Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Studies on avian haematozoa in Australian birds

Lederer, Margareth Rose Elisabeth

Aviäre Blutparasiten (Hämatozoen) haben weltweite Verbreitung, und sie wurden in der Vergangenheit auch in Australien gefunden. Verglichen mit anderen Ländern ist allerdings nur wenig über die Prävalenz, Taxonomie und pathologische Bedeutung dieser Parasiten in wildlebenden Vögeln bekannt, und nur wenige Präparate des “International Reference Centre for Avian Haematozoa” (IRCAH), dessen Sitz Brisbane ist, stammen aus Australien. In der vorliegenden Studie wurde Material von 499 Vögeln aus einem Wildlife Park (Currumbin Wildlife Sanctuary) in Queensland, Australien, während der Sommermonate (Ende Oktober bis Ende Februar) gesammelt, untersucht und ausgewertet. Die Vögel waren zumeist verletzt oder krank eingelieferte Tiere, die euthanasiert werden mussten. Hämatozoen wurden dabei im peripheren Blut von 110 (= 22 %) aller gesammelten Vögel gefunden, wobei Leucocytozoon spp. mit einer Prävalenz von 13,6 % dominierten. Haemoproteus spp. wurden in 5,4 % und Plasmodium in 4,4 % entdeckt. Mikrofilarien wurden in nur 1,6 % und Trypanosoma in 0,6 % aller Vögel gesehen. Eine äußerst hohe Prävalenz von Hämatozoen war vor allem in den Vogelfamilien Oriolidae (Figbirds), Meliphagidae (Honeyeaters), Podargidae (Frogmouths) und Columbidae (Pigeons) vorhanden. Die Hämatozoen wurden taxonomisch im IRCAH aufgrund ihrer morphologischen Merkmale und familiären Wirtsspezifität bestimmt. Dabei konnte die Wonga Pigeon (Leucosarcia melanoleuca) als neue Wirtsspezies für Haemoproteus columbae beschrieben werden. Weiterhin wurde Leucocytozoon erstmals in der Familie Psittacidae gefunden. Diese Familie fiel außerdem durch eine außerordentlich niedrige Prävalenz von Hämatozoen auf. Nur zwei der 188 untersuchten Tiere erwiesen sich als positiv. Eine Korrelation zwischen schlechter körperlicher Kondition und Intensität von hämatozoärer Infektionen konnte festgestellt werden, und ein höherer Prozentsatz hämatozoenpositiver Vögel erwies sich als anämisch, verglichen mit hämatozoennegativen Vögeln. Eine Korrelatioon bestand außerdem zwischen Anämie und Intensität der Infektionen.  Die obengenannten 110 durch Blutausstriche positiv befundenen Vögel wurden im weiteren Projektverlauf auf parasitäre Gewebestadien (Schizonten) untersucht. Solche wurden in 34 Vögeln gefunden und morphologisch charakterisiert. Leucocytozoon-Schizonten im Gewebe (Herz, Niere, Leber, Lunge, quergestreifte Muskulatur und Milz) einiger Vögeln wurden dabei als pathogen erachtet. Entzündliche Veränderungen verursacht durch Schizonten wurden im Myokardium und in den Nieren von zwei Pied Currawongs (Strepera graculina, Corvidae) entdeckt. In zwei Vögeln derselben Spezies wurde hochgradige Myositis und Myokarditis aufgrund multilokulärer Megaloschizonten unbekannter Identität beobachtet. Schizonten von Leucocytozoon waren vermutlich in zwei Southern Figbirds (Sphecotheres viridis) und einem Tawny Frogmouth (Podargus strigoides) pathogen. Als vermutlich pathogen wurde außerdem ein starker Befall mit Haemoproteus-Schizonten im Lungengewebe einer Haustaube (Domestic Pigeon, Columba livia) erachtet. Verdrängung von Gewebe, Lumeneinengung von Gefäßen, Thrombosierung/Emboli und fokale Entzündungen wurden in mehreren Vögeln beobachtet, ohne daß Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Tiere festgestellt werden konnten. Die Identifizierung von Hämatozoen (vor allem ihrer Schizonten) mittels morphologischer Kriterien erwies sich als eine eher mangelhafte Methode zur Diagnostik und Charakterisierung von Hämatozoen. Daher ist die Entwicklung und Anwendung molekularer Techniken anzustreben, die eine zuverlässige Identifikation von Blutparasiten erlauben würden.   

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Lederer, Margareth Rose Elisabeth: Studies on avian haematozoa in Australian birds. Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

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