Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zur Blutgerinnung beim Grünen Leguan (Iguana iguana)

Kubalek, Stephanie

In der Literatur liegen nur wenige Untersuchungen über die Blutgerinnungsdiagnostik bei Reptilien, insbesondere bei den Echsen, vor. Die Ergebnisse dieser Studien können aufgrund der Anwendung unterschiedlicher Testsubstanzen und verschiedener Testdurchführungen nur eingeschränkt auf gegenwärtig verfügbare kommerzielle Reagenzien übertragen werden. Daher wurden in dieser Arbeit ausgewählte Methoden der Gerinnungsdiagnostik, die bei Mensch und Säugetier ihre Anwendung finden, beim Grünen Leguan (Iguana iguana) auf ihre Eignung und Aussagekraft überprüft. Es standen insgesamt 26 klinisch gesunde adulte Grüne Leguane zur Verfügung, die in fünf verschiedenen norddeutschen Zoos und zwei Privathaltungen unter vergleichbaren Bedingungen gehalten wurden. Über 16 Monate wurden abhängig von der Größe des Tieres maximal 4 ml umfassende Blutproben in mindestens 4-Wochen-Abständen entnommen und untersucht. Dabei kamen Thromboplastinzeit (TPZ), aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT), Thrombinzeit, Kaolin Clotting Time (KCT), dilute Russell´s Viper Venom Time (dRVVT) und Reptilasezeit sowie fünf verschiedene Methoden der Fibrinogenbestimmung und die Resonanzthrombographie zum Einsatz. Die TPZ und die aPTT wurden jeweils mit fünf unterschiedlichen kommerziellen Testkits und die dRVVT und die Reptilasezeit mit je einem handelsüblichen Reagenz nach Vorschrift des Herstellers am Häkchenkoagulometer durchgeführt. Zusätzlich erfolgten Messungen der TPZ und der aPTT in unterschiedlichen Plasmaverdünnungen. Eine weitere TPZ-Messung wurde mit eigens aus Leguan- und Hundehirn hergestelltem Rohthromboplastin durchgeführt. Die Messung der Thrombinzeit erfolgte mit drei unterschiedlichen Thrombinkonzentrationen eines handelsüblichen Thrombin-Reagenzes und wurde zusätzlich mit und ohne CaCl2-Zugabe am Häkchen- und am Kugelkoagulometer im Vergleich vorgenommen. Die Messung der Fibrinogenkonzentration erfolgte mittels gravimetrischer und koagulometrischer (Clauss-Methode) Verfahren, mit der Jacobsson-Methode (Extinktion bei 280 nm) und durch Hitzepräzipitation und kinetische Trübungsmessung. Die Resonanzthrombographie wurde nach Originalvorschriften angewendet und ausgewertet. Um die Testergebnisse mit dem Leguanblut einordnen und beurteilen zu können, wurden bei fast allen Testreihen Kontrollmessungen mit Hundeblutproben mitgeführt. Die langen Gerinnungszeiten der TPZ (Median [x0,50] = 453 - 831 sec), aPTT (x0,50 = 170 - 242 sec), Thrombinzeit (x0,50 = 118 - > 1000 sec), KCT (x0,50 = 274 sec), dRVVT (x0,50 = 349 sec) und Reptilasezeit (ausschließlich > 1000 sec) wiesen eine breite Streuung auf und befanden sich größtenteils am Rand der Messbarkeit. Die TPZ und die aPTT in verdünnten Plasmaproben (1:2) waren deutlich kürzer als die in unverdünnten Proben (p < 0,05). Die sowohl mit dem Häkchen- als auch mit dem Kugelkoagulometer gemessenen Thrombinzeiten waren in der Durchführung mit CaCl2-Lösung deutlich kürzer als mit Ca2+-freiem DBA-Puffer (p < 0,05). Die Anwendung des Kugelkoagulometers statt des Häkchenkoagulometers hatte keinen wesentlichen Einfluss auf die Thrombinzeit (p > 0,05). Die gravimetrische Fibrinogenmessung bzw. die mit der Jacobsson-Methode ergaben bei den Leguanen eine Fibrinogenkonzentration von 3,28 - 6,9 g/l (x0,50 = 4,22 g/l) bzw. 2,98 - 6,65 g/l (x0,50 = 4,40 g/l). Die Fibrinogenbestimmung mit der Clauss-Methode und die mittels Hitzepräzipitation wiesen eine geringe Korrelation mit den Ergebnissen der Jacobsson-Methode (r = 0,58; rs = 0,66) und gravimetrischen Fibrinogenmessung (r = 0,45;rs = 0,36) auf. Bei der kinetischen Trübungsmessung konnten keine verwertbaren Messsignale erzielt werden. Die Resonanzthrombographie ergab bei 11 von 13 untersuchten Leguanen eine charakteristische Kurve, wobei sich im Vergleich zu Referenzmessungen mit Hundeblut eine längere Reaktionszeit und eine breitere Kurve darstellte. Bei zwei Tieren hingegen waren die Resonanzthrombogramme (RTG) nicht auswertbar. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen weisen auf einen begrenzten Einsatz und eine sehr eingeschränkte diagnostische Aussagekraft der ausgewählten Methoden beim Grünen Leguan hin. Die TPZ, aPTT, Thrombinzeit, KCT, dRVVT und Reptilasezeit sind in der nach Herstelleranleitung vorgenommenen Durchführung aufgrund der durch eine weite Streuung gekennzeichneten langen Gerinnungszeiten nicht einsetzbar. Die Ursachen dafür scheinen vornehmlich auf der Speziesspezifität bestimmter Reagenzienbestandteile und möglicherweise auch auf einem nicht optimalen Testsystem in unverdünntem Leguanplasma zu beruhen. Auch die Ergebnisse der koagulometrischen Fibrinogenbestimmung sowie die durch Hitzepräzipitation und kinetische Trübungsmessung ermittelten Fibrinogenkonzentrationen sind nicht oder nur begrenzt aussagekräftig. Dahingegen können die gravimetrische und die photometrische Fibrinogenbestimmung beim Grünen Leguan angewendet werden. Das RTG spiegelte die tierartspezifische Instabilität des Fibringerinnsels wider. Die bei einem Teil der gesunden Leguane nicht auswertbaren RTG-Kurven zeigen, dass auch die Resonanzthrombographie bei dieser Spezies nur eingeschränkt einsetzbar ist.

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Kubalek, Stephanie: Untersuchungen zur Blutgerinnung beim Grünen Leguan (Iguana iguana). Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

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