sowie die Zahl der Todesfälle beim Fang und auf dem Transport zum Schlachthof untersucht werden. Dazu wurden in der Zeit von Oktober 1998 bis September 1999 im norddeutschen Raum 52 Betriebe besucht. In jeder Jahreszeit fanden je 10 Untersuchungstage mit Hand- und Maschinenfang statt. Lediglich im Frühjahr wurden beim Maschinenfang 13 Ausstallungen beobachtet. Bei insgesamt 83 Ausstallungen (40 Handfang, 43 Maschinenfang) mit insgesamt 1.982.157 Tieren (869.738 beim Handfang und 1.112.419 beim Maschinenfang) wurden Fang, Verladung, Transport und Schlachtung direkt verfolgt. Von jedem Stall wurden in etwa 10 % aller Tiere nach der Schlachtung am Schlachtband optisch und bei Bedarf palpatorisch auf Verletzungen untersucht. Somit wurden insgesamt 87.916 per Hand gefangene Tiere und 108.068 maschinell gefangene Tiere untersucht. Verletzungsparameter waren: Hämatome an Brust, Rücken, Flügeln und Beinen Frakturen an Flügeln und Beine Dislokationen an Flügeln und Beinen. Darüber hinaus wurde die Anzahl der auf dem Transport verendeten Tiere erfaßt, die vom Schlachthofpersonal vor der Schlachtung aussortiert wurden. Beim Maschinenfang wurde darüber hinaus mittels eines Drehzahlmesser die Laufgeschwindigkeit des Transportbandes der Fangmaschine während des Fangs aufgezeichnet. Beim Maschinenfang starben im Untersuchungszeitraum 0,35 % aller Tiere auf dem Weg vom Mäster zum Schlachthof, beim Handfang waren es 0,31 %. Die saisonalen Unterschiede waren allerdings erheblich. Hohe Transportverluste traten bei beiden Fangmethoden insbesondere bei hohen Außentemperaturen auf, so daß die Anzahl der tot am Schlachthof ankommenden Tiere mehr von den klimatischen Bedingungen als von der Fangmethode abzuhängen scheint. Beim Maschinenfang wiesen 0,23 % aller untersuchten Tiere Hämatome an der Brust auf, 0,18 % zeigten Hämatome am Rücken, 0,92 % Hämatome an den Flügeln und 0,62 % Hämatome an den Beinen. 0,65 % der Tiere hatten Frakturen der Flügel und 0,03 % Frakturen der Beine. Bei 0,46 % traten Dislokationen der Flügel auf und bei 0,01 % Dislokationen der Beine. Die Gesamtzahl aller Verletzungen betrug beim Maschinenfang 3,13 %. Beim Handfang zeigten 0,29 % aller untersuchten Tiere Hämatome an der Brust, 0,25 % Hämatome am Rücken, 1,25 % wiesen Hämatome an den Flügeln auf und 1,15 % Hämatome an den Beinen. 0,76 % der Broiler hatten Frakturen der Flügel, 0,09 % Frakturen der Beine, 0,57 % wiesen Dislokationen der Flügel auf und 0,02 % hatten Dislokationen der Beine. Die Gesamtzahl der Verletzungen betrug beim Handfang 4,51 %. Die Bandgeschwindigkeit lag im Untersuchungszeitraum zwischen 0,8 m/s und 1,6 m/s. Die hohen Geschwindigkeiten wurden zu Beginn der Untersuchungen gemessen, im Laufe der Untersuchungsperiode wurde die Bandgeschwindigkeit kontinuierlich gesenkt. Somit ist der Einfluß der Bandgeschwindigkeit der Fangmaschine auf die, bei den Broilern auftretenden, Verletzungen schwierig zu beurteilen. Es traten zwar mehr Verletzungen bei schnellen Bandgeschwindigkeiten auf, allerdings wurden diese zu Anfang der Untersuchungen gemessen, so daß die Bandgeschwindigkeit, die Erfahrung der Arbeiter und die sinkenden Verletzungszahlen stark miteinander korrelieren. Beim Maschinenfang spielt die Erfahrung der Arbeiter ein wichtige Rolle. Die Einarbeitungszeit an der Fangmaschine dauert mindestens drei Monate. Beim Handfang ist dagegen vor allem die Motivation der Arbeiter entscheidend. Wochentag und Arbeitszeit haben weder beim Hand- noch beim Maschinenfang einen Einfluß auf die Verletzungen. Insgesamt traten beim Einsatz der Hähnchenfangmaschine in allen Bereichen signifikant weniger Verletzungen auf. Insbesondere die Hämatome an den Flügeln und Beinen, sowie die Frakturen der Beine und die Gesamtzahl der Verletzungen wurde positiv beeinflußt. Die Anzahl der tot am Schlachthof ankommenden Tiere wird durch den Einsatz der Fangmaschine nicht verbessert.

Quote

Citation style:

Gocke, Annemarie: Untersuchung über den Einsatz einer Hähnchenfangmaschine in Mastbetrieben in Norddeutschland. Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

Rights

Use and reproduction:
All rights reserved

Export