Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Zum Vorkommen von Helicobacter spp. bei Hauskatzen

Brandenburg, Uta

H. pylori, aber auch verschiedene andere Helicobacter-Arten, werden seit den 90iger Jahren des 20. Jahrhunderts für verschiedene Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes verantwortlich gemacht, vor allem für die Typ B Gastritis des Menschen. Dabei sind bis heute, trotz zahlreicher Nachforschungen, Erregerquellen und Übertragungswege weitgehend unbekannt. Die häufigsten und schwerwiegendsten Erkrankungen werden beim Menschen beobachtet, aber auch beim Tier weisen zahlreiche Studien auf einen Zusammenhang zwischen Infektion mit den Bakterien und klinischen Symptomen hin. Helicobacter-Spezies sind im Tierreich sehr weit verbreitet, häufig ohne Erkrankungen hervorzurufen. Ziel dieser Arbeit war es, zu untersuchen, welche Helicobacter-Arten bei der Katze vorherrschen, welche Veränderungen sie hervorrufen, und ob sie für eine Infektion auf den Menschen in Frage kommen. 100 frisch verstorbene und euthanasierte Katzen aus Privathaushalten im Bereich Göttingen wurden untersucht. Als Methoden kamen mikro- und molekularbiologische Nachweistechniken, sowie histologische, immunhistologische und ultrastrukturelle Verfahren zur Anwendung. Folgende Ergebnisse wurden ermittelt: Im Rahmen der mikrobiologischen Untersuchung, die als Goldstandard gilt, wurden keine H. pylori nachgewiesen. Die molekulargenetische Untersuchung erbrachte mit der höchsten Spezifität und Sensitivität einen Befall der meisten untersuchten Katzen sowohl mit H. heilmannii als auch mit H. felis. Nur eine Katze wies eine einfache Infektion mit H. felis auf. In 84 % der Fälle wurde H. heilmannii und bei 20 % der Katzen H. felis nachgewiesen. H. pylori wurde auch mit Hilfe der hochauflösenden Polyacrylamidgelelektrophorese und anschließender Silberfärbung bei keiner Katze nachgewiesen. Die immunhistologische Untersuchung, die im Gegensatz zur mikrobiologischen Untersuchung auch eine hohe Nachweissicherheit aufweist, konnte gastric Helicobacter-like organisms (GHLO) in 82 % der Fälle nachweisen, dabei wurden die Bakterien im Magenschleim, in den Magengrübchen und in den Magendrüsen in unterschiedlicher Intensität in allen drei untersuchten Magenlokalisationen beobachtet. H. pylori konnte nicht nachgewiesen werden. Mit Hilfe der H.-E. Färbung wurden parallel zum Nachweis der Befallsintensität, die in der immunhistologischen Untersuchung festgestellt wurde, Veränderungen der Magenschleimhaut diagnostiziert. Dabei wurden bei den meisten Katzen chronische Entzündungsreaktionen in Form von lymphoplasmazellulärer Infiltration festgestellt. Die Entzündungen waren graduell unterschiedlich in Kardia, Fundus/Korpus und Pylorus/Antrum verteilt, wobei keine Lokalisation bevorzugt wurde. Teilweise ließen sich auch negative Bereiche feststellen, obwohl andere Bereiche mehr oder weniger stark entzündlich verändert waren. 8 Tiere zeigten Entzündungssymptome, ohne daß Helicobacter-Spezies immunhistologisch nachgewiesen wurden, bei 16 Tieren wurden Helicobacter-Spezies ohne assoziierte Entzündungserscheinungen beobachtet. Die stichprobenartig durchgeführte transmissionselektronenmikroskopische Untersuchung erlaubt die Diagnostik der Feinstrukturen der Bakterien, wobei H. heilmannii und H. felis durch 10-15 Geißeln charakterisiert sind und H. felis zusätzlich Fasern auf dem Kamm der äußeren Membran aufweisen. Zusammenfassend kann nach Auswertung der Ergebnisse gesagt werden, daß Katzen sehr häufig mit GHLO, häufiger mit H. heilmannii als mit H. felis, infiziert sind und die meisten Katzen Entzündungsreaktionen in der Magenschleimhaut aufweisen, die keine Korrelation zur Befallsdichte mit den GHLO haben. H. pylori wurde in keinem Fall nachgewiesen, so daß Katzen wahrscheinlich nicht als Überträger der Keime auf den Menschen in Frage kommen, eine Infektion des Menschen mit H. heilmannii kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Unter gewissen Umständen können Helicobacter-Spezies auch beim Tier klinische Symptome hervorrufen, normalerweise verläuft die Infektion aber symptomlos.

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Brandenburg, Uta: Zum Vorkommen von Helicobacter spp. bei Hauskatzen. Hannover 2000. Tierärztliche Hochschule.

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