Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zum Vorkommen von Salmonellen bei Zuchtschweinen

Quante, Ulrike

Um einen Überblick über das Vorkommen von Salmonellen bei Zuchtschweinen zu erhalten, wurden in 88 Zucht- und gemischten Betrieben 2288 Blutproben mittels ELISA auf Salmonella-Antikörper untersucht (Bestandsuntersuchung). Darüber hinaus wurden in einem Zuchtbestand mit ca. 1800 Sauen in der Zeit von April 1996 bis Dezember 1998 monatlich je zehn Blutproben von Eigenremonten untersucht (Verlaufsuntersuchung). Die Betriebe wurden, in Anlehnung an die "Leitlinien für ein Programm zur Reduzierung des Eintrags von Salmonellen durch Schlachtschweine in die Fleischgewinnung", auf Grund ihrer serologischen Ergebnisse in Kategorien (I bis III) eingeteilt. In den Betrieben der Kategorien II und III wurden zusätzlich, soweit dies möglich war, Umgebungs- und Sammelkotproben genommen und kulturell auf Salmonellen untersucht. Insgesamt reagierten 153 Blutproben (6,69 %) der Bestandsuntersuchung im ELISA (Cut-Off von 40 %) positiv. Dabei war kein signifikanter Unterschied in der Häufigkeit einer seropositiven Reaktion im Vergleich zwischen Jungsauen und Altsauen festzustellen, während die Mittelwerte der OD und OD % der Altsauen signifikant höher lagen als die entsprechenden Werte der Jungsauen. Daraus resultiert, daß der Cut-Off von 40 % für die Beurteilung der Salmonella-Seroprävalenz auf Herdenebene besser geeignet ist, als der Cut-Off von 10 %. Die Nachweishäufigkeit der Salmonella-Antikörper bei den Sauen bewegt sich in der gleichen Größenordnung wie bei den Mastschweinen. Über den gesamten Untersuchungszeitraum der Verlaufsuntersuchung des einen Zuchtbetriebes blieben die ELISA-Ergebnisse der Jungsauenproben negativ. Ebenso konnten keine Salmonella-Antikörper in den Blutproben der Altsauen dieses Betriebes nachgewiesen werden. Durch die serologische Untersuchung der Bestände und die Verlaufsuntersuchung konnte dokumentiert werden, dass seronegative Bestände existieren und es möglich ist, diesen Status über mehrere Jahre aufrechtzuerhalten. In 77 Betrieben wurde eine Befragung durchgeführt, um den Einfluß betriebsspezifischer Faktoren auf die Salmonella-Seroprävalenz bei den Sauen zu untersuchen. Für folgende Faktoren existierten signifikante Beziehungen: Bestandsgröße – keine lineare Beziehung. Die höchste Salmonella-Prävalenz ist bei Betrieben mit einer mittleren Bestandsgröße zu erwarten. Betriebsform – reine Ferkelerzeuger weisen höhere Salmonella-Prävalenzen auf als geschlossene Betriebe mit Mastschweinen oder Mastschweinen und Jungsauenaufzucht. Einstallsystem – werden die Abferkelabteile und Flatdecks im Rein-Raus-Verfahren belegt, besteht ein erhöhtes Risiko seropositiver Sauen im Betrieb. Des weiteren bei fehlendem Weideauslauf. Reinigung – mit zunehmender Intensität der Reinigung in den Bereichen Eroscenter und Maststall/Jungsauenaufzucht nimmt die Salmonella-Seroprävalenz bei den Sauen des Betriebes ab. Desinfektion – Betriebe, in denen die Abferkelabteile gereinigt und desinfiziert werden, weisen höhere Salmonella-Seroprävalenzen bei den Sauen auf, als Betriebe ohne Desinfektion. Besatz mit Schadnagern – es besteht eine positive Korrelation zwischen der Intensität des Schadnagerbesatzes und der Salmonella-Seroprävalenz bei den Sauen. Hinsichtlich des Antibiotika-Einsatzes bei den Sauen konnte kein Zusammenhang zwischen dem Medikamenteneinsatz im Betrieb und der Entstehung von Multiresistenzen festgestellt werden. Basierend auf den ELISA-Ergebnissen wurden sieben Betriebe in die Kategorie II und zwei Betriebe in die Kategorie III eingeteilt. Die 79 Betriebe der Kategorie I konnten noch einmal unterteilt werden in Betriebe, in denen keine Blutprobe einen OD %-Wert von ³ 40 % erreichte (Kategorie 0) (n = 45) und in diejenigen, in denen weniger als 20 % der Blutproben einen OD %-Wert von ³ 40 % erreichten. Von den Betrieben der Kategorie II und III konnten nur die sieben Betriebe der Kategorie II kulturell auf Salmonellen untersucht werden. Zusätzlich wurden zwei Betriebe der Kategorie I bakteriologisch untersucht. Aus 20 (7,6 %) der 264 Umgebungs- und Sammelkotproben konnten 21 Salmonella ssp. isoliert werden. In drei Betrieben der Kategorie II war kein Salmonella-Nachweis möglich. Salmonella enterica ssp. enterica Typhimurium stellte mit 71,4 % (n = 15) der Nachweise den vorherrschenden Serotypen dar. Unter den 12 typisierten Salmonella Typhimurium-Isolaten dominierte der DT 104 mit 11 Nachweisen, von denen 10 eine Resistenz gegenüber mindestens fünf Antibiotika (Multiresistenz) aufwiesen. Des weiteren wurden die Serotypen Derby, Enteritidis und Ohio isoliert. Nur für einen Betrieb konnte eine Eintragsquelle angegeben werden. Allerdings wurde durch die Ergebnisse die Bedeutung von Schadnagern und auch von Hunden als Eintragsquellen und für die Aufrechterhaltung der Infektionskette im Bestand unterstrichen. Auf Grund der eigenen Untersuchungen und der Ergebnisse in der Literatur muß die Bedeutung der Zuchtherde als eine Quelle der Salmonella-Infektion der nachfolgenden Produktionsstufen und letztendlich auch des Menschen als gering eingeschätzt werden. Daher, und auch in Anbetracht der Kosten, muß man den Nutzen eines Salmonella-Monitorings auf der Ebene der Zuchttiere sehr in Frage stellen.

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Quante, Ulrike: Untersuchungen zum Vorkommen von Salmonellen bei Zuchtschweinen. Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

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