Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Epidemiologie, klinische Erscheinungsformen, Pathomorphologie, und Diagnostik der porzinen Circovirusinfektion

Tschachtschal, Jens

Ziel dieser Untersuchung war es, Aussagen zur Epidemiologie, Klinik, Pathomorphologie und Diagnostik der porzinen Circovirus-Typ 2-Infektion (PCV) treffen zu können. Ausgangspunkt für die hier durchgeführte Felduntersuchung war der Betrieb eines Ferkelaufzüchters und Mästers im Landkreis Vechta, in dem seit Herbst ´98 PCV2 im Zusammenhang mit dem „postweaning multisystemic wasting syndrome“ (PMWS) nachgewiesen wurde. Der Ferkelzulieferer dieses Bestandes wurde aus epidemiologischen Gesichtspunkten mit in die Untersuchungen einbezogen. Es wurde eine Verlaufsuntersuchung vom Tag der Geburt bis zur Schlachtung bei 2 Gruppen von Tieren im Abstand von 5 Wochen durchgeführt ( Gruppe 1 = 345 Tiere, Gruppe = 156 Tiere ). Im Betrieb des Ferkelerzeugers wurden in beiden Gruppen aus jeweils 10 Würfen zum Zeitpunkt der Geburt und im Alter von 3 Wochen Ferkel zur Sektion entnommen ( insgesamt 76 Tiere). Bei keinem dieser Tiere konnten pathomorphologische Veränderungen beobachtet werden. Ein Screening verschiedener Organe sowie von Nasentupfern auf PCV2 – Genomfragmente über die PCR erbrachte lediglich in den Lebern zweier neugeborener Tiere aus Gruppe 1 einen positiven Nachweis, was auf eine intrauterine Infektion hinweist. Serologisch konnten weder bei den untersuchten Ferkeln, noch bei den zugehörigen Muttersauen positive Antikörpertiter gegenüber PCV2 nachgewiesen werden. Nach der Einstallung im Bestand des Aufzüchters und Mästers stellte sich in beiden Gruppen eine massive Krankheitsproblematik ein, die jeweils in der 12. Lebenswoche ihren Höhepunkt fand. In Gruppe 1 wurden hauptsächlich die für PMWS beschriebenen typischen Symptome wie Kümmern, Blässe, pumpende Atmung und Husten beobachtet, während in Gruppe 2 neben diesen typischen Symptomen vermehrt Polyarthritiden und Tiere mit ZNS – Störungen festgestellt wurden. Während Aufzucht und Mast kamen aus Gruppe 1 37 verendete und moribunde Tiere zur Sektion (10,7%), in Gruppe 2 waren es 23 Tiere (15,7%). PCV2 – Genomfragmente waren bei diesen Tieren erstmals am 50. Lebenstag, dann zwischen ca. 60. und 120. Lebenstag nahezu durchgehend in allen untersuchten Organsystemen nachweisbar. Später gelang der Nachweis nur noch in einem Teil der Organe. Hierbei zeigte der Nachweis von PCV2 -Genomfragmenten aus dem Nasentupfer im Vergleich zu dem aus Organen nur eine Sensitivität von 0,5. Die Tatsache, daß PCV2 auch bei allen zur Sektion gekommenen unauffälligen Kontrolltieren, im Nasentupfer klinisch gesunder und kranker Tiere in der 12. Lebenswoche und selbst zum Zeitpunkt der Schlachtung noch bei ungefähr der Hälfte der Tiere gefunden werden konnte, spricht für den hohen Anteil latenter Virusträger innerhalb der Population und der langen Persistenz des Virus. Pathomorphologische Veränderungen der Krankheitsbilder PMWS und des porzinen Dermatitis-Nephropathie-Syndroms (PDNS) standen in enger Korrelation zum PCV2 – Genomnachweis. Die deutlichsten Veränderungen fanden sich in den lymphatischen Organen (lymphozytäre Depletion, multinukleäre Riesenzellen, vermehrt histiozytäre Zellen). Weiterhin wurden gehäuft interstitielle bzw. proliferativ-nekrotisierende Pneumonien und interstitielle Nephritiden gefunden. Unterschiede in den Befunden waren wahrscheinlich stark durch das jeweilige beteiligte Spektrum an bakteriellen Sekundärerregern bedingt. Von den 60 verendeten und zur Sektion gekommenen Tieren beider Gruppen wurden bei 48 Tieren PCV2 – Genomfragmente nachgewiesen, anhand der pathohistologischen Befunde konnten von diesen 48 Tieren wiederum 42 in das Krankheitsbild PMWS und 2 Tiere in das Krankheitsbild PDNS eingeordnet werden. Die Lungenbefundung der Schlachttiere zeigte keine Korrelation zwischen positivem Virusnachweis zum Zeitpunkt der Schlachtung und dem Nachweis von Lungenveränderungen und geringeren Tageszunahmen. Der Nachweis von PCV-Antikörpern gelang bei kranken und gesunden Tieren im Alter von 12 Wochen gleichermaßen. Ein positives Ergebnis der Serologie korrelierte jedoch in vielen Fällen nicht mit dem PCV2 – Genomnachweis aus dem Nasentupfer. Bei Schlachtschweinen konnten PCV2 -Antikörper trotz des Genomnachweises bei ungefähr der Hälfte der Tiere nur vereinzelt gefunden werden, was den Wert dieser serologischen Methodik insgesamt in Frage stellt. Weitere serologische Untersuchungen bei klinisch kranken und gesunden Tieren im Alter von 12 Wochen zeigten eine 95% ige Seroprävalenz gegenüber dem Virus des porzinen respiratorischen und reproduktiven Syndroms (PRRSV), was auf eine Infektion der gesamten Population hinwies. Gegenüber porzinem Parvovirus (PPV) wurden nur vereinzelt Antikörpertiter gefunden, die wahrscheinlich maternalen Ursprungs waren. Insgesamt deuten diese Ergebnisse darauf hin, daß beide Erreger nicht die entscheidenden Kofaktoren für die klinische und pathomorphologische Manifestation einer PCV2 Infektion sein können.

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Tschachtschal, Jens: Epidemiologie, klinische Erscheinungsformen, Pathomorphologie, und Diagnostik der porzinen Circovirusinfektion. Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

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