Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Verhaltensontogenese von Welpen der Rasse Border Collie in den ersten acht Lebenswochen

Heine, Christine

Die vorliegende Arbeit stellt die verhaltensontogenetische Untersuchung des Border Collies als typischen Vertreter der Hütehunde im Rahmen des ethologischen Rassevergleichs dar. Es wurden 3 Würfe mit insgesamt 15 Welpen die ersten 8 Lebenswochen beobachtet, die ersten 3 Wochen 3 Stunden, danach 6 - 8 Stunden täglich. Dabei wurde vor allem die Videographie eingesetzt und die Fokustiermethode (ALTMANN 1974) angewandt. Es wurde ein Ethogramm erstellt, die Entwicklungsgeschwindigkeit vermerkt und ein Vergleich mit anderen Rassen und dem Wolf hergestellt. Ziel dieser Arbeit ist zudem die quantitative Analyse des Sozialverhaltens, wobei ein besonderer Schwerpunkt das Spiel darstellt, in dessen Rahmen auch das Objektspiel quantitativ ausgewertet wird. Im Rassevergleich werden die Besonderheiten dieser Rasse herausgestellt und Konsequenzen für die Praxis aufgezeigt. Die Border Collie Welpen entwickeln sich im Rassevergleich und gegenüber dem Wolf sehr schnell. Das von adulten Border Collies gezeigte, rassetypische Hüten / "eye" wird interessanterweise schon von allen Welpen innerhalb des Beobachtungszeitraumes gezeigt. Das Sozialverhalten ist durch das Spiel geprägt, welches sich durch das besonders aktive Kampfspiel auszeichnet. Agonistische Situationen sind die Ausnahme. Eine quantitative und qualitative Entwicklung der Spiele ist bis zur 8. Lebenswoche festzustellen. Eine Rangordnung wird auch in der 8. Lebenswoche noch nicht festgestellt. Es findet keine Bevorzugung bestimmter Spielpartner statt. Sehr häufig ist auch das Spiel mit dem Objekt, also der unbelebten Umwelt. Trotz einer sehr reichhaltigen Umgebung wird von den Welpen vor allem extra dargereichtes Spielzeug dafür genutzt. Die durchschnittliche Spieldauer beträgt sowohl bei Sozial- als auch bei Objektspielen ca. 20 Sekunden. Aufgrund der Ergebnisse sind folgende Empfehlungen für die Praxis zu formulieren: Schon im Welpenalter sollte für eine reichhaltige Umwelt (inklusive Spielzeug) sowie für inter- und intraspeziellen (sozialen) Kontakt gesorgt werden. Züchter sollten Border Collie Welpen aufgrund der Entwicklung des Sozialverhaltens nicht vor dem Ende der 8. Lebenswoche abgeben. Ihre hohe Aktivität und die genetische Veranlagung zu Hüten sind bei der Haltung eines Border Collies zu berücksichtigen, indem der Besitzer für entsprechende Bedingungen und Aufgabenstellungen sorgt. Aufgrund der beim Rassevergleich erkennbaren Unterschiede im Verhaltensinventar ist zu einem frühen Kontakt mit anderen Rassen zu raten. Insbesondere das von den Border Collies gezeigte Hüten mit Anstarren ( "eye") könnte von anderen Rassen als Agonistik mißverstanden werden.

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Heine, Christine: Verhaltensontogenese von Welpen der Rasse Border Collie in den ersten acht Lebenswochen. Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

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