Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zum Sulfatgehalt in Molkepulvern und Milchaustauschern sowie dessen Einfluß auf die Kotqualität und die scheinbare Verdaulichkeit der organischen Substanz und der Mengenelemente bei Kälbern

Stolte, Monika

Anlaß zu dieser Arbeit gab ein Durchfallgeschehen, das wiederholt bei Kälbern nach Einsatz bestimmter asche- und molkeproduktreicher Milchaustauscher (MAT) beobachtet wurde, nicht aber nach vergleichbarer Mengenelementaufnahme (TSCHENTSCHER 1998; KAMPHUES et al. 1999c). Ziel vorliegender Untersuchungen war es, nähere Vorstellungen zur Pathogenese dieser Verdauungsstörungen zu erhalten, die zunächst hypothetisch mit einer forcierten Sulfataufnahme in Zusammenhang gebracht wurden. Vor diesem Hintergrund erfolgte die systematische Überprüfung von Molkepulvern und Milchaustauschern auf ihren Sulfatgehalt. In Verdauungsversuchen an 17 männlichen Kälbern (12-19 Tage alt zu Versuchsbeginn) wurde der Einfluß von Milchaustauschern mit unterschiedlichen Sulfatquellen, Natriumsulfat und Magnesiumsulfat im Verhältnis 85:15 bzw. sulfatreiche Molkepulver und mit variierenden Sulfatkonzentrationen (Kontroll-MAT: 0,26-0,76 g/l Tränke; Versuchs-MAT: 1,11-2,25 g/l Tränke) auf die Kotqualität geprüft (einstreulose Einzelhaltung, ohne Heu und Kraftfutter). Zur eingehenderen Untersuchung des Sulfatstoffwechsels wurden an acht Kälbern ergänzende Bilanzversuche (Erfassung der faecalen und renalen Exkretion) durchgeführt. Richtwert für die täglich in drei Mahlzeiten als Warmtränke angebotene Tränkemenge waren 10 % der Körpermasse (125 g MAT/l Aqua dest). Die Rohnährstoff-, Mengenelement- und Spurenelementgehalte wurden mit Standardverfahren der Futtermittelanalyse bestimmt. Die Sulfatbestimmung erfolgte gravimetrisch (Fällung mit BaCl2). Die Gehalte an Laktat wurden enzymatisch, die Gehalte an flüchtigen Fettsäuren im Kot gaschromatographisch bestimmt. Der pH-Wert im Kot wurde ebenfalls erfaßt. Folgende wesentliche Ergebnisse wurden hierbei erzielt : 1. In Molkepulverproben (n = 29) variierte der Sulfatgehalt von 0,31 bis 43,0 g/kg Trockensubstanz (TS), in Milchaustauscherproben (n = 34) von 2,17 bis 12,6 g/kg TS. Die zudem in mehreren Molkepulverproben festgestellten Rohfaser- und Stärkegehalte (bis zu 25,1 g/kg TS bzw. 108,1 g/kg TS) sprechen für eine Einmischung pflanzlicher Komponenten. 2. Nach hoher Sulfataufnahme kam es innerhalb von 24 h zu massiven Veränderungen der Kotqualität (Rückgang des Kot-TS-Gehaltes von 18,1 ± 3,90 % [Kontrolle] auf 10,4 ± 1,07 % [max. Sulfataufnahme]). Die Herkunft des Sulfates zeigte dabei keinen statistisch signifikanten Einfluß. Die Tiere zeigten trotz veränderter Kotqualität keine weiteren Störungen des Allgemeinbefindens, wie Fieber, Appetitlosigkeit, Apathie oder geringere tägliche Zunahmen. 3. Die Korrelation zwischen der mittleren täglichen faecalen Sulfatabgabe und der mittleren täglichen faecalen Wasserabgabe (Korrelationkoeffizienten von r = 0,63) spricht für eine osmotisch bedingte Diarrhoe. Die Gehalte an Laktat und flüchtigen Fettsäuren blieben weitgehend konstant, womit eine fermentative Diarrhoe sicher ausgeschlossen werden kann. Jedes faecal ausgeschiedene Gramm Sulfat zieht eine faecale Wasserabgabe von 35,4 g nach sich. Als maximal vertretbare tägliche Sulfataufnahme mit Aufrechterhaltung einer normalen Kotqualität (einen Kot-TS-Gehalt > 15 %) werden 0,04 g/kg KM bzw. 0,4 g/l Tränke bei einer täglichen Tränkemenge von 10 % der Körpermasse der Kälber angesehen. Hierbei muß jedoch auch das Tränkewasser als mögliche Sulfatquelle beachtet werden. 4. Die scheinbare Verdaulichkeit der organischen Substanz der MAT (Kontrolle und Versuch: ~ 95 %) sowie der Mengenelemente wurde vom Sulfatgehalt im MAT nicht beeinflußt, teilweise aber vom Alter der Tiere. Die scheinbare Verdaulichkeit des Schwefels bzw. des Sulfates war nach forcierter Aufnahme mit 60,6 ± 3,09 % bzw. 51,6 ± 3,25 % bei den jüngeren Tieren geringer als bei den älteren Kälbern (64,6 ± 2,28 % bzw. 57,2 ± 4,02 %). 5. Das scheinbar verdaute Sulfat wurde nach geringer Sulfataufnahme zu 99 %, nach forcierter Sulfataufnahme zu 54,2 % renal ausgeschieden. Die Untersuchungen zeigten eindeutig einen negativen Effekt einer höheren Sulfataufnahme auf die Kotqualität bei Kälbern. Die vereinzelt in Feldproben beobachteten hohen Sulfatgehalte belegen die Praxisrelevanz der hier hinsichtlich der Verträglichkeit durchgeführten Fütterungsversuche. Der Sulfatgehalt sollte deshalb in Zukunft mit als Qualitätskriterium bei der Beurteilung von Molkepulvern und Milchaustauschern sowie bei der Verwendung von Molkepulvern (als Milchaustauscherkomponente oder z.B. als Diätetikum) berücksichtigt werden. Weiterführende Untersuchungen zur Bestimmung der intestinalen Umsetzungen und Resorptionsvorgänge der einzelnen in Molkepulvern enthaltenen Sulfatverbindungen sowie zu den Folgen einer langfristigen Aufnahme von sulfatreichen Futtermitteln (z.B. auf die Intestinalflora) erscheinen sinnvoll.

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Stolte, Monika: Untersuchungen zum Sulfatgehalt in Molkepulvern und Milchaustauschern sowie dessen Einfluß auf die Kotqualität und die scheinbare Verdaulichkeit der organischen Substanz und der Mengenelemente bei Kälbern. Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

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