Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Sonographische, zytologische und endokrinologische Untersuchungen zu Hodentumoren und nichtneoplastischen Hodenerkrankungen des Hundes

Meurer, Dirk Gerrit

In der vorliegenden Untersuchung wurden 144 Hoden von 93 Hunden, die in der Klinik für kleine Haustiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover kastriert wurden, sonographisch, zytologisch und histopathologisch untersucht. Bei allen Patienten wurden zudem die Blutkonzentration von Östradiol-17beta und Testosteron bestimmt. Ziel der Studie war es, die Möglichkeiten der sonographischen und zytologischen Differenzierung von neoplastischen (Leydigzelltumor [n = 27], Sertolizelltumor [n = 8], Seminom [n = 12], kombinierte und sonstige Hodentumoren [n = 5]) und nichtneo-plastischen Hodenerkrankungen (Hypoplasie [n = 19], Degeneration [n = 17], chronische Orchitis [n = 5]) des Hundes zu ermitteln und den Status der ergänzend gemessenen Hormone zu bestimmen. Durch sonographische Untersuchungen konnten vier von insgesamt 52 Tumoren nicht als Strukturveränderung dargestellt werden, in sechs von insgesamt 33 Fällen wurde ein extraskrotaler Hoden in der Ultraschalluntersuchung nicht gefunden. Falsch-positive Diagnosen einer Strukturveränderung waren nicht zu verzeichnen. Die Beurteilung ausgewählter echomorphologischer Merkmale (z.B. Hodenoberfläche, Mediastinum testis, Echostruktur, Echodichte) ergab im Vergleich der einzelnen Patientengruppen keine zuverlässigen Differenzierungskriterien. Einzig ein perfundierter Randsaum war ausschließlich bei Leydigzelltumoren zu beobachten. Er trat jedoch nur bei einem Drittel der Tumoren dieses Typs auf. Für die Darstellbarkeit des Mediastinum testis, die Echostruktur und die Echodichte ließ sich eine Abhängigkeit von der Größe der Tumoren bzw. Strukturveränderungen statistisch sichern. Die Feinnadelaspirations(FNA)-Zytologie wies für die Erkennung testikulärer Neo-plasien eine Sensitivität von 90%, eine Spezifität von 97% und einen positiven prädiktiven Wert von 94% auf. Für die Tupftechnik konnten diese statistischen Größen mit 87%, 98% und 96% ermittelt werden. Bezogen auf die Erkennung einer – zytologisch nicht differenzierbaren – Hodenhypoplasie oder Hodendegeneration betrug die Sensitivität 84%, die Spezifität 99% und der positive prädiktive Wert 97% (FNA) bzw. 86%, 98% und 94% (Tupftechnik). Bei Leydigzelltumoren, Sertolizelltumoren und Seminomen konnten jeweils charakteristische zytologische Merkmale herausgearbeitet werden. Diese ermöglichten eine der histopatho-logischen entsprechende Diagnose in 100% (FNA) bzw. 95% (Tupftechnik) der als Neoplasie erkannten Fälle. Bei Mischneoplasien war hingegen stets nur eine der beteiligten Tumorkomponenten erkannt worden. Die zytologische Erkennung chronisch entzündlicher Hodenerkrankungen erwies sich als schwierig. Die Ergebnisse der Bestimmung von Östradiol-17beta- und Testosteron im peripheren Blut zeigten – bei erheblicher individueller Streuung – eine deutlich höhere Östradiolkonzentration bei Hunden mit Sertolizelltumor (29,0 pg/ml, 14,4 – 48,3 pg/ml; Median, Minimum–Maximum; p <0,05) und niedrigere Werte dieser Meßgröße bei Hunden mit Seminom (12,0 pg/ml, 3,4 – 17,6 pg/ml; p <0,01) als bei der Kontrollgruppe (18,0 pg/ml, 8,6 – 31,5 pg/ml). Bei den anderen Patientengruppen ließen sich hingegen keine deutlichen Unterschiede der Östradiolblutspiegel im Vergleich zu den Kontrolltieren erkennen. Als einzige auffällige Abweichung der Testosteronblutkonzentration fielen bei Hunden mit Sertolizelltumor (0,08 ng/ml, 0,03 – 0,77 ng/ml) deutlich niedrigere Werte dieser Meßgröße als bei der Kontrollgruppe auf (1,95 ng/ml, 0,05 – 3,70 ng/ml; p = 0,001). Dies äußerte sich auch anhand einer hochgradigen Verminderung des Testosteron-Östradiol-Quotienten bei den Hunden mit Sertolizelltumor (0,32, 0,06 – 2,8; Kontrolle: 9,6, 0,58 – 35,8; p <0,001). Dieser Quotient wich bei den beiden übrigen Patientengruppen nicht von der Kontrolle ab. Die Ergebnisse verdeutlichen, daß wesentliche Imbalancen zwischen der Östradiol-17beta- und Testosteronblutkonzentration beim Hund vor allem im Zusammenhang mit Sertolizelltumoren auftreten. Vor dem Hintergrund der geringen Spezifität sonographischer Befunde sollte der zytologischen Diagnostik in Zukunft eine wesentlichere Rolle in der Diagnostik von Hodenerkrankungen des Hundes zufallen.

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Meurer, Dirk Gerrit: Sonographische, zytologische und endokrinologische Untersuchungen zu Hodentumoren und nichtneoplastischen Hodenerkrankungen des Hundes. Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

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