Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zur Prävalenz und pathogenen Bedeutung enterohämorrhagischer, enteroaggregativer und enteroinvasiver Escherichia coli beim Hund

Thamm, Bianca

Enterohämorrhagische (EHEC), enteroaggregative (EAEC) und enteroinvasive (EIEC) E. coli sind als Krankheiterreger beim Menschen beschrieben. In der vorliegenden Arbeit sollte untersucht werden, mit welcher Prävalenz diese Keime bei Hunden vorkommen und ob sie als Durchfallerreger klinische Relevanz für den Hund besitzen. Darüber hinaus sollte überprüft werden, ob Hunde eine mögliche Infektionsquelle für den Menschen darstellen. Untersucht wurden 109 Kotproben klinisch gesunder und 263 Kotproben durchfallkranker Hunde. Von allen Hunden wurden Angaben zu Alter und Fütterung bzw. bei den durchfallkranken zusätzlich zur Art der Durchfallsymptome und zur bisherigen Therapie erfaßt. Die Proben wurden parasitologisch und mikrobiologisch untersucht, wobei Helminthen, Protozoen und Salmonellen in 10,2%, 13,2% bzw. 3,2% der Proben nachgewiesen werden konnten. Mittels PCR wurde das Probenmaterial auf die Anwesenheit folgender Virulenzgene von E. coli überprüft: Das Invasions- Gen invas der EIEC, das Adhärenz- Gen eagg der EAEC, sowie das Enterohämolysin- Gen hlyA, das Intimin- Gen eaeA und die Shigatoxin- Gene stx1B, stx2B, stx2cB, stx2A, stx2cA, stx2eA und stx2dA der EHEC. Der Shigatoxinnachweis (Stx) erfolgte mittels eines kommerziell erhältlichen EIA. Zur Isolierung der EAEC- und der shigatoxinbildenden (STEC) E. coli- Stämme wurde die Kolonienblot- Hybridisierung mit Digoxigenin-11-dUTP markierten Gensonden eingesetzt. Die genotypische Charakterisierung der isolierten Stämme erfolgte mittels PCR und Restriktionsenzymverdau. Die Bildung von Verotoxinen wurde im Verozellzytotoxizitätstest überprüft. Der Nachweis der Enterohämolysinbildung und Sorbitfermentation erfolgte durch Kultivierung auf Blutagar mit 5% defibrinierten Schaferythrozyten bzw. auf SMAC- Agar. Die erzielten Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Invas konnte in keiner der untersuchten Proben nachgewiesen werden. Eagg kam bei gesunden und durchfallkranken Hunden in jeweils einer Probe vor (0,9% bzw. 0,4%). Virulenzgene der EHEC waren bei Jungtieren häufiger nachzuweisen als bei adulten Hunden und ausgenommen hlyA bei gesunden häufiger als bei durchfallkranken. HlyA- positiv waren zwei Proben von gesunden und sieben Proben von durchfallkranken Hunden (1,8% bzw. 2,7%), wobei Hunde die antibiotisch/ chemotherapeutisch vorbehandelt waren hlyA mehr als doppelt so häufig aufwiesen, wie nicht vorbehandelte Hunde. EaeA konnte in nahezu der Hälfte aller Proben nachgewiesen werden (49,5% der Gesunden bzw. 41,4% der Durchfallkranken). Shigatoxin- Gene kamen bei neun gesunden und 17 durchfallkranken Hunden vor (8,3% bzw. 6,5%). Betroffen waren insbesondere Hunde, die rohes Fleisch als Futter erhielten. Isoliert wurden ein EAEC- und sieben STEC- Stämme. Alle STEC-Stämme zeigten Sorbitfermentation und Verotoxinbildung, wobei aber nur drei durch den Shigatoxin-EIA angezeigt worden waren. Bei allen STEC- Stämmen konnten stx2- oder Varianten von stx2- Genen nachgewiesen werden. Ein Stamm besaß zusätzlich das hlyA- und ein weiterer das hlyA- und das stx1B- Gen. EaeA- Gene waren bei keinem der Stämme nachzuweisen. Ebenso gehörte keiner der Stämme zu einer bisher bekannten humanpathogenen Serovar. Die Ergebnisse zeigen, daß EIEC bei Hunden nicht und EAEC nur selten vorkommen und deshalb als Durchfallerreger für den Hund keine oder nur eine unbedeutende Rolle spielen. STEC kommen bei durchfallkranken und gesunden Hunden vor. Ein Zusammenhang zu Durchfall konnte in Einzelfällen vermutet, aber nicht sicher belegt werden. Aufgrund des von den EHEC verschiedenen Virulenzmusters caniner STEC und der fehlenden bzw. nur geringen Prävalenz von EIEC und EAEC sind Hunde als Ansteckungsquelle für den Menschen von untergeordneter Bedeutung.

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Thamm, Bianca: Untersuchungen zur Prävalenz und pathogenen Bedeutung enterohämorrhagischer, enteroaggregativer und enteroinvasiver Escherichia coli beim Hund. Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

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